Dead by Daylight Wiki

Feiere Halloween mit Dead by Daylight:
Mehr Blutpunkte, neue Opfergaben, neue Gegenstände und vieles mehr!
Banner midnightGrove.png

MEHR ERFAHREN

Dead by Daylight Wiki
Advertisement
Dead by Daylight Wiki

TomeVII Forsaken Banner.jpg

Foliant VII - Verlassen ist der Foliant zum siebten Spalt in Dead by Daylight welcher am 5. Mai 2021 veröffentlicht wurde.

Überblick[]

Die Charaktere dieses Folianten sind William „Bill“ Overbeck und Adiris aka Die Seuche.

Tagebucheinträge und Erinnerungen[]

Bill Overbeck: Der lange Heimweg[]

ERINNERUNG 776[]

IconHelp archivesLog.png

Overbeck taumelt mit einem Stoffbeutel aus seinem Haus und versucht immer noch, die letzten paar Stunden seines Lebens zu verarbeiten. Alles ist verschwommen, nichts ergibt Sinn und in seinen Adern pulsiert immer noch eine kribbelnde Mischung aus Betäubungsmitteln und Adrenalin. Es fühlt sich genauso an wie damals in Vietnam. Gerade versinkt man noch in eine weit entfernte Traumwelt, und kurz darauf wehrt man in einem seltsamen, nebligen Albtraum den Chirurgen ab. Er erinnert sich an die Krankenschwester, die zuckt, krampft, sich verändert. In etwas, das er nicht ganz verstand und immer noch nicht versteht, obwohl sie überall sind. Er erinnert sich daran, gespürt zu haben, dass etwas nicht stimmte. Dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Er erinnert sich daran, wie sich sein Magen umdrehte und wie er gegen das Gewicht auf seinen Augenlidern kämpfte, alles versuchte, um seine Augen offen zu halten, als die verdammte Hölle rund um ihn herum losbrach. Er erinnert sich, wie er mit der Krankenschwester zu Boden fiel, das Tablett klapperte und die Messer und Werkzeuge verstreut herumlagen. Er wollte schlafen, einfach nur schlafen, aber er befahl seinen Augen, offen zu bleiben, und sah die Spritze, die über den antiseptischen Boden rollte. Er erinnert sich, wie er seinen Arm ausstreckte, die Spritze nahm und sie in sein Herz stach. Oder in seinen Arm? Oder vielleicht beides? Er weiß es nicht mehr. Ist auch egal. Es zählt nur, dass er es lebend aus dieser Hölle geschafft hat. Er schüttelt seinen pochenden Kopf und klettert über eine Absperrung, die eine Gasse versperrt. Er windet sich durch die brennende Stadt zum Markt. Der Großteil der Stadt wurde dem Erdboden gleichgemacht. Rauch und Dämpfe wabern in den Straßen. Die Luft stinkt nach der brennenden Zivilisation. Der brennenden Menschheit. Er erkennt den Geruch. Er bringt ihn zurück an Orte, die er lieber vergessen will. Alarmsirenen übertönen unaufhörlich die widerhallenden Schreie der Infizierten. Flammen lodern in den Ruinen und auf den Absperrungen und lassen Philly wie eine glühende Wüste aus Tod und Zerstörung wirken. Er hatte Artikel über die sogenannte grüne Grippe gelesen. Es waren nur wenige Tage vergangen und schon fühlte es sich an, als würde sie uns alle zurück in die gottverdammte Steinzeit katapultieren. Das ist schlimmer als in Vietnam. Viel schlimmer. Philly im Chaos versunken und von Infizierten überrannt. Es war mehr als eine gewöhnliche Grippe. Kein Scherz. Dutzende Verschwörungstheorien, und jetzt ist es egal. Es ist einfach egal. Alles, was zählt, ist das Überleben. Das kennt er schon. Er hört jemanden fluchen und sieht eine junge Frau, die eine Horde von Infizierten beim Markteingang mit einem Rechen verprügelt. Beeindruckend. Auf sie mit Gebrüll, Soldatin! Darf ich mich einmischen? Sie schlagen auf die Infizierten ein, bis nur noch Fleisch und Blut von ihnen übrig sind. Er starrt sie an. Sie kommt auf ihn zu. Nicht schlecht, alter Mann. Ich bin Zoey, die letzte Frau auf Erden. Nicht wirklich, aber so fühlt es sich an. Sie lacht und wischt sich faulige Fleischfetzen vom Arm. Sie erinnert ihn an eine Kleine in Vietnam. Starkes Lächeln und sehr witzig … sehr stark … genau wie sie.

ERINNERUNG 777[]

IconHelp archivesLog.png

Hallo! Ist da jemand?! Ich könnte hier Hilfe gebrauchen! Bill hört die Hilferufe über dem qualvollen Stöhnen der Infizierten. Inmitten des Chaos sieht er einen Käfig, der von Infizierten umzingelt ist. Er schnappt sich sein Gewehr und schießt. Die Köpfe der Infizierten zerbersten wie Wassermelonen. Er nähert sich mit Zoey dem Käfig, in dem er einen mit Blut bedeckten Mann sieht. Vom Regen in den Käfig. Er lacht. Wie bist du denn in dieses Drecksloch geraten? Der Mann seufzt. Hör auf zu quasseln und hol mich hier raus. Zoey sieht sich um. Etwas stimmt hier nicht. Sie hat gute Instinkte. Bill fühlt dasselbe Unwohlsein. Der Mann schlägt gegen den Käfig. Holt mich einfach hier raus, bevor sie zurückkommen! Bill hebt den Gewehrkolben und schlägt das Schloss mit einem lauten Scheppern vom Riegel. Frohe Weihnachten, Kleiner. Der Mann grinst. Das gefällt mir, Opa, aber ich bin nicht klein. Nenn mich Francis. Francis tritt aus dem Käfig und wiederholt immer wieder: Frohe Weihnachten ... Frohe Weihnachten, verdammt … Bill spuckt über die Leiche eines Infizierten, die über den Trümmern liegt. Das ist mein Spruch. Lass dir einen eigenen einfallen. Francis’ Lächeln wird noch breiter. Für so einen Spruch gibt es kein Copyright. Bill weiß, was er tut. Sie sind eine Art Rudel und hier geht es nicht um einen Spruch. Hier geht es darum, wer das Sagen hat. Ziemlich unverschämt für einen Zivilisten. Die Wahrheit ist, in diesem Chaos hat niemand das Sagen und wir müssen alle irgendwann die Führung übernehmen. Er ist nur zu dumm, um das zu verstehen. Er muss ihn jetzt brechen, bevor es unangenehm wird. Ihm den Kopf zurechtrücken. Er nähert sich dem Mann. Zoey seufzt. Jungs … es ist doch nur ein gottverdammter Spruch. Ein plötzliches Klicken hinter ihnen und Bill spürt, dass sie im Arsch sind. Sie drehen sich um und sehen drei Männer mit auf sie gerichteten Gewehren. Vom Käfig ins verdammte Feuer. Francis seufzt. Scheiße ... Kanadier. Bill mustert sie. Eine Gruppe von Männern in provisorischen Schutzanzügen und mit Gewehren. Wir sind keine Kanadier, und jetzt bewegt euch! Bill sieht Zoey und Francis an und raunt: Das sind Prepper. Francis zieht eine Grimasse. Also, was willst du damit sagen ... Meinst du, sie sind schlimmer als Kanadier? Bill hat darauf keine Antwort. Er hat mit Kanadiern gekämpft. Verdammt gute Männer. Was hast du gegen Kanadier? Francis zuckt mit den Schultern. Eine ganze Menge?

ERINNERUNG 778[]

IconHelp archivesLog.png

Ein Idiot schubst Bill mit einer Art provisorischem Elektroschocker in einen Raum. Vorsichtig mit dem Ding, CEDA! Der Idiot verpasst ihm einen Stromschlag. Wir sind nicht die CEDA. Er schiebt Bill in die Ecke mit Francis und Zoey. Er sieht einen Nerd an einem Computer. Sie sagen ihm, er soll sich in die Maschine hacken, aber er meint, er kann es nicht. Er kennt sich mit Technik aus, aber Hacker ist er keiner. Nach ein paar Versuchen schieben sie ihn zur Seite. Sie nennen ihn Junge. Er sagt, er heiße Louis und nicht Junge, worauf er eine Pistole ins Gesicht bekommt. Der Nerd hat Mumm und Haltung. Die Prepper reden untereinander. Einer von ihnen setzt sich an den Laptop und hackt sich hinein. Bill hört Gesprächsfetzen mit. Suche im Computer nach den Standorten der Unterschlüpfe. Die Grippe hat sich schneller breitgemacht, als es je jemand erwartet hätte. Alle, die Unterschlüpfe vorbereitet haben, haben sich angesteckt, bevor sie sie verwenden konnten. Diese Arschlöcher planen einen Weg durch die Stadt und nutzen die Unterschlüpfe als Kontrollpunkte wie bei der alten U-Bahn. Wie passend für Philadelphia. Sie haben vermutlich Hunderte Ideen, wie sie uns verwenden können. Einer von ihnen schnappt sich Zoey, hat wohl eine eigene Idee. Trotz seiner Fessel hechtet Bill an ihre Seite. Nimm deine dreckigen Pfoten von ihr. Der Wüstling kommt ihr näher und sie gibt ihm einen Tritt, den er nie wieder vergessen wird. Bill hätte nicht gedacht, dass man so schreien kann. Er blickt Zoey mit großen, anerkennenden Augen an. Der Rohling schreit immer noch wie am Spieß und sinkt auf die Knie, während er sich die Eier hält. Sein Kumpel eilt ihm zu Hilfe. Hilft dem schreienden Mann auf, aber … er sieht anders aus … richtig verändert ... Es ist etwas in seinen Augen. Oder eher etwas, das in seinen Augen fehlt. Scheiße. Louis weicht von dem Mann zurück, als wäre er die Pest. Francis gerät in Panik. Hol uns hier raus. Louis hebt ein Messer vom Boden auf und befreit Bill, während die Prepper bleich werden. Schreie und Rufe hallen um sie herum wider, während Bill Zoey und Louis Francis befreit. Sie treten zurück. Zoey keucht. Was sollen wir tun? Bill zuckt mit den Schultern und seufzt. Wir können nichts für sie tun. Ein Infizierter stürmt plötzlich auf Zoey zu. Francis schlägt ihm den Kopf ab. Frohe Weihnachten! Er blickt zu Bill, um seine Reaktion zu sehen. Bill schüttelt seinen Kopf und wirkt unbeeindruckt. Lass dir deinen eigenen Spruch einfallen, Kleiner, wenn du das nötige Hirnschmalz dazu hast. Francis prustet verächtlich. Louis richtet seine Krawatte. Francis zieht eine Grimasse und stupst Louis an. Nimm die Krawatte ab … Nimm die verdammte Krawatte ab. Louis ignoriert ihn. Zoey fordert die Jungs auf, endlich die Klappe zu halten und ihr zu folgen. Suchen wir uns eine Insel, auf der wir verrotten und uns über Krawatten streiten können. Bill hebt begeistert eine Augenbraue. Das klingt nach einem Plan. Ihm gefällt die Idee, auf einer Insel zu verfaulen, während die Welt zugrunde geht, tatsächlich. Die Kleine hat recht! Schnappen wir uns Ausrüstung und dann machen wir uns aus dem Staub!

ERINNERUNG 779[]

IconHelp archivesLog.png

Bill führt sein Gesindel, wie er sie nennt, durch eine Stadt, die er nicht wiedererkennt. Es ist verrückt, wie schnell die Grippe alles verändert hat. Veränderung. Die eine Sache, die ihn nie überrascht hat. Die einzige Konstante in seinem Leben. Wandel und Überleben in der neuen Normalität. Aber diese neue Normalität … an die muss er sich erst gewöhnen. Es ist ja nicht so, dass sie einander in Stücke reißen, sich entschuldigen und dann wieder Freunde sein würden. Er starrt in die Finsternis und geht die letzten paar Stunden seines Lebens in Gedanken noch mal durch. Er hat sich nicht angesteckt. Sie haben sich nicht angesteckt, und das hätte auf jeden Fall passieren sollen. Dann wird es ihm klar … Sie sind immun … Sie haben keine Symptome. Tickende Bomben, die nur darauf warten, die Grippe zu verbreiten. Ich habe ihnen die Grippe gebracht. Arme Schweine. Louis stellt sich neben Bill. Was jetzt, Opa? Bill verzieht sein Gesicht. Nenn mich nicht Opa. Ich habe nichts gegen „alter Mann“, aber nicht Opa. Bill geht weiter. Ich werde dir verraten, was jetzt … Jetzt suchen wir einen Unterschlupf und erholen uns. Aber erst schlägst du Francis auf die Fresse, weil er so viel Scheiße labert. Bill lacht. Ich mache nur Spaß, Junge, aber ich sehe ja, dass dich die Krawattenscherze nerven. Nimm es nicht persönlich. Das ist seine Art, mit dieser Scheiße umzugehen. Ich kannte Männer wie ihn in Vietnam. Sie haben Angst zu sterben und lenken sich selbst ab, indem sie anderen auf die Nerven gehen. Aber was mich wirklich fertigmacht, ist, dass er meinen verdammten Spruch geklaut hat. Louis lacht. Bill findet es nicht besonders witzig. Ich weiß, ich weiß … Nachahmung ist das ehrlichste Kompliment. Aber dass dieser Zivilist meinen Spruch verwendet. Das gefällt mir nicht.

ERINNERUNG 780[]

IconHelp archivesLog.png

Die Unterschlüpfe sind verlassen, aber sie sind immer noch wahre Schatzkammern voller Vorräte. Dieses Monster von einer Grippe hat schnell zugeschlagen und keine Gefangenen genommen. Bill seufzt und bezweifelt, dass die Evakuierungen noch laufen. Zoey hingegen glaubt, dass sich die Regierung noch etwas schert. Die Welt ist zugrunde gegangen und der Regierung ist das egal, aber er wird nichts sagen. Das Letzte, was er tun wird, ist, ihnen die Hoffnung zu nehmen, während sie sich durch die Gedärme der gefallenen Stadt schleichen. Zoeys andere Idee mit der Insel, auf der sie verfaulen konnten, hatte ihm gefallen. Das ist eine gute Idee. Wenn man irgendwo verfaulen muss, dann ist eine Insel, irgendeine Insel, keine so schlechte Idee. Vor allem eine mit Kokosnüssen. Aber wenn sie auf die Regierung hofft, kann sie ruhig weitermachen. Er wird ihr diese Hoffnung nicht nehmen. Auch wenn er selbst genug über die Regierung weiß, um zu wissen, dass sie keinen zweiten Gedanken wert ist, ganz zu schweigen von einer zweiten Chance. Aber er wird schweigen für die Zivilistin, die noch an das System glaubt … ein System, das schon lange vor der Grippe kaputt war. Außerdem wird er sich etwas überlegen, während sie auf die Regierung hofft. So macht er es immer. Zoey sieht ihn an. Es muss mehr wie uns geben ... Gebiete, die geschützt wurden … unter Quarantäne gestellt. Es kann nicht sein, dass alle Städte so sind. Bill unterdrückt eine zynische Bemerkung. Zoey hat etwas an sich, das er respektiert. Sie erinnert ihn an jemanden, den er mal kannte. Jemanden, der er mal war. Jemanden, der viele Ideen und Ideale hatte, bevor er das wahre Gesicht der Regierungen … der Menschheit sah … Es ist schön, das in ihr zu sehen. Wirklich schön. Er hofft, dass ihr das erhalten bleibt, und es diese Hölle nicht aus ihr rausstampft. Ein starker Wind raunt schrecklich und trägt einen allzu bekannten Geruch mit sich ... den Geruch von Fäulnis ... den Geruch von Dreck ... den Geruch von Tod. Die Infizierten. Dutzende von ihnen. Vielleicht Hunderte. Bill handelt instinktiv. Augen auf! Waffen bereit! Bevor er noch etwas sagen kann, werden sie von den Infizierten eingekreist. Schüsse knallen durch die tote Stadt. Köpfe bersten wie verdorbene, verfaulende Melonen, und die Infizierten liegen überall verstreut. Einer stürmt aus den Schatten auf Bill zu. Ohne zu zögern schießt Francis ihm den Schädel weg und wendet sich Bill zu. Frohe Weihnachten! Bill seufzt tief. Der Dreckskerl hat mein Leben gerettet und jetzt will er es mir unter die Nase reiben. Er wirft Francis einen strengen, vorwurfsvollen Blick zu. Also gut … du kannst den Spruch haben. Und jetzt halt den Rand und schieß! Bill flucht leise und erschießt weiter die dunklen Silhouetten, die durch die tiefe, orangefarbene Dämmerung auf sie zustürmen. Verdammt, wie habe ich das vermisst.

Weitere Tagebucheinträge und Erinnerungen sind auf späteren Stufen verfügbar.

Adiris: Die Jungfernwächterin[]

ERINNERUNG 4097[]

IconHelp archivesLog.png

Möge deine Stimme das Jenseits erreichen, möge deine Stimme das Jenseits erreichen, möge deine Stimme ... Adiris spricht diese Zeile, bis sie zu einem einzigen Wort verschmilzt, das sie in Einklang mit den Gläubigen murmelt. Mödeistidasjenerrei … Mödeistidasjenerrei ... Mödeistidasjenerrei ... Dreizehn Frauen stehen im Kreis um einen Steinaltar. Adiris’ Sprechgesang lässt mit der Zeit nach, ihr rauer Hals ist der einzige Hinweis, dass sie noch mitmacht. Jeder Satz bedeutet Schmerz. Den nackten Mann, der sich mit dem Gesicht nach unten auf dem Altar krümmt und von Lederbändern festgehalten wird, hat sie beinahe vergessen.

Der Hohepriester Haban hebt eine Hand. Adiris hält wie die anderen Gläubigen inne und senkt den Kopf. Sie ruft sich in Erinnerung: Ehre den Schmerz, ein Opfer für die Seeziege, den Gott des Wassers und der Schöpfung. Die Gläubigen zerstreuen sich und Adiris nähert sich dem Mann auf dem Altar. Tränen strömen aus seinen blutunterlaufenen Augen. Sie möchte ihm Trost spenden, ihm versichern, dass die Götter ihn lieben, ihn vielleicht sogar vom Altar und fort von den kommenden Schmerzen ziehen. Sie lächelt ihn an, wie sie einem Kind zulächeln würde. Wenn du nur die Bedeutung deines Opfers verstehen würdest, dann würdest du vor Freude lachen. Sanft und liebevoll küsst sie seine Stirn.

Möge deine Stimme das Jenseits erreichen.

ERINNERUNG 4098[]

IconHelp archivesLog.png

Der Beschwörer tritt vor: ein kleiner, runzliger Mann, gehüllt in einen scharlachroten – nein, weißen, aber blutigen – Umhang. Adiris neigt ihren Kopf und stimmt in das Flüstern um sie herum mit ein. Mögest du durch See und Sterne schwimmen. Der Beschwörer steht über dem an den Altar gefesselten Mann. Er nickt. Zieht einen Ärmel zurück. Enthüllt einen Speer, den er fest in der Hand hält. Er hebt die Waffe und ... stößt zu! Die Spitze durchbohrt den unteren Rücken des Mannes. Er bäumt sich auf und schreit, zittert, verkrampft, der Unterkörper bleibt regungslos und seine Blase entleert sich auf dem Altar. Der Beschwörer stellt ein Bein auf die Steinplatte und drückt den Speer nach unten bis – ein grauenvolles Knacken. Schreien ... heulen ... betteln? Etwas darüber hinaus – unbeschreiblich. Ein Wirbel tritt aus der offenen Wunde. Blut spritzt.

Galle steigt in Adiris’ Kehle hoch, als sie sich abwendet, um nicht zu erbrechen. Die anderen Gläubigen blicken nach oben. Lob! Ruhm den Göttern! Wegen der Schreie des Mannes ist nichts zu hören. Seine Stimme wird das Jenseits bestimmt erreichen. Adiris fasst sich und wiederholt den heiligen Text in ihrem Kopf: Die Pläne der Götter sollen nicht infrage gestellt werden, denn sie kennen Schönheit, die das menschliche Auge nicht erkennen kann. Die Pläne der Götter sollen nicht infrage gestellt werden, denn sie kennen ...

Vertraue ihnen, Adiris, vertraue ihnen! Sie gibt ihrem Glauben nach und feiert mit den anderen, aber da bemerkt sie – Haban. Er bedeckt sein Gesicht zu spät und sie sieht es: eine Träne rinnt aus seinem Auge. Sein Gesicht wirkt ... von Schmerz erfüllt.

ERINNERUNG 4099[]

IconHelp archivesLog.png

Adiris spritzt Wasser auf den Altar und wischt. Roter Kreis, wirbelnd, hell ... wie die Sonne an dem Tag, als sie vor der Tempeltür zurückgelassen wurde. Erstickende Hitze, schmerzhafte Schritte auf dem brennenden Sand. Mutter und Vater ... ein fehlendes Bruchstück in ihrer Erinnerung, unscharf, ersetzt durch ... Haban. Eine Gruppe imposanter Hohepriester, und nur er hat einen warmen Blick. Sie weint, also hebt er sie hoch und zieht seine Kapuze zurück. Im Hof erlaubt er ihr, die Götterstatuen anzufassen – Rishan, Hüter der Sterne; Ortares, Wächter der Wüste; Atil-Alara, Mutter der Menschheit – Gottheiten, die auf sie Acht geben und sie beschützen würden. Haban wird zum Lehrer. Vater. Er erzählt ihr von ihrer Religion: von Verbannten ins Leben gerufen, die glaubten, dass andere Religionen von der Politik verdorben wurden. Sie gewannen neue Erkenntnisse über das Leben nach dem Tod und vereinten alle Götter unter dem großen Schöpfer, der Seeziege.

Sie findet Rat in seinen Lehren, Bedeutung in der Knechtschaft und Trost im Wissen, dass Leid Liebe ist. Sie mag bei der Verbindung von Mitleid mit blutigen Opfern erschauern, aber sie arbeitet fortwährend daran, ihre Zweifel zu überwinden. Doch mit den Jahren, in denen ihr Glaube wächst, verändert sich Haban auf eine andere Weise. Sie sieht Bedrücktheit in seinem Gang. Hört, wie seine Stimme abschweift, wenn er heilige Texte liest. Wo er einst aus großzügigen Opfern für die Götter Energie schöpfte, zeigt er heute Pein.

Welche Finsternis konnte die Wüstensonne verdunkeln?

ERINNERUNG 4100[]

IconHelp archivesLog.png

Adiris sitzt im Hof, Haban ihr gegenüber. Ihrer beiden Augen sind auf ein Spielbrett zwischen ihnen gerichtet. Sie würfelt mit einem Holzwürfel, bewegt eine schwarze Scheibe über die Felder des Bretts, landet auf Habans Spielfigur, stellt sie neben das Brett. Keine Reaktion von Haban. Adiris sieht ihn mit einem liebevollen, besorgten Blick an. Eine freudige Opfergabe heute Morgen, nicht wahr? Die Götter freuen sich, gelobt seien sie. Haban sieht kaum auf. Mhm ... gelobt seien sie. Eine kühle Brise, Vögel zwitschern, sie sind nicht zu sehen. Haban scheint den Hof abzusuchen. Da er keine anderen Menschen sieht, blickt er in Adiris’ Augen. Er war ein guter Mann. Ein Freund. Und die Welt ist dunkler ohne …

Adiris fragt sich, ob dies ein Test ist. Sie weiß, was sie sagen muss, unterbricht ihn mit dem Satz, der ihr schon Tausende Male gesagt wurde: Es wurde von den Göttern befohlen, er schwimmt jetzt hinter der Seeziege. Haban richtet seine Aufmerksamkeit wieder auf das Spielbrett, schlägt Adiris’ Scheibe und stellt seine eigene ans gegenüberliegende Ende des Bretts. Anscheinend habe ich gewonnen ... wie es von den Göttern befohlen wurde. Adiris rückt ihren Stuhl zurück und protestiert. Haban wischt das Brett vom Tisch. Ich werde die Regeln von Ur neu schreiben. Ich werde sie um Urteile, Strafen, Diebstahl und Opfer erweitern. Und sollte jemand Einspruch erheben, werde ich diese bedeutsamen Wörter predigen: Es wurde von der verdammten Seeziege und ihren verfluchten Göttern befohlen. Adiris schüttelt ihren Kopf, der Schock der Wörter, von denen sie nie dachte, sie jemals zu vernehmen, hallt schmerzhaft in ihrem Kopf wider. Das ist ... Blasphemie! Dunkle Ringe scheinen unter Habans Augen anzuschwellen. Ja, die Wahrheit ist das oft.

ERINNERUNG 4101[]

IconHelp archivesLog.png

Der Tag der Tugend bricht an, eine monatliche Zeremonie, um den Orden von bösen Sünden zu reinigen. Eine Glocke erklingt. Adiris und die anderen im Tempel fallen auf ihre Knie. Die Stirn berührt den kalten Stein. Sie sieht auf, sieht die Jungfernwächterin kommen, die durch die Menge schreitet und auf ihrer Suche nach Sündern vom Glauben geleitet wird. Sie wartet, zählt die Kratzer im Boden, bis – ein Schrei. Eine Frau fleht und ... hustet, würgt. Adiris blickt auf und sieht, wie eine Bürgerliche an ihrem Hals aus dem Tempel gezerrt wird. Sie bemerkt die beiden olivbraunen Füße, die sich vor sie stellen, kaum. Erhebe dich. Erhebe dich! Adiris schrumpft unter dem Blick der Jungfer und riecht reife Datteln aus ihrem offenen Mund. Unter den Augen der Seeziege, sprich über das Böse, dessen Zeugin du geworden bist. Bringe uns Diebe, Ehebrecher und Frevler, damit wir sie reinigen können. Schultern versteifen sich. Adiris sieht das Gesicht von Haban, das Gesicht des Mannes, der sie großgezogen hat. Sie hört seine sanfte Stimme ... und die verstörte Stimme eines Frevlers. Vor Unschlüssigkeit verkrampft sich ihre Brust.

Ich wurde Zeugin ... von nichts Bösem. Bei den Göttern, meine Augen sind rein. Die Jungfer betrachtet Adiris. Sekunden verrinnen, immer langsamer, und ziehen die Realität in die Länge, bis … die Jungfer nickt. Mögest du durch See und Sterne schwimmen. Sie wendet sich ab und Adiris muss all ihre Kraft aufbringen, um nicht zusammenzubrechen.

ERINNERUNG 4102[]

IconHelp archivesLog.png

Adiris wischt Staub von den Altarböden. Ein paar eilige Schritte klicken über den Stein, nähern sich. Es ist Haban, sein sanftes Gesicht wirkt angespannt. Er deutet ihr an, zu schweigen. Meine Tochter, verflucht sei der Mann, der ich einst war. Ich habe dich als Kind aufgenommen und dich mit Ideen über göttliches Urteil und Strafe verdorben. Jetzt sehe ich deine Schwierigkeiten, wenn du diese Gedanken verinnerlichst. Ich flehe dich an, vergiss meine Lehren und sieh das Blut, das in diesem Tempel vergossen wurde. Keine Säuberung kann das Grauen, das hier stattgefunden hat, unvergessen machen.

Der Grundsatz hallt in ihrem Kopf wider: Der Wille der Götter ist Gesetz. Kein Sterblicher darf das Göttliche infrage stellen. Wer sich gegen die Gezeiten stellt, wird untergehen. Aber sie ist von sich selbst überrascht, denn sie bleibt still und Haban nutzt diese Gelegenheit. Ich bin alt und habe mein Leben vergeudet, aber ich kann den Gedanken nicht ertragen, deines zu zerstören. Triff mich in zwei Wochen hier bei Einbruch der Dunkelheit, dann werden wir vor den Fängen der Täuschung fliehen. Wenn du Zweifel hegst, bitte ich dich, mit deinen Göttern Rücksprache zu halten. Meine Tochter, mögest du ihr Schweigen als Antwort interpretieren.

ERINNERUNG 4103[]

IconHelp archivesLog.png

Auch wenn Adiris’ Herz schlägt, fühlt sie eine Leere, wo es sein sollte. Ein hohler Raum, aus dem Säure in ihren unruhigen Magen tropft. Auf zerschrammten Knien betet sie zu den Göttern, fleht, schreit leise nach Antworten. Nichts. Der Wind bleibt ruhig. Sie ist allein, von Steinen umgeben, und Statuen ungerührter Götter blicken auf sie herab. Staub fliegt durch die Luft, lässt sich auf ihrer Haut nieder, echter als alles, an das sie je geglaubt hat. Ein Leben voller Glaube und Sicherheit bricht in sich zusammen. Sie fühlt sich unsicher, mit nur der einen Gewissheit, dass sie diesen Ort verlassen muss. Sie steht auf, wendet dem Tempel den Rücken zu, aber dann –

ein Flüstern!

Das gedämpfte Murmeln in ihrem Kopf ist undeutlich, unklare Worte fließen über eine gespaltene Zunge. Aber sie fühlt es, erkennt eine bedeutsame Wahrheit: Sie wird nie allein sein. Niemals.

ERINNERUNG 4104[]

IconHelp archivesLog.png

Scham überkommt Adiris, als sie in ihr Zimmer zurückkehrt. Sie hat es gewagt, an den Göttern zu zweifeln. In ihrem chaotischen Flüstern: Schmerz, Wut, Blutrausch. BÜSSE! Sie zieht ihre Robe aus und fasst nach einer Peitsche, eine einfache Geißel mit Dornen und Bronzestacheln. BÜSSE! Sie schwingt sie mit großer Kraft. Die Stacheln bohren sich in ihren Rücken und krallen sich in ihr Fleisch, als sie erneut ausholt. Durch zusammengebissene Zähne schreit sie, behält aber das Geräusch in ihrer Kehle, damit niemand sie hören kann. BÜSSE! Sie holt aus, Bluttropfen benetzen den Boden. Qualen, als die Haut aufgerissen wird und nur noch an bleichen Fäden hängt. Sie macht sich bereit und schlägt erneut zu, bis sich eine blutrote Pfütze bildet. BÜSSE! Wie viel Blut ist genug? Ihr Körper schreit vor Pein. Sie denkt darüber nach, die Peitsche fallen zu lassen, diesen Mauern zu entfliehen, aber erinnert sich an die Doktrin, die Haban ihr beigebracht hat: Leiden ist das Herz der Liebe. Sie hält die Peitsche fester und holt erneut aus.

ERINNERUNG 4105[]

IconHelp archivesLog.png

Schweiß tropft von Adiris’ Poren auf ihr Laken. Dicke Krusten fallen von ihrem Fleisch, wenn sie sich bewegt. Mit großer Mühe hebt sie ihren Kopf und sieht nach dem Geräusch hinter ihr. Haban. Er kniet über ihr mit einem feuchten Tuch in der Hand. Sie ist zu schwach, um zu sprechen, aber ein Flüstern reicht ihr. Sie faucht, äußert ein hastiges Gefühl in ihrem Kopf. FREVLER! Er wäscht das Blut von ihrem Rücken und nähert sich mit seinem Mund ihrem Ohr. Hat die Jungfernwächterin das getan? Was hat ihr blinder Glauben nur angerichtet?

Sie driftet immer wieder in die Bewusstlosigkeit ab, als der Frevler ihre Hand nimmt. Ich habe dich enttäuscht, meine Tochter. Aber das ist vorbei. Sei stark, dann werden wir bald fliehen.

ERINNERUNG 4106[]

IconHelp archivesLog.png

Auch wenn jede von Adiris’ Bewegungen von Schmerzen begleitet ist, richtet sie ihren Blick gen Himmel und bedankt sich bei den Göttern für ihre Führung. Ihr Flüstern bleibt, weiter entfernt, verhallt, aber ist immer noch gebieterisch, beeinflussend. Sie öffnet ihr Herz, lässt zu, dass das Flüstern ihren Körper erfasst. Sie begibt sich zum Quartier der Jungfernwächterin und nimmt sich eine Uniform. Sie ist sich sicher, dass niemand ihren Verstoß bemerken wird, immerhin sind die Götter auf ihrer Seite. Ein Räucherfass mit süßem Weihrauch steht auf einem Tisch und ruft sie. Sie lässt ihre Hände nach eigenem Willen handeln und füllt das Gefäß mit Öl und glühender Asche. Sie stellt den Willen der Götter nicht infrage, sie weiß, dass eines Tages alle Fäden verwebt und der Wandteppich fertiggestellt sein wird. Habe Vertrauen in sie, Adiris!

Sie tritt ins Mondlicht. Die Nacht ist hereingebrochen. Rauch tanzt um ihren Körper. Ihre bloßen Füße tragen sie einen Steinpfad entlang zum Mund des Tempels. Sie blickt hinein und erkennt in den Schatten die schlanke, zitternde Gestalt des Hohepriesters Haban – des Mentors, des Vaters, des Frevlers.

Möge seine Stimme das Jenseits erreichen.

Universum Alveus: Logs, Geschichten und Notizen[]

ARCUS 03[]

IconHelp archivesLog.png Ich habe den ganzen Tag mit unnötigen, banalen Aufgaben verbracht, wie Boden wischen, Statuen und Möbel abstauben und Geschirr polieren, alles, um ziemlich erfolgreich zu versuchen, mich abzulenken. Ich denke, sobald ich das Auris zum Laufen gebracht habe, sollte ich mich mit dem, was wie ein träumender schwarzer Nebel aussieht, beschäftigen können. Gegen Abend hin habe ich am Auris herumgebastelt, und als sich das als frustrierend herausgestellt hat, habe ich mathematische Gleichungen und Theorien gelöst, während ich mich selbst in einer anregenden Debatte verlor und in dem, was ich für eine bedeutsame Unterhaltung hielt. Eine der Lektionen für jene, die innerhalb der Grenzen eines Uralten eingesetzt werden, ist, eine strikte Routine aus Schreiben, Lesen und Selbstgesprächen aufrechtzuerhalten, damit die Säulen des Intellekts nicht unter der Last der Faulheit, Entfremdung und Langeweile einbrechen. Denken und Sprechen sind Fähigkeiten, und wie jede Fähigkeit können sie verkommen und verkümmern, wenn sie nicht regelmäßig geübt werden.

ARCUS 04[]

IconHelp archivesLog.png Geschichten und Tagebücher liegen überall verstreut. So viel zu lesen … und doch fühle ich mich von dem Gekritzel und den Aufzeichnungen des unbekannten Verfassers angezogen, den ich den verrückten Entwickler nenne. Tagebücher voller wilder Skizzen und Gedanken von Menschen, die wohl in anderen Teilen dieser lebenden Dimension gefangen sind – Menschen, die mit anderen Terra-Welten und Zeitachsen nebeneinandergestellt werden, die nichts damit zu tun haben, wer sie sind oder woher sie kommen. Die Zeichnungen und Notizen sind albern, absurd und ziemlich widersprüchlich und doch bringen sie Momente der Leichtigkeit in mein Leben, was der Seele wohltut. Es ist wohl eine Form von absurder Realitätsflucht, der ich mich hingebe, wenn ich nicht die traditionelleren Geschichten lese. Interessanterweise fand ich siebzehn Versionen einer Geschichte mit einem Killer namens Evan, die von siebzehn Versionen desselben Autors im Omniversum stammen. Siebzehn ähnliche Geschichten mit zum Teil feinen, zum Teil bedeutenden Unterschieden. Was ich besonders interessant finde, ist, dass die Geschichten in der einen Welt als Fiktion und in der anderen als Tatsachenbericht dargestellt werden. Das erinnert mich an Universum Alveus … eine Theorie, die annimmt, dass der menschliche Geist mit einem mächtigen Netzwerkmechanismus ausgestattet sein könnte, der genutzt wird, um Weisheit und Wissen von unseren anderen Selbsts in anderen Welten zu erhalten. Manche können ihren Geist so nutzen, andere nicht. Die Theorie besagt, dass Menschen, die in ihren prägenden Jahren ein Trauma erlebt haben, sich von ihrer Realität abkapseln, wodurch sie andere Realitäten und Welten mit einer gewissen Leichtigkeit erkunden können. Künstler wie Magier und Schamanen sehen kleine Dinge im großen, unerklärlichen, endlosen Traum, der das Omniversum ist, und sie bringen diese Ideen oder Einblicke mit, um die Welt zu unterhalten, aufzuklären oder zu inspirieren. Fiktion in der einen Welt, Tatsache in der anderen. Alles ist real, oder nichts ist real. Und hier in der Blutkammer gibt es unzählige Horrorgeschichten jeder Art. So viele, dass es mir vorkommt, als hätte einer der unbekannten Gefangenen diese Geschichten gesammelt, um mehr über seine Gefangenschaft, den Entitus und die schrecklichen Schreie aus dem umgebenden Abgrund zu erfahren. Ob das wahr ist oder nicht, weiß ich nicht, aber was ich sicher sagen kann, ist, dass ich die ganze Nacht damit verbracht habe, meine Lieblingsgeschichten laut vorzulesen wie früher mein Vater beim Kamin. Und die ganze Zeit über habe ich mich gefragt … Wie? Wie konnte jemand so eine große Sammlung von Notizen, Tagebüchern und Geschichten bekommen und zusammenstellen? Ich habe noch keine Antwort darauf, aber die Struktur und die Dichte des Nebels lassen mich vermuten, dass ich an einem Ort sein könnte, der so komplex, geheimnisvoll und missverstanden ist wie ein schwarzes Loch. Ein lebendes, atmendes, alles verzehrendes schwarzes Loch, die Schlange der Unendlichkeit, die sich in den eigenen Schwanz beißt, die sich ohne Unterbrechung auffrisst, während sie in die kosmische Fibonacci-Suppe hinabtrudelt, die das unverständliche Leben ist.

ARCUS 8282[]

IconHelp archivesLog.png Dutzende abgetrennte Köpfe im Versteck und ich bin mir nicht sicher, wie sie hierhergekommen sind. Ich habe sie den ganzen Tag lang angestarrt und habe einige von ihnen von den letzten Erinnerungen erkannt, die ich erkundet habe. Ich habe die ganze Nacht dafür gebraucht, aber ich habe einen Haufen mit den Schädeln vor der Tür errichtet. Als ich fertig war, begannen sie zu sprechen, zu diskutieren und sich über belanglosen Unsinn zu streiten. Ich drückte meine Augen zu, bis wieder Stille einkehrte. Als ich meine Augen wieder öffnete, waren sie fort. Dann ging ich wieder hinein und zog mich in die Blutkammer zurück, wo ich laut Geschichten las und die absurden Schöpfungen des verrückten Entwicklers durchging.

Brutalster Mord in der Geschichte von Sunny Lake[]

IconHelp archivesLog.png Blutkammer. Brutalster Mord in der Geschichte von Sunny Lake.

Eine junge Frau wird wegen vorsätzlichen Mordes angeklagt. Sie soll die Mutter ihres Ehemanns enthauptet haben, deren verkohlte Überreste in Einmachgläsern im Wintergarten der Verdächtigen gefunden wurden, während ihr Kopf zerfleischt in einem kaputten Mixer in der Küche steckte. Samara Dwenlis, 33, wird wegen des vorsätzlichen Mordes im Juni 2037 an Kristy Hartz, 67, angeklagt. Der Prozess begann am Donnerstag. Die Staatsanwälte sprachen sich gegen einen Antrag auf Unzurechnungsfähigkeit aus, obwohl die Verdächtige den Notruf verständigt und behauptet hatte, dass ihre Schwiegermutter ein Vampir war. Im Anruf wird eine uralte Verschwörung über Vampire beschrieben, die unter uns leben und ihre Kräfte aus einer anderen Dimension beziehen.

Obscura. Jenseits des Fassbaren.[]

IconHelp archivesLog.png Der Turm lebt. Ich erinnere mich daran, wie er am Abend zuvor war, und am nächsten Tag verändert er sich. Er verändert sich auf eine Art und Weise, die sich jeder Logik und allem, was wir über die Ontologie dieser Uralten zu Hause erfahren haben, entzieht. Es ist möglich, dass man verrückt wird, wenn man versteht, was dieser Ort alles ist. Ich öffnete die Tür in der Erwartung, dahinter einen leeren, verstaubten Raum vorzufinden, nur um eine ganze Stadt mit Wolkenkratzern und alten Pagoden zu entdecken. Verwirrt starrte ich eine Gruppe von Teenagern inmitten der Ruinen der Straße an, die mit tödlichen Samuraischwertern gewaltige, mutierte, käferähnliche Wesen niedermetzelten. Ich schloss die Tür schnell, und als ich sie wieder öffnete, war die Stadt fort. Sie war komplett verschwunden. Nichts als ein kleines, verstaubtes Zimmer mit einer seltsam aussehenden Spinne, die auf mich zukrabbelte. Ich zerdrückte die Spinne mit meinem Stiefel und versuchte nicht mal zu verstehen, was hier gerade passiert war.

Unter den Ruinen 1[]

IconHelp archivesLog.png Blutkammer. Höllenbote. Unter den Ruinen 1.

Stefan nippte an seinem kalten türkischen Kaffee, während er seine frühmorgendlichen Versuche einer Kurzgeschichte durchlas, die er in seinem Blog veröffentlichen wollte. Er las die ersten Zeilen und befand, dass sie stärker sein könnten. Mit einem Seufzen riss er die gelbe Seite vom Notizblock, zerknüllte sie zu einem Ball und warf sie zum wachsenden Stapel von fehlgeschlagenen Anfängen mitten im luxuriösen, schwarz-burgunderroten Hotelzimmer. Frustriert schlug er auf den Schreibtisch. Er wollte etwas Unterhaltsames und Originelles für seinen Blog schreiben, aber nichts fiel ihm ein. In der letzten von ihrem geheimnisvollen Gönner finanzierten Folge hatte sein Produktionsteam uralte Gräber in der Südwesttürkei untersucht. Er selbst eher weniger. Aber seine Nichte und sein Neffe, die stärkere Nerven hatten und das Makabre aushielten. Stefan bevorzugte ein sicheres und gemütliches Hotelzimmer, in dem er die Minibar plündern und die Logistik der Show überwachen konnte. Nicht, dass er kein Abenteuer mochte. Er mochte nur keine Grabstätten, Grüfte und Orte, die sich finster, unheimlich und gefährlich anfühlten. Haddie hatte ihm einmal als eine Art Therapie empfohlen, Horrorgeschichten zu schreiben, um seine Ängste und Sorgen vor dem Unbekannten zu überwinden. Zum Teil hatte es gewirkt. Zum Teil genoss er es aber einfach, allein zu sein – allein mit all den Figuren und Stimmen in seinem Kopf, Stimmen, die gehört und zu Papier gebracht werden wollten. Jetzt drängten die Stimmen ihn, eine Vampirgeschichte zu schreiben. Ihr Gönner behauptete, dass es ein Dorf voller echter Vampire im alten Anatolien gegeben haben sollte, das vor dem Rest der Welt versteckt war. Laut den Informationen, die sie erhalten hatten, waren Vampire keine fiktionalen Wesen, sondern wahre intradimensionale Wesen, die einst versucht hatten, die Welt zu übernehmen. Sie waren von einer unbekannten Gruppe mystischer Krieger besiegt worden. Irgendwie hatten es die wenigen überlebenden Vampire geschafft, sich selbst aus der Geschichte zu löschen, indem sie alle Erinnerungen, die es noch an sie gab, in übertriebene Mythen und Legenden verpackten. Stefan fand diese Theorie von Mythen und Legenden und Parallelwelten interessant, ja sogar faszinierend. Vampire, real. Wirklich real. Nicht so wie in den Filmen, aber trotzdem real. Eine Theorie, die er gerade gelesen hatte, deutete an, dass alles, was erschaffen oder erfunden wurde, irgendwo im „Garten der Unendlichkeit“ existierte. In anderen Worten: Geschichten und Figuren stammten von einem realen Ort in der unendlichen Landschaft, die das Omniversum war. Die Theorie vermutete weiter, dass Künstler irgendwie ihr drittes Auge geöffnet hatten und so in andere Realitäten blicken konnten. Eine Idee, eine Vision oder ein Traum bedeutete laut der Theorie, dass die Zirbeldrüse im Unendlichen nach Wahrheit, Weisheit, Inspiration suchte. Das Hirn war damit ein Quantencomputer, der sich mit dem Unendlichen verbinden konnte. Es war eine nette Idee. Sie bedeutete, dass die geschätztesten Figuren aus seinen Lieblingsbüchern … auf gewisse Weise … irgendwo … real waren. Ein plötzliches Klopfen an der Tür ließ ihn von seinen Quantengedanken aufschrecken. „Mr. Roi … Ihr Mittagessen ist bereit.“ Schon Mittagszeit, und Stefan hatte immer noch keine Geschichte. Faul und in seinen Bademantel gehüllt stand er auf und hoffte, dass Jordan und Haddie mehr Glück dabei hatten, die namenlosen Gräber zu finden, nach denen sie suchten. Er stellte sich vor, dass seine Nichte und sein Neffe die Sonne genossen, während sie die Ruinen filmten, und sich die Erdnussbutter-Bananen-Sandwichs schmecken ließen, die er ihnen geschmiert hatte.

Unter den Ruinen 2[]

IconHelp archivesLog.png Blutkammer. Höllenbote. Unter den Ruinen 2.

„Weg vom Sarg!“ Eine Frau mittleren Alters mit blonden Haaren und blauen Augen in einem schwarzen Anzug richtete einen Revolver auf Haddie und Jordan. Haddie ließ ihre Schaufel fallen, seufzte, wechselte einen Blick mit ihrem Bruder und entfernte sich vom verriegelten Sarg. „Für wen arbeiten Sie?“, fragte Haddie und betrachtete die Frau. „Das, meine Liebe, geht dich nichts an.“ Jordan schüttelte seinen Kopf. „Ich glaube nicht, dass Sie ihn öffnen sollten.“ „Sei still!“ „Mein Bruder hat recht.“ Haddie deutete auf die Symbole, die in das verfaulte Holz des Sargs geschnitzt worden waren. „Es ist eine Art Warnung … Was auch immer da drin ist … soll dort drinbleiben.“ Sie begutachtete den Halbmond und die drei Punkte und fragte sich, was sie bedeuteten. Sie ähnelten keinem der anderen Symbole, auf die sie in den letzten Monaten gestoßen waren. „Abergläubischer Unsinn!“, schrie die Frau, richtete den Revolver auf das Schloss und betätigte den Abzug. Ein Knall hallte durch die Ruinen und den umgebenden Wald . Haddie fragte sich, ob ihr Reiseführer und Dolmetscher sie gehört hatte. Es fiel ihm wahrscheinlich gar nicht auf, und wenn, war es ihm egal. Er weigerte sich, ihnen zu den Gräbern zu folgen, nannte sie ignorante Touristen und meinte, er würde beim Auto warten, wo er mit seinen Freunden Nachrichten auf dem Handy austauschte, bis sie zurückkamen. Die Frau betätigte den Abzug so oft, bis das Schloss absprang und dumpf zu Boden fiel. „Ich hoffe, er ruft die Polizei“, flüsterte Jordan Haddie zu. „Darauf würde ich mich nicht verlassen …“ Die Frau untersuchte den Sarg sorgfältig. Haddie und Jordan wichen zurück, als sie mühevoll den Deckel öffnen wollte. Als Haddie vorsichtig zurückwich, befand sie, dass die Frau wohl für dieselbe Geheimorganisation arbeitete, die nun schon in einige ihrer Nachforschungen eingegriffen hatte. Sie wusste nicht viel über sie, aber von dem, was sie von ein paar Schlägertypen in Ägypten gehört hatte, schloss sie, dass sie auf der Suche nach verstecktem Wissen waren – Wissen, von dem sie glaubten, dass es der Menschheit helfen würde, eine höhere Existenzebene zu erreichen. „Bitte …“, warnte Haddie. „Öffnen Sie ihn nicht, bevor wir wissen, was das Symbol bedeutet.“ Die Frau blickte sie verächtlich an und hievte den Deckel mit einem schwerfälligen Schrei hoch. Darunter befand sich … nichts. Nichts als seltsamer, schwarzer Nebel. „Das verstehe ich nicht“, sagte sie, „es sollte doch hier sein … das Buch …“ Die Augen der Frau verengten sich. Frustration zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab, als sich der schwarze Nebel plötzlich hob und in ihren Mund und ihre Nase drang, als wäre er lebendig. Haddie und Jordan verließen das Grab. Die Frau würgte, hustete und brach zusammen. Dort im Dreck wand sie sich und verrenkte sich auf unnatürliche Weise, schrie und kreischte, als der Nebel ihren Körper in etwas unbeschreiblich Groteskes verwandelte. Ihre Adern traten dick und schwarz auf ihrem Hals hervor. Ihre Hände krachten auf den Boden und sie verkrampfte sich hysterisch, als würde sie bei lebendigem Leib verbrannt. Dann wurde ihr Körper mit einem markerschütternden Schrei steif und regungslos. Haddie unterdrückte einen entsetzten Schrei. Ein kalter Schauer lief ihr den Rücken hinunter, als sie das Grab ungläubig anstarrte. Was war gerade passiert? Was für ein seltsamer Nebel konnte einer Person so etwas antun? War es eine Art uraltes Gift … eine Art giftiger Dampf … oder war es etwas Schlimmeres … „Tja … so was sieht man auch nicht alle Tage, was?“, sagte Jordan unberührt. „Ich wünschte wirklich, ich hätte das gefilmt.“ Haddie seufzte. „Ist sie tot?“ „So tot wie ein Grab.“ Haddie fand ihn nicht witzig. Ganz und gar nicht. Er hatte Angst. Das verriet ihr sein verzweifelter Versuch, seine Furcht mit Witzen zu überdecken. Er wollte gerade noch einen Witz reißen, als das Wesen plötzlich wieder zum Leben erwachte. Überrascht keuchte Haddie, zog an Jordans T-Shirt und drängte: „Wir müssen hier weg.“ Aber gerade als sie zurücktrat, wandte sich das Wesen ihnen mit blutroten Augen und einem vorstehenden Kiefer zu, der einer Schnauze ähnelte, mit Zähnen, die unter gedehnter Haut zu wachsen schienen. „Oh, scheiße!“, entfuhr es Haddie. Sie verlor den Halt und stürzte mit ihrem Bruder zu Boden. Das Wesen, das einmal eine Frau gewesen war, brüllte sie an und enthüllte dabei zwei gewaltige Reißzähne, die Tranchiermessern glichen.

Unter den Ruinen 3[]

IconHelp archivesLog.png Blutkammer. Höllenbote. Unter den Ruinen 3.

„Hier entlang!“, rief Haddie und führte Jordan durch das schattige Zwielicht, das durch das Blätterdach des Waldes drang. Sie konnte das Geschöpf schreien hören, als es sie mit unnatürlicher Geschwindigkeit und Entschlossenheit verfolgte. Sie sah eine zerklüftete Felsnase und zog ihren Bruder schnell in das Versteck. „Sollten Vampire nicht im Sonnenlicht explodieren?“, fragte Jordan. „Ich meine, wäre das nicht zu erwarten?! Weiß es denn nicht, dass es eigentlich tot sein sollte?“ Haddie legte sofort einen Finger auf seine bebenden Lippen, als sie die näherkommenden Schritte hörte. Sie unterdrückte den Drang, das Wesen anzusehen. Stattdessen spitzte sie die Ohren. Sie hörte das Klappern und Zischen seines hungrigen Kiefers. Sie hörte, wie Steine und Äste unter dem Geschöpf zerbrachen, als es nach ihnen suchte. Dann schienen die Schritte die Richtung zu ändern. Sie wurden immer leiser, bis Haddie nur noch die Laute der Insekten hören konnte. Haddie atmete schaudernd aus. Jordan schluckte den Kloß in seinem Hals herunter und sagte: „Wir hätten auf die Warnung achten sollen.“ „Wenn es das war … eine Warnung …“ „Was könnte es sonst sein?“ „Ich weiß nicht … Aber ich weiß … dass wir etwas Übles auf die Welt losgelassen haben.“ „Und mit übel meinst du den Vampir und nicht Fürze“, sagte Jordan grinsend. „Nur, um sicherzugehen.“ „Nicht lustig.“ „Ein bisschen lustig.“ „Nein. Nicht mal ein bisschen.“ Haddie riskierte einen Blick an den Felsen vorbei. Sie sah sich ängstlich um und erwartete beinahe, dass sich das Wesen auf sie stürzen würde. Als nichts passierte, stand sie auf und führte Jordan langsam und leise zurück zu ihrem Fremdenführer. Als sie durch den Wald ging, fielen ihr die Ähnlichkeiten zwischen all den Symbolen auf, die sie an den letzten paar Forschungsstätten gesehen hatte. Sie ähnelten nichts, was sie früher gesehen hatte, und sie hatte sie an den unterschiedlichsten Orten der Welt entdeckt. Indien. Afrika. Portugal. England. Paris. Und jetzt … in der Türkei. Haddie wurde das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmte. Sie unterbrach das Schweigen und meinte: „Wir werden hier in etwas viel Komplexeres hineingezogen, als man uns glauben machen will. Fast so, als … würde man uns ausnutzen …“ „Ausnutzen? Wozu? Wer interessiert sich schon für ein paar Blödiane aus Montreal, die üble Dinge auf die Welt loslassen?“ Haddie schüttelte den Kopf, warf ihm einen ernsten Blick zu und antwortete: „Ich weiß es nicht. Aber ich glaube, es ist Zeit, dass wir unseren geheimnisvollen …“ Ein Zweig knackte und ließ die Geschwister aufschrecken. Bevor Haddie ihren Gedanken fertig aussprechen konnte, stand das Geschöpf zwischen zwei Bäumen, in Sonnenlicht getaucht, vor ihnen. Jordan schrie vor Angst, als sich das Wesen auf ihn stürzte, seinen Arm fasste und seine knochigen Krallen in seiner Haut versenkte. Mit einem mächtigen Brüllen und einem dumpfen Poltern schleuderte ihn die Kreatur gegen einen Baum. Stöhnend sackte er zu Boden, als Dunkelheit seine Sicht übermannte. Haddie überlegte nicht lange und sah einen heruntergefallenen Ast auf dem Boden. Das Geschöpf kam immer näher auf Jordan zu und starrte ihn an, als wäre er ein Steak. Es kniete sich vor ihm hin und machte sich bereit, seine Zähne in Jordans Hals zu vergraben, um seinen roten Durst zu stillen. Gerade als es seinen Mund klaffend öffnete, wurde es von einem lautstarken Schrei unterbrochen. Die Kreatur fauchte und wandte sich um – gerade rechtzeitig, um einen Ast ins Gesicht zu bekommen. Sie fiel auf die Seite, raffte sich dann wieder auf und sah Haddie in die Augen. Haddie wich langsam zurück, glücklich, ihren Bruder vor dem sicheren Verderben bewahrt zu haben, aber unsicher, was als Nächstes passieren würde. Dann, inspiriert von den Vampirfilmen, die sie mit ihrem Onkel Stefan gesehen hatte, richtete sie das spitze Ende des Asts auf das Geschöpf, gerade als es wie ein Löwe auf sie sprang. Der provisorische Pfahl traf sein Ziel und durchbohrte das Wesen direkt durch sein abscheuliches Herz. Das Wesen stieß einen entsetzlichen Schrei aus und sank auf die Knie, während es den Pfahl umfasste. \nHaddie wischte sich den Schweiß von der Stirn und entfernte sich von dem Geschöpf, um nach ihrem Bruder zu sehen. Aber ein plötzliches, gurgelndes Geräusch ließ sie erstarren. Langsam wandte sie sich um und sah zu, wie das Monster den Pfahl mit dem aufgespießten, fleischigen toten Herzen herauszog. Mit einem grässlichen Lächeln warf das Geschöpf das Herz zur Seite. Einen Sekundenbruchteil später sprang es auf Haddie und drückte sie zu Boden. Haddie wehrte sich und wand sich unter seinem starken Griff, als es geiferte und hungrig auf die dicke Schlagader starrte, die in ihrem Hals pulsierte. Speichel rann Haddies Hals hinunter, langsam, warm und schleimig wie eine Schnecke. Sie schrie, und dann hatte sie keinen Atem mehr und begann, keine Sterne zu sehen, sondern … Geometrie … Symbole … Symbole, die sie zuvor in der „Überschneidung“ entdeckt hatte, wie sie es oft nannte. Sie wusste nicht, wie sie sonst nennen sollte, was sie für einen Venn-Schnittpunkt der Welten hielt, an dem sie Wissen und Erinnerungen sehen konnte, die sonst keiner sah. Haddie schloss ihre Augen und sah das verzerrte Dreieck, das sie vor Kurzem in einem alten Tempel entdeckt hatte. Dann sah sie den seltsamen Kreis, der von einer Linie halbiert wurde, den sie überall an den Wänden und Böden einer verlassenen Anstalt gefunden hatte, als würde jemand oder etwas in der Überschneidung dunkle Experimente an Patienten durchführen. Es war alles so bizarr und neu für sie. Nun, da sich das Monster bereitmachte, sich an ihrem Blut zu laben, sah Haddie keine Erinnerungen aus ihrem Leben vor ihren Augen vorbeiziehen, sondern all diese seltsamen und arkanen Symbole, die älter wirkten als das Leben selbst – als wollte jemand oder etwas ihr eine Botschaft aus der Überschneidung senden.

Unter den Ruinen 4[]

IconHelp archivesLog.png Blutkammer. Höllenbote. Unter den Ruinen 4.

Als das Geschöpf sich bereitmachte, seinen Durst zu stillen, spürte Haddie das drohende Ende. Ihre verzweifelten Hände strichen über Erde und Zweige, suchten nach etwas, irgendetwas. Dann, gerade als das Geschöpf ausholte, um ihren Hals zu durchbohren, erwischte sie einen Stein von der Größe eines Baseballs und drückte ihn dem Geschöpf direkt in den Mund, wodurch die tödlichen Fänge zerbarsten. Das Wesen sprang mit einem Ruck voll wütendem Schmerz auf die Beine. Knochen- und Zahnstücke tropften in eine dicke Pfütze aus Blut und Speichel. Haddie wandte sich um und hörte Jordan stöhnen. Er war gerade noch so am Leben, aber er war am Leben. Erleichtert hievte sie sich auf die Beine und überlegte, wie sie dieses uralte Böse ein für alle Mal vernichten konnte. Dann sah sie ihn: Den Revolver! Er hing am Gürtel! Ohne zu zögern eilte sie zu dem Geschöpf, als zwei neue weiße Zähne aus den blutigen Überresten der Alten hervorbrachen. Bevor es verstehen konnte, was passierte, schnappte sie sich den Revolver und schoss dem Wesen direkt ins Gesicht. Das Geschöpf taumelte zu Boden, als Haddie den Revolver auf sein Gesicht und seinen Körper entlud. Aber Kugeln konnten dieser außerweltlichen Erscheinung nichts anhaben. Innerhalb von Augenblicken kam das Wesen wieder auf die Beine und hielt dabei Haddie mit seinen blutroten Augen fixiert. Nervös bewegte sie sich rückwärts. Sie wusste nicht, wohin sie gehen oder was sie tun sollte. Sie konnte nirgendwo hin. Sie konnte nichts tun. Dies war das Ende. Mit unglaublicher Geschwindigkeit und Kraft sprang das Geschöpf auf Haddie zu und warf sie zu Boden. Schimmernde weiße Zähne näherten sich bösartig ihrem Hals. Sie wand sich, trat und schrie unter dem Gewicht. Sie fühlte seinen warmen Atem nur Zentimeter von ihrem Hals entfernt. Dann sah sie sie wieder vor ihrem inneren Auge. Die Symbole. Alle von ihnen. Sie wirbelten herum und blitzten auf und verschwammen zu einem Symbol. Zu dem Symbol, das in den Sarg geschnitzt worden war. Langsam dämmerte ihr die Erkenntnis und sie verstand. Das Symbol war keine Warnung gewesen, sondern ein Siegel. Ein Siegel, um dieses unergründliche, unbeschreibliche Wesen einzusperren. Als sich das Monster bereitmachte, ihr das Leben auszusaugen, schaffte sie es, etwas Spitzes vom Boden aufzuheben – seinen zerschmetterten Zahn! Mit letzter Kraft ritzte sie den Halbmond und die drei Punkte in seine Wange. Plötzlich weiteten sich die Augen des Geschöpfes zu großen Kreisen des Unglaubens. Es sah Haddie mit kläglichem Grauen an, als es nach hinten taumelte und verzweifelt versuchte, das Symbol von seinem grausigen Gesicht zu kratzen. Aber es war zu spät. Schwarzer Nebel brodelte und brannte sich wie Säure durch die Haut des Wesens. Der aufkeimende Nebel füllte seine Lungen, seine Brust und seinen Hals. Magen und Brust blähten sich auf, als der Druck das Geschöpf von innen zerstörte. Dann explodierte es mit einem qualvollen Kreischen wie ein Feuerwerkskörper. Bluttriefend schleifte Haddie sich zu ihrem erwachenden Bruder. „Was habe ich verpasst?“, seufzte er, als er sich aufsetzte und gegen den Baum lehnte. Er verengte seine Augen und blickte durch den dünnen roten Nebel aus Blut, der schwer in der Luft hing. „Wo ist der …“ Seine Stimme wurde leiser, als er die Knochen- und Fleischstücke bemerkte, die seine Kleidung bedeckten. Schweigend entfernten sie die Überreste des Geschöpfs von ihren Klamotten. Dann unterbrach Jordan die Stille und meinte: „Also, das war angenehm … so angenehm wie ein Begräbnis.“ Haddie reagierte nicht auf seine Albernheit. Sie dachte über die Symbole nach, auf die sie bei ihren Untersuchungen gestoßen waren. Sie fragte sich, was sie bedeuteten, woher sie kamen, und ob irgendetwas all diese paranormalen Stätten verband, die sie untersuchen sollten. Außerdem fragte sie sich, ob ihr Gönner sie in einer Art Schachspiel gegen unbekannte Kräfte verwendete.

Blutkammer. Ole Bloody.[]

IconHelp archivesLog.png Das ist die Geschichte, die uns die Reiseleiterin erzählt hat, nachdem sie uns die alte Mad-Canyon-Brennerei in Moonlight Bay gezeigt hatte. Sie ließ die Erwachsenen Ole Bloody kosten, ein Rezept, das während der Prohibition berüchtigt war. Während wir den Badewannen-Gin verkosteten, sprach niemand, als das Feuerwasser unseren Hals hinunterbrannte. Die Reiseleiterin erzählte uns von der verlassenen Brennerei, die wir besichtigten, und berichtete, wie die erste Gang verschwunden war, bevor der legendäre Al Capone den Laden übernommen hatte. Sie musste die Geschichte oft erzählt haben, denn sie sprach flüssig und machte immer zu den richtigen Augenblicken Gesten und Pausen. „Meine Damen und Herren, ich halte nichts von Märchen, aber was wir von dem Verschwinden der Maddy-Hatter-Gang wissen, ähnelt einer wahrhaftigen Vampirgeschichte. Die Maddy-Hatter-Gang bestand zu einem Großteil aus der Maddock-Familie unter der Leitung des Vaters Hank, der es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, Hüte von rivalisierenden Gangmitgliedern zu sammeln, nachdem er sie niedergemetzelt hatte. Er muss den falschen Hut gestohlen haben, denn der Blutrausch suchte ihn im Herbst 1921 heim, als seine Gang verschwand und nur die Jüngste der Familie überlebte, um davon zu berichten, was ihnen widerfahren war. Und was ihnen widerfahren war, war tatsächlich ein großes Rätsel. Ein Rätsel, über das sich die Leute bis heute streiten, und das sie als moderne Legende abtun. Aber ich schwöre, es ist keine Legende und alles davon ist wahr. Die Zwillinge Candice und Coddy kehrten mit Ausstattung zurück, die sie in Ontario abgeholt hatten, fuhren ins Tal und trugen die Kupferrohre und Flaschen in die Höhlen, in denen die Gang ihren Schnaps brannte. Aber als sie dort ankamen, sahen sie nur Blut. Blut auf dem Boden. Blut an den Wänden. Blut, ob Sie es glauben oder nicht, in den Röhren und Spulen der Brennerei. Zuerst dachten sie, es könnte das Werk einer rivalisierenden Gang gewesen sein. Aber es gab kein Zeichen von Patronen oder Leichen oder auch nur einem Kampf – nur Blut und ein unheimlicher Nebel, der tief und schwer in der Luft hing. Die Zwillinge beschlossen sofort, denjenigen zu suchen, der ihrer Gang das angetan hatte, und außerdem wollten sie ihre Geschwister, Cousins, Cousinen und Eltern anständig begraben. Also schnappten sie sich eine Lampe und tauchten in die sich windenden Gedärme des Bergs ein, einer Spur des Bluts folgend. Bis tief in die Nacht suchten sie ohne Ergebnis. Coddy hielt die Lampe und wollte seiner Schwester gerade sagen, dass er erledigt war, als er das Knirschen von Stein in der Ferne hörte. Er stürmte vorwärts und sie jagte ihm nach. Dabei stolperte sie über einen Stein, stieß sich den Kopf am Boden und verlor das Bewusstsein. Als Candice aufwachte, rappelte sie sich schnell auf, eilte auf das flackernde Lampenlicht zu und schrie den Namen ihres Bruders. Schatten und Licht tanzten vor ihren Augen, als sie auf ihren bleichen Bruder zukam, der mit zwei kleinen Einstichwunden an seinem Hals auf dem Boden lag. Sie suchte auf seiner Brust nach einem Puls und keuchte, als sie feststellte, dass er tot war. Sie erschauerte, schrie und nahm dann von einer unbekannten Kraft getrieben die Lampe und ging weiter. Dann, ohne es zu bemerken, betrat sie eine gewaltige Höhle, und spürte, wie der Boden unter ihren Füßen zu Matsch wurde. Ihre Lampe offenbarte ihr stapelweise menschlicher Schädel zwischen den Tausenden Käfern, die sich durch dicken Schlamm bewegten. Zu ihren Füßen sah sie einige Käfer, die eine kranke Fledermaus verspeisten. Sie versteifte sich und sah nach oben, wo sie Tausende schlafende Fledermäuse sah. Ein paar Käfer huschten mit Resten verdorbenen Fleischs über ihren Fuß und sie schüttelte sie ab. Sie schluckte ihre Angst hinunter, als sie einsah, dass die Fledermäuse ihr das Fleisch in Minuten von den Knochen fressen würden, wenn sie sie wecken würde. Dann erkannte sie vertraute Fässer in der Ecke bei einem Stapel von Tierknochen. Still und vorsichtig ging sie an den Knochen vorbei. Sie öffnete das Fass und zuckte zusammen, als ihr ein schrecklicher Gestank in die Nase schoss. Sie blickte in das dunkle Gebräu und war sich nicht sicher, was sie da vor sich hatte. Dann erkannte sie, dass sie fermentierende Fleischstücke in dickem, verdorbenem Blut sah. Sie befand sich im Versteck des Vampirs. Aber bevor sie ihre Suche fortsetzen konnte, ließ sie ein Brüllen aufschrecken. Candice drehte sich um und blickte in das Gesicht eines Dämons mit Reißzähnen und einem wirbelnden schwarzen Nebel zu seinen Füßen. Durch den Nebel erkannte sie, dass er den Hut ihres Vaters trug. Sie ließ einen Ruf der Vergeltung los, der wie Donner hallte. Der Vampir wandte seinen hässlichen Kopf in verblüfftem Unglauben. Furchtlos stürzte Candice sich auf den Vampir. Es war ihr egal, was dieses Ding war oder woher es kam. Sie wollte es nur tot sehen und ihre Familie stolz machen. Der Vampir wollte sie töten, indem er seine Zähne in ihren Hals stieß. Aber sie fühlte sich stark genug, um einen Berg zu bezwingen. Und so zuckte sie und trat und drückte gegen sein knurrendes Gesicht. Sie knurrte selbst und biss den Vampir, wobei sie mit Zähnen und einem Kiefer, der Steine zerbeißen konnten, ein Stück bleichen Fleischs von seinem Hals riss. Bevor der Vampir erkannte, was geschah, drückte sie sein Auge mit ihrem Daumen in seine Augenhöhle, drückte immer tiefer, während er verzweifelt Fleisch von ihren Armen und ihrem Gesicht riss. Aber das war ihr egal. Sie würde sich durchsetzen. Innerhalb von Augenblicken fühlte sie das empfindliche Gehirn wie warmen Schlamm und grinste. Dann winkelte sie ihren Finger an und zog mit einem verrückten Lachen, so fest sie konnte. Mit einem Kreischen krümmte sich der Vampir heftig und verharrte dann plötzlich still. Sein Kiefer war in einem verdrehten, qualvollen Heulen gefroren. Sie konnte ihr Lachen nicht länger unterdrücken, nahm den Hut ihres Vaters an sich und stand erhaben da, während ihre offenen Wunden trieften und bluteten. Dann umfasste der Nebel den Vampir und ließ alles verschwinden. Den Vampir. Die Fledermäuse. Die Käfer. Das Blut. Alles. Natürlich glaubte Candice niemand und sie wurde in eine Anstalt gesteckt, wo sie schweigen und verkümmern sollte. Aber irgendwann nahm sie ein reicher Philanthrop in seine Obhut und sie wurde nie wieder gesehen.“ Alle waren still. Jemand lachte und sagte: „Das ist nicht wirklich eine Vampirgeschichte, oder?“ Die Reiseleiterin antwortete: „Keine, wie wir sie sonst kennen, nein. Aber das ist ihre Geschichte und ich schwöre, ich habe sie so erzählt, wie ich sie gehört habe.“ Dann fügte eine junge Frau mit besorgter Stimme hinzu: „Ich hoffe, dem Mädchen geht es gut.

Zwerg Chompski[]

DR 016.png Was hat dieser Kerl im Reich des Entitus zu suchen?

Zur Ehrung von William „Bill“ Overbeck als Charakter im Folianten haben die Entwickler Zwerg Chompski als Easter Egg Glücksbringer hinzugefügt. Zwerg Chompski ist eine verbessere Waffe in der Dunkle Karneval Kampagne in Left 4 Dead 2, in welcher er durch das erreichen von 750 Punkten in einem Minispiel freigeschaltet werden kann.

Er ist auch bekannt für den sehr schwierigen Erfolg Little Rocket Man in Half-Life 2: Episode 2 bei welchem der Zwerg fast durch das komplette Level getragen werden muss um ihn am Ende in eine Rakete zu setzen mit der er ins All transportiert wird.

Zwerg Chompski erschien zwischen dem 12. Mai und 2. Juni 2021 in Dead by Daylight als Objekt sobald der Endspiel-Untergang ausgelöst wurde was an einen Kichern über die komplette Karte festgestellt werden konnte. Während der gesamten Dauer des Endspiel-Untergangs mussten Spieler den Zweg finden und ihn zerstampfen. Dadurch wurde der Zwerg zerstört und er erschien an einer anderen Stelle wieder erneut.

Zerstörte der Killer den Zwerg, wird der Glücksbringer freigeschaltet. Ein Überlebender musste der Prüfung noch entkommen, sobald er den Zwerg zerstört hat, um den Glücksbringer freizuschaltet. Hat man mit einer Rolle den Glücksbringer bereits freigeschaltet, erhielt man auch für die andere Rolle den Glücksbringer.

Glyphen[]

Blaue Glyphen[]

Lupe.png Hauptartikel: Glyphen

Foliant VII - Verlassen führte Herausforderungen mit blauen Glyphen ein.

  • Wird eine solche Herausforderung ausgewählt erscheint eine blaue Glyphe in der Prüfung mit welcher der entsprechende Überlebende kommunizieren muss um Fortschritt in dieser Herausforderung zu erzielen.
  • Nachdem der Überlebende mit der Glyphe kommuniziert hat, erhält er den Statuseffekt Ahnungslos oder Erblindung für 60 Sekunden.

Kurzfilme[]

Bill Overbeck: Der lange Heimweg Adiris: Die Jungfernwächterin Universum Alveus

Belohnungen[]

Durch das Abschließen der entsprechenden Aufgaben der vier Stufen im Foliant erhält der Spieler folgende Glücksbringer:

Bild Name Beschreibung Stufe
DR 001.png Bau des Beobachters Ein altes, unordentliches Zimmer, das nach Verzweiflung stinkt. STUFE I
DR 002.png Hütte des Beobachters Ein verwahrlostes Zuhause, aber viel besser als alles andere im Reich des Entitus. STUFE II
DR 003.png Zuflucht des Beobachters Eine Galgenfrist für die Grauen in der Nähe. STUFE III
DR 004.png Heiliger Ort des Beobachters Warm und friedlich, die einzige Gefahr ist die Langeweile der Isolation. STUFE IV

Trailer[]

Folianten aus dem Archiv
Foliant I - Das Erwachen Foliant II - Abrechnung Foliant III - Eskalation Foliant IV - Verurteilung Foliant V - Entfesselt Foliant VI - Abweichung
Foliant VII - Verlassen Foliant VIII - Befreiung Foliant IX - Crescendo
Advertisement