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Foliant 19 - Pracht ist der Foliant zum 19. Spalt in Dead by Daylight welcher am 23. April 2024 veröffentlicht wurde.

Überblick[ | ]

Die Charaktere dieses Folianten sind Zarina Kassir und Carmina Mora aka Die Künstlerin.

Tagebucheinträge und Erinnerungen[ | ]

Zarina Kassir: Erinnerungsfragmente[ | ]

ERINNERUNG 5999[ | ]

IconHelp archivesLog Die Promenade wird von Einheimischen und Touristen überschwemmt und der Geruch von Hotdogs und Eis liegt in der Luft. Selbst als die Sonne hinter dem Riesenrad verschwindet, machen die Leute keine Anstalten, nach Hause zu gehen.

Zarina sieht zu ihrem Vater hoch. Seine Schritte sind so viel weiter als ihre, dass sie spürt, wie sie seine übergroße Hand langsam verliert.

Papa, geh langsamer.

Sie sind schon den ganzen Tag hier. Der Schmerz in ihren Beinen ist ein dumpfes, endloses Stöhnen.

Auch ihre Mutter hat Schwierigkeiten, mitzuhalten, und schlängelt sich durch die strahlenden Familien, die entschlossen wirken, mit ihr zusammenzustoßen. Sie legt ihre Hand auf seine Schulter.

Vielleicht sollten wir es gut sein lassen.

Vater wird nicht langsamer. Mona. Wir feiern die Unabhängigkeit unseres Landes. Sieh dir nur all diese Leute an. Wir werden das Feuerwerk nicht verpassen.

Dieser fröhliche Mann, der Zarina durch die Wogen von Menschen zieht, ist ein ganz anderer als der Mann, der heute Morgen noch reglos und schweigend am Esstisch gesessen, die Hand ihrer Mutter gehalten und Zeitung gelesen hat.

Sie finden einen Platz am Strand und sehen zu, wie Farben und Lichter am Himmel explodieren. Zarina hört das „Ooh“ und „Aah“ der Familien um sie. Der blonde Junge, der neben ihr auf dem Strandtuch steht, wedelt aufgeregt mit seiner Fahne.

Das Grinsen ihres Vaters reicht von einem Ohr zum anderen, als hätte er den Artikel vergessen, der ihn am Morgen so aufgebracht hatte. Zarina konnte nur einen Blick auf die Schlagzeile werfen, aber sie sah sie immer noch deutlich vor ihrem geistigen Auge:

IMMER MEHR HASSVERBRECHEN GEGEN ARABER

Wie sie da am dunklen Strand steht, kann Zarina nur zusehen, wie ihr Vater sich das Feuerwerk ansieht und wie die funkelnden Lichter in seinen strahlenden Augen verblassen.

ERINNERUNG 5043[ | ]

IconHelp archivesLog Der Bus rumpelt die Metropolitan Avenue entlang und durch die breiten, schmutzigen Fenster kann man den alten Friedhof sehen.

Ihr Vater sitzt am Steuer, den Blick auf die Straße gerichtet. Er wendet den Blick nur von der Straße ab, wenn er anhält und sich von den aussteigenden Menschen verabschiedet.

Aber er sieht nicht zu ihr. Kein einziges Mal. Nicht seit sie ihm erzählt hat, was passiert ist.

Ein Teil von ihr hatte geglaubt, dass er vielleicht stolz sein könnte. Sie hatte sich behauptet. Sie hatte dem Rassismus ins Auge geblickt und zugeschlagen. Nur ein Schlag. Aber der hatte sich gelohnt. Gegen Tyrannen wie Lindsay musste man sich wehren. Sonst gewinnen sie.

Ihr Vater hält an der nächsten Haltestelle und bremst etwas zu abrupt, wodurch die Fahrgäste ins Taumeln geraten. Endlich sieht er sie an, wie sie hinter der gelben Linie steht.

Als ich ein kleiner Junge in Beirut war, hat mir mein Großvater etwas gesagt. Er sagte, es ist besser, tausend Feinde vor der Tür zu haben, als einen hereinzulassen. Verstehst du das? Wenn du jemanden wie Lindsay da hineinlässt – er deutet auf seinen Kopf – oder da – sein Herz – dann haben sie gewonnen.

Leute steigen aus, Leute steigen ein. Alle warten geduldig, bis die Fahrt weitergeht.

Vergiss das nicht, Zarina. Jeder verdient Vergebung. Und du verdienst Frieden.

Für ihn ist damit alles gesagt. Er blickt wieder auf die Straße. Er wendet den Blick nicht mehr ab, bis er vor dem vertrauten Wohnblock anhält und sich vom Rücken seiner Tochter verabschiedet.

ERINNERUNG 3166[ | ]

IconHelp archivesLog Karina. Willkommen zu Hause.

Sie erstarrt beim Klang des Namens aus dem Mund ihres Vaters. Er sitzt am Esstisch und hält einen Brief von einem ihrer Lehrer in der Hand.

Es sollte ein Neuanfang an einer neuen Schule werden. Eine neue Identität. Nicht Zarina aus dem Libanon, sondern Karina von ... irgendwo ...

Sie hatte alles getan, um Karina zu verheimlichen. Sie hatte nie Freunde mit nach Hause genommen, wo sie ihre Eltern treffen konnten. Sie hatte ihr Handy passwortgeschützt und nur leise telefoniert. Aber die Post konnte sie nicht kontrollieren.

Ihre Mutter schneidet in der Küche gewürztes Hähnchen mit einem großen Messer. Sie starrt sie an.

Jetzt verstehe ich, warum du dir die Haare färben wolltest.

Sie hatte ihre neue Haarfarbe mit Bedacht gewählt, nachdem sie ihr Gesicht genau im Spiegel betrachtet hatte, um zu sehen, welche Farbe ihre Hautfarbe heller erscheinen lassen würde.

Das ist schlimmer als der Vorfall mit Lindsay. Sie war eine rassistische Tyrannin, die es nicht anders verdient hatte. Aber jetzt leugne ich, wer ich bin, und tue so, als wäre ich wie ... wie ...

Sie.

Ihre Eltern starren sie an und wissen alles. Sie hatte sich noch nie so nackt, entblößt in ihrer Scham gefühlt. Ein Schauer läuft durch ihren Körper und sie kann nichts dagegen tun.

Und dann ... ein Lächeln. Ein wissender Blick.

Das hat mit dem Mädchen von deiner alten Schule zu tun, nicht wahr?

Sie versucht, eine Antwort zu finden. Sie stammelt, verhaspelt sich sofort.

Schon gut. Wenn du Karina sein willst, kannst du Karina sein. Wir werden das respektieren. Deine Haare sehen übrigens super aus.

Ihre Mutter legt das Hähnchen in die Pfanne. Bis zum Abendessen dauert es noch ein bisschen. Komm rein, setz dich zu uns.

Karina lässt ihren Mantel fallen und läuft in ihr Zimmer. Sie schließt die Tür hinter sich ab.

Im Spiegel erhascht sie einen Blick auf sich selbst und fährt mit den Fingern durch die dunkelblonden Haare. Jetzt wünscht sie sich mehr denn je ihre alte Haarfarbe zurück.

ERINNERUNG 3378[ | ]

IconHelp archivesLog Er wird es nicht sein. Bitte, er darf es nicht sein.

Sie stellte es sich wie im Film vor. Ein langer, steriler Gang, der zu einem eiskalten Raum voller Metallschubladen führt. Sein Körper auf einem Tisch.

Nein. Nicht sein Körper.

Sie sieht sich im Wartezimmer um. Warm. Einladend. Hell. Ein Loch in der Rigipswand, das notdürftig zugespachtelt wurde.

Vorgetäuschter Komfort. Sie will schreien.

Sie wird nicht zur Leiche ihres Vaters geführt werden. Stattdessen werden ihre Mutter und sie Fotos sehen, um ihn anhand von Körpermerkmalen zu identifizieren. Aber nicht sein Gesicht. Der Angestellte hat deutlich gemacht, dass die Fotos nicht verstörend sein würden.

Aber sie würden sein Gesicht nicht sehen können.

Es könnte jedes Gesicht sein.

Ihre Mutter macht Platz auf dem Sofa, als sich der Angestellte zu ihnen setzt. Zarina versteht kein Wort der Einführung. Sie hört nur, wie das Blut in ihren Ohren rauscht. Sie sieht nur die weißen Blätter Fotopapier in den Händen des Angestellten.

Der Raum wird mit jedem Augenblick kälter. Sie erinnert sich daran, zu atmen.

Schließlich dreht der Angestellte das erste Foto um. Zarinas Mutter keucht. Mehr muss sie nicht hören.

Die Fotos sind brutal in ihrer Ehrlichkeit. Der Ehering an seinem Finger. Die alte Narbe an seinem Bein, wo man ihm eine Krampfader gezogen hatte.

Ihre Mutter sackt auf dem Sofa zusammen. Bewusstlos. Der Boden öffnet sich unter ihnen. Die Wände zerfallen zu Staub. Die Welt ist zu Ende.

ERINNERUNG 6001[ | ]

IconHelp archivesLog Es ist genau zwei Jahre her, dass ein Bandenmitglied – namens Clark Stevenson – Ahmed Kassir vor ein fahrendes Auto gestoßen hat, das ihn sofort tötete. Augenzeugen zufolge hatte Ahmed, ihr Papa, nichts getan, um diesen Angriff zu provozieren. Er war seinen eigenen Gedanken nachgehangen, wartete darauf, die Straße zu überqueren, als Clark anfing, ihn anzuschreien und ihn auf die Straße drängte, gerade als die Limousine vorbeiraste. Clark griff auch mehrere Passanten an, die ihn festhalten wollten, während sie warteten, bis die Polizei am Schauplatz erschien.

Clark weigerte sich zwar, Antworten zu geben, aber seine Bande war schon für rassistisch motivierte Gewalttaten bekannt.

Zarina weiß das schon alles am ersten Tag von Clarks Prozess. Und am Ende des Prozesses, als die Geschworenen Clark in allen Anklagepunkten für schuldig befinden, wird dieses Wissen zur Tatsache.

Aber das Ende des Prozesses ist gleichzeitig der Anfang der Frage um das Strafmaß und Zarina weiß, dass damit auch ihre Arbeit gerade erst beginnt.

Sie steht auf einem Podest im Gerichtssaal und sieht auf einen Stapel zerknitterter Zettel, die sie als ihre Opferaussage bezeichnet. Sie kann nur auf das Papier blicken. Nicht zum Richter mit seinem kalten Blick und ganz bestimmt nicht zum Angeklagten.

Zu keinem Zeitpunkt während der Verhandlung konnte sie dorthin sehen.

Sie bittet um eine lebenslange Haftstrafe ohne vorzeitige Entlassung. Clark kann seine Tat nicht wiedergutmachen, sagt sie, und ein Leben hinter Gittern ist ein kleiner Preis dafür, dass er ihre Familie für immer zerstört hat. Keine Gnade. Keine Vergebung.

Kurz darauf sitzt sie in ihrem Auto auf dem Parkplatz des Gerichts. Ihre Schultern zittern. Ihre Brust hebt und senkt sich.

Lebenslange Haft. In den meisten anderen Bundesstaaten hätte er die Todesstrafe bekommen. Eine tödliche Medikamentendosis. Ein Leben für ein Leben. Vater meinte immer, dass New York der fortschrittlichste Staat im Land sei. Und was hatte ihm das genutzt?

Lebenslange Haft musste reichen.

Jetzt würde es nicht mehr lange dauern. Die endlosen Nächte, in denen sie nur an die Decke gestarrt hatte, würden vorbei sein. Der Frieden würde zurückkehren. Und Clark würde nie wieder in Freiheit leben.

ERINNERUNG 4250[ | ]

IconHelp archivesLog Zarina rückt ihre Sonnenbrille zurecht. Ihre Sinne sind ganz überwältigt. Die gleißende Sonne über ihr. Die brüllenden Autos auf der Straße. Der Geruch des Aftershaves des Beamten.

Sie sieht noch mal in ihrer Tasche nach, um sicherzustellen, dass der Dieb ihr nichts gestohlen hat. Er sitzt jetzt auf dem Bordstein und ein Sanitäter säubert sein Gesicht. Er hat meine Tasche genommen, ich bin ihm nachgerannt, er ist gestolpert und hingefallen. Das war ihre Geschichte und der Beamte stellte sie nicht infrage.

Erst an diesem Morgen hatte Zarina die Nachricht über Clarks Verurteilung bekommen. Zwanzig Jahre mit der Möglichkeit auf Bewährung nach zehn Jahren.

Zehn Jahre. Der Staat New York hatte entschieden, dass das Leben ihres Vaters nur zehn Jahre wert war.

Der Taschendieb schreit auf, als der Sanitäter seine Nase verbindet. Die kleine Ratte ist glimpflich davongekommen.

Zarina kann die Verachtung auf ihrem Gesicht kaum verbergen. Der Beamte steckt sein Notizbuch weg. Ma’am. Schon gut. Ich wäre auch wütend.

Aber sie kann den Blick nicht von der kleinen Ratte auf dem Bordstein abwenden, die Verbandsmull auf ihre Nase drückt. Ihr Auge zuckt. Wenn dieser Beamte nicht gerade hier auf Streife gewesen wäre, wäre eine blutige Nase noch seine geringste Sorge gewesen.

Brooklyn war mal ihr Zuhause. Aber es ist Jahre her, dass sie sich hier zu Hause gefühlt hat. Jahre lang hatte sie sich wütend und allein gefühlt.

Der Beamte fragt, ob Zarina Anklage erheben will. Sie antwortet, ohne zu zögern.

ERINNERUNG 4270[ | ]

IconHelp archivesLog Zarina beugt sich vor und nimmt die Notizen aus ihrem Handgepäck. Heimlich sortiert sie die Fotos aus und steckt sie zurück in ihre Tasche. Zu verstörend für die Economy-Klasse.

Sie weiß nicht, wie die Verlegung von New York nach Nebraska genehmigt wurde. Bei ihren Recherchen hat sie herausgefunden, dass Clark Stevenson in Lincoln geboren wurde und dort noch Familie hatte. Die Ironie, dass Clark nahe bei seiner Familie sein wollte, hinterlässt einen bitteren Geschmack in ihrem Mund.

Das Flugzeug fliegt durch Turbulenzen und ihr Glas Wasser wird fast verschüttet. Ihre Brust fühlt sich an wie zugeschnürt und der Atem bleibt ihr im Hals stecken.

Vielleicht ist das ein Zeichen. Wie schwer wäre es schon, in Omaha sofort zum Ticketschalter zu gehen und einen Platz im nächsten Flieger zurück nach New York zu buchen? Das Interview mit Clark abzusagen. Das Projekt abzubrechen.

Der Gedanke lässt sie nicht los und Zarina fühlt sich wieder wie eine verängstigte Teenagerin. Die versucht hat, sich zu verändern, um bei ihren Klassenkameraden besser anzukommen. Die ihren Vertrauenslehrer gefragt hat, ob jemand wie sie je Dokumentarfilmerin werden könnte.

Sie blickt auf ihre Notizen hinab und sieht eine Kopie von Clarks Polizeifoto. Seine Augen starren ihr entgegen.

Sie muss das tun. Um ihn nach dem Grund zu fragen. Um etwas Frieden zu finden.

Die Turbulenzen lassen nach und auch Zarinas Brust entspannt sich wieder. Das Atmen fällt ihr etwas leichter. Aber in ihrem Inneren kann sie nicht anders, als sich zu wappnen. Für weitere Turbulenzen. Und für das, was sie in der Strafanstalt Hellshire erwartet.

Carmina Mora: Erinnerungsfragmente[ | ]

ERINNERUNG 3602[ | ]

IconHelp archivesLog Sie sitzt auf dem Fußboden und streicht den Bleistift sanft über das dünne Blatt Papier, die Augen auf den Vogel vor dem Fenster gerichtet. Sie legt den Bleistift ins Metalletui zurück. Nimmt einen weicheren heraus. Drückt fester auf. Sie hat sie erst seit einer Woche, aber trotzdem sind alle zwölf Bleistifte des Sets schon halb aufgebraucht. Sie drückt ein bisschen zu fest auf und bricht die Spitze ab.

Von der anderen Seite der Tür hört sie die laute Stimme ihres Vaters. Der übliche Klang während seiner schweren Wochen. Unbeirrt zeichnet sie die Umrisse des einfachen Bilds auf ihrem Zeichenblock nach und schraffiert es.

... verziehst die Kinder ...

Sie spitzt den Bleistift und überlegt, ob sie sich wieder krank stellen soll. Das Abendessen auslassen, um in ihrem Zimmer weiter zu zeichnen. Sie weiß, dass sie nicht mehr schreien werden, sobald sie im Zimmer ist. Die Stille ist noch schlimmer. Gabeln, die über Teller schaben. Zähne, die auf Gabeln klappern. Keine Worte.

... sie auf die echte Welt vorbereiten ...

Sie konzentriert sich auf das Auge. Stellt sich einen Lichtpunkt vor. Stellt sich vor, wie das Licht von der Pupille reflektiert und darauf schimmern würde.

... echte Arbeit ...

Eine Tür knallt. Carminas Körper zittert, nur kurz, und der Bleistift durchbohrt das Papier. Mitten durch das Auge. Sie atmet ein und wechselt zum nächsten Blatt ihres Blocks.

Leise öffnet sich die Tür zu ihrem Zimmer. Ihre Mutter.

Wie geht es dir, Schatz?

Mir geht’s gut.

Ihre Mutter nimmt ihr den Zeichenblock ab und greift nach dem Rucksack. Schon gut. Ich besorge dir mehr Bleistifte. Aber jetzt lass uns erst mal zusammenpacken.

Warum denn? Fahren wir fort?

Vielleicht ... Carmina, was zeichnest du da? Ihre Mutter sieht sich den rabenschwarzen Vogel auf dem Blatt Papier an.

Das ist eine Krähe. Sie war heute vor meinem Fenster.

So einen Vogel habe ich hier noch nie gesehen ... Bist du sicher, dass du sie nicht in einem der Bücher deines Vaters gesehen hast? Oder vielleicht in einem Traum?

Nein, Mama. Gerade war sie noch hier ...

Sie zeigt zum Fenster. Dort ist nichts.

ERINNERUNG 3655[ | ]

IconHelp archivesLog Mina, ich kenne dieses Wort nicht.

Carmina lockert ihren Gurt und lehnt sich zu Matias. Er zeigt auf eines der längeren Wörter in seinem Buch. Murciélago. Sie spricht es aus, Silbe für Silbe, bevor ihr Vater sie unterbricht.

Hilf ihm nicht.

Sie hält inne und wirft ihrem Vater einen bösen Blick zu. Tränen treten in Matias’ Augen, als er versucht, das Wort zu buchstabieren.

Carmina senkt den Blink und sie starrt auf ihren Schoß. Mit dem Bleistift skizziert sie schnell etwas in die Ecke ihres Notizbuchs, die Matias am nächsten ist. Er blinzelt die Tränen fort und sieht zu, wie vor ihm ein Bild entsteht: der flauschige Bauch, die ledrigen Flügel, die kleinen Ohren.

Ah ... Murciélago.

Er sagt es zu schnell. Carminas Augen schießen wieder zum Spiegel. Die Augenbrauen ihres Vaters heben sich kurz vor Überraschung, bevor sie sich verärgert zusammenziehen. Ohne hinzusehen greift er nach hinten, reißt ihr das Notizbuch vom Schoß und wirft es auf den leeren Beifahrersitz.

Lass es ihn selbst lernen.

Carmina steckt den Bleistift schweigend zurück in ihre Tasche. Der letzte aus ihrem Set, 5H, den sie so ungern verwendete und der nun alles ist, was ihr vom besten Geschenk, das sie je bekommen hat, geblieben ist.

Matias greift nach ihrer Hand und drückt sie. Schweigend fahren sie weiter.

ERINNERUNG 3661[ | ]

IconHelp archivesLog Regen prasselt auf die Windschutzscheibe des alten Autos nieder, als Carminas Mutter den Feldweg entlangfährt. Die Autoscheinwerfer erzeugen kaum Licht, sind genauso wirkungslos wie die schmale Mondsichel über ihnen. Matias weint leise, zum Teil aus Angst, zum Teil vor Müdigkeit.

Schon gut, Mati. Wir finden bald einen Ort zum Schlafen.

Das Auto bricht nach links und rechts aus, während ihre Mutter Schwierigkeiten hat, es unter Kontrolle zu halten. Aus der entgegengesetzten Richtung gleiten Scheinwerfer in ihr Sichtfeld. Sie atmet langsam aus, verringert die Geschwindigkeit. Lockert den Griff um das Lenkrad.

Das Auto fährt an ihnen vorbei, sie atmet wieder aus. Sie reicht Mati ein belegtes Brot nach hinten.

Carmina kneift die Augen zusammen, als ein Licht die Rückenlehne des Sitzes vor ihr erhellt. Das andere Auto hat gewendet.

Mama ...?

Pst, Mina. Alles wird gut.

Ihre Mutter gibt wieder Gas. Ein schreckliches Knirschen bringt Matias wieder zum Weinen, als ihre Mutter umständlich versucht, den Gang zu wechseln. Die Scheinwerfer kommen näher, dann noch ein Paar und noch ein Paar.

Mina, sagt ihre Mutter. Ihre Stimme klingt anders. Direkt. Als würde sie zu einer Erwachsenen sprechen.

Sie werden versuchen, dich zu brechen. Lass das nicht zu.

Es dauert nicht lange, bis ihr Auto überholt wird. Der erste Wagen rammt sie und sie verlieren sofort die Bodenhaftung und rutschen in den Graben. Für einen Moment ist alles still, als die drei den Atem anhalten und sich auf den Aufprall vorbereiten.

Die Stille währt nicht lange. Carminas Fenster zersplittert. Eine Hand greift hindurch und entriegelt die Tür. Zerrt sie heraus. Carmina schreit und greift nach ihrem Bruder. Sie erwischt nur Luft, als ihr Entführer sie aus dem Autowrack zieht. Sie sieht zu, wie Matias in den Laderaum eines der Trucks geworfen wird. Sie wird in einen anderen verfrachtet.

Die Rücklichter am Auto ihrer Mutter leuchten auf, als es rückwärts auf sie zurast. Doch es kommt sofort wieder zum Stillstand, als der dritte Truck das Auto rammt. Ihr Entführer lässt den Motor an und fährt in Richtung ihres Zuhauses.

Zeit, zu deinem Vater nach Hause zu gehen, Carmina Mora.

ERINNERUNG 3709[ | ]

IconHelp archivesLog Carmina sitzt allein an der Felsenküste und blickt über die Bucht. Ein kühler Wind peitscht und pfeift um die Felsen, während die Möwen kreischen. Sie schließt die Augen. Sie nimmt einen Atemzug der salzigen Luft und legt sich auf das Gras. Die Gedanken daran, wie ihre Mutter geht, wie ihr Vater bleibt, verbannt sie. Sie konzentriert sich auf das weiche Gras in ihren Händen.

Das sanfte Plappern der Möwen tritt in den Hintergrund und ein neuer, unbekannter Ruf dringt in ihre Ohren. Ein kehliges, drängendes Rufen. Sie öffnet die Augen und kann für einen Moment nicht klar sehen, als wäre sie in die Wolken geschwebt. Sie setzt sich auf, reibt sich die Augen und die Welt tritt wieder in den Fokus.

Die gemächlich umherfliegenden Möwen sind fort. An ihre Stelle sind zerzauste, rabenschwarze Vögel getreten. Genau wie die, die sie vor ihrem Haus gesehen hat. Sie schreien mit einer beunruhigenden Dringlichkeit. Hastig blickt sie nach links und nach rechts. Hunderte von ihnen stehen um sie herum und flattern unaufhörlich mit ihren Flügeln.

Überwältigt schnappt sie sich ihren Rucksack und eilt zu ihrem Haus. Sie läuft und läuft, bis ihre Rufe vom Tosen des Wassers und vom Kreischen des Winds erstickt werden.

Mina?

Matias sitzt auf dem Boden und sieht verwirrt zu ihr auf.

Hörst du sie, Mati? Diese ... Vögel?

Matias sieht zu ihr und dann wieder hinunter zu seinen Autos. Ich habe gar nichts gehört.

ERINNERUNG 3720[ | ]

IconHelp archivesLog Im Haus ist es still. Seit Matias’ Tod ist es still. Carmina geht zur Schule, ihr Vater zur Arbeit. Carmina kommt nach Hause, isst und sperrt sich in ihrem Zimmer ein. Ihr Vater kommt spätabends nach Hause und geht direkt ins Bett. Wenn sie doch sprechen, ist er so grausam wie nie zuvor.

Heute ist Matias’ Todestag und sie hat sich in der Schule krank gemeldet. Die Krähen auf dem Baum sind an diesem Tag fortgeflogen. Als sie noch auf ihrem Fensterbrett saß, machte sie ihr Angst, aber nun, da sie fort war, fühlt Carmina sich einsamer als je zuvor. Sie blickt auf einen leeren Block, ihr letzter Bleistift hinter ihrem Ohr, ein billiger schwarzer Stift in ihrer Hand, aber nichts kommt.

Völlig ideenlos geht Carmina in den Garten hinter dem Haus. Sie zerbricht den Stift und schmiert seine Tinte auf den Baumstamm. Sie drückt das Papier gegen den Baum. Presst dagegen, bis ihr die Knöchel wehtun. Sie nimmt das Papier weg. Kaum etwas von der Tinte ist darauf. Der Fleck auf ihrem Blatt ist kaum zu sehen.

Als sie zum Haus zurückgeht, hört sie, wie ein Auto vor dem Haus parkt. Sie duckt sich, denn sie weiß, dass sie mit ihm reden muss und wahrscheinlich angebrüllt wird, wenn er sie hier am Vormittag sieht. Sie lauscht durch das Fenster.

Sie hört, wie die Stiefel ihres Vaters ins Haus stapfen. Und ein zweites Paar Füße.

Ja, sie hat ganz aufgehört zu zeichnen.

Das ist wirklich ein Rückschlag.

Den Rest der Daten habe ich aber gesammelt, wie gewünscht.

Gut. Setzen Sie sie weiterhin unter Druck. Und melden Sie sich bei mir, falls Ihnen Änderungen auffallen.

Die Tür schließt sich und im Haus wird es wieder still. Carmina schleicht um das Haus und blickt um die Ecke. Ihr Vater und ein Mann in einem schwarzen Anzug steigen in einen schwarzen Truck, in einen wie an jenem Abend, und fahren davon. Eine gefühlte Stunde lang sitzt sie wie erstarrt draußen an der Wand. Ging es um ... sie? Ihre Zeichnungen? Ihre ... Daten?

So lange hatte sie sich einsam gefühlt ... aber das war noch schlimmer. Niemand kann so leben.

ERINNERUNG 3778[ | ]

IconHelp archivesLog Die Nacht auf der Brücke hatte alles verändert. An ihrem Tiefpunkt kam der Vogel vom Baum zurück. Gefolgt von den anderen. Sie kreischten wie damals an der Küste, aber sie hatte keine Angst. Sie fühlte sich gesehen. Nicht beobachtet, nur ... gesehen.

Die Flucht in die Stadt war überraschend einfach. Ihr Vater hatte nichts geahnt. Sie ging an diesem Tag geradewegs an der Schule vorbei zum Hafen und versteckte sich auf einem kleinen Frachtschiff. Früher hätte sie schreckliche Angst gehabt; vor ihrem Vater, vor der Schiffsbesatzung, vor den Männern in den schwarzen Trucks. Nichts davon beunruhigte sie jetzt. Sie war nicht allein. Vielleicht hatte Matias die Vögel geschickt.

Als das Boot die Stadt erreicht, fällt ihr ein, dass ihre Mutter ihr von einer Schule hier erzählt hatte, einer Kunstschule. Sie geht direkt dorthin, findet die Kunstfakultät und betritt das erste offene Büro, das sie sieht. Sie beginnt, ihre neuesten Werke, Tinte auf Pergament, aus ihrem alten Schulrucksack zu ziehen.

Pia ...?

Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit erstarrt sie. Der Name ihrer Mutter. Wie bitte?

Sie sieht zum Schreibtisch. Ein Mann in seinen 70ern mit dichtem Bart und einem verstaubten Tweedsakko sieht sie an.

Ah, Entschuldigung. Du siehst nur ... einer ehemaligen Schülerin sehr ähnlich.

...

Sie ist zwar zu jung, um sich an der Schule einzuschreiben, aber Dr. Figueroa nimmt sich Zeit, um als Carminas Mentor zu fungieren. Er erzählt ihr von ihrer Mutter, deren unbestreitbares künstlerisches Talent das Land verändern können hätte. Von ihrem Verschwinden aus der Kunstszene vor 20 Jahren. Er erzählt ihr vom letzten Mal, dass er von ihr gehört hat. Ein beunruhigender Brief, in dem sie gestand, dass sie schwanger war und Angst davor hatte, was „sie“ mit diesem Kind tun würden.

Sie lernt einige formelle Regeln der Kunst von ihm, etwas Kunstgeschichte, aber sie bemerkt, dass er alles tut, damit sie ihr Talent frei erkunden kann, anstatt sie zu unterweisen. Diese Art von Kunst, sagt er, kann die Welt heilen.

Jedes Mal erzählt er ihr mehr von ihrer Mutter, von ihren Ängsten, davon, dass sie das, was sie malte, „sah“, als wäre es echt. Carmina verrät ihm nie, was sie sieht. Krähen. Nebel. Krallen, die aus dem Boden kommen. Er fragt nicht ... Sie geht davon aus, dass er das auch nicht muss.

Sie trifft sich einmal im Monat mit ihm und lebt bei einer Gruppe von radikalen Performance- und bildenden Künstlern südlich der Schule. Einige waren Schüler, Absolventen oder auch Ausreißer. Es lief nicht immer alles super – sie alle waren temperamentvoll –, aber sie freute sich, von ihnen zu lernen und an einem Ort zu leben, an dem man sie respektierte und verstand. Vor allem Flores, eine Dichterin, die langsam an Bekanntheit gewann. Sie nahm Carmina unter ihre Fittiche und half ihr, auch Wörter und Performancekunst in ihre Werke aufzunehmen, um sich auszudrücken.

Als der Frühling erwacht, plant das Haus eine multidisziplinäre Show: Sie beschäftigt sich mit einer besseren, modernen Zukunft.

Doch mit dem Frühling ändert sich alles.

ERINNERUNG 3791[ | ]

IconHelp archivesLog An diesem Tag verschwand Dr. Figueroa. So wie viele andere. Carmina weiß, dass sie nie wieder von ihm hören wird. Alle wissen es.

Ihre neue Familie löst sich vor ihren Augen auf. Sie ziehen sich in ihre eigenen Zimmer, in ihre eigenen Projekte zurück. Alle haben Angst, sich auszudrücken. Sie versucht verzweifelt, sie zu erreichen, erst einzeln, dann gemeinsam. Das Letzte, was sie will, ist noch ein stilles Zuhause.

Sie organisiert ein Haustreffen im Wohnzimmer. Selbst Flores lümmelt auf ihrem Sessel.

Ich will über die Show sprechen.

Tomas, der Textilkünstler und Schneider, schnauft. Mina, das kann nicht dein Ernst sein. Flores sagt ihm, dass er nicht so mit ihr reden soll. Die zwei brüllen sich an. Luis, ein anderer Maler, versucht, dazwischenzugehen, aber macht es nur schlimmer.

Carmina erinnert sich an die Auseinandersetzungen ihrer Eltern. Das eisige Schweigen, das folgte. Es dauerte Tage, Wochen. Die Einsamkeit, die sie spürte.

Sie blickt durch das große Fenster an der Vorderseite des Hauses. Die Bäume sind schwärzer als sonst.

Krähen.

Sie beginnen auch zu krähen, hektisch, so als wollten sie den Lärm im Inneren noch übertönen. Lauter, eindringlicher, wie an dem Tag an der Küste.

GENUG!

Ihre Mitbewohner erstarren. Auch sie ist schockiert von der Autorität in ihrer Stimme. Die Krähen hören sofort auf zu schreien und sie fühlt die neugierigen Blicke von hunderten Augenpaaren.

Ich habe lange genug in Angst gelebt. Das will ich nicht noch mal durchmachen.

Die Schatten der Leere: Das Haus Arkham[ | ]

ARCUS 10 190[ | ]

IconHelp archivesLog Ein strahlendes Licht in der Ferne, das in der völligen Dunkelheit meine Aufmerksamkeit weckte, lockte mich an. Ich wollte ihm nachgehen, und erst als sich der Schlund der Höhle, die ich betreten hatte, schloss, erkannte ich meinen Fehler. Ich hatte einen Balzagaar betreten. Ein riesiger Wurm der Leere, von dem Barra in seinen frühen Arbeiten für Zeitschriften geschrieben hat. In seinen Geschichten wird dieses Wesen oft von Überlebenden gejagt, da sein Blut provisorische Fahrzeuge und Mechanismen antreiben kann. Zu meinem Glück erinnerte ich mich an eine Geschichte, in der ein Überlebender in einer ähnlichen Situation ein Schwert gefunden hatte, mit dem er sich einen Weg aus der Kreatur schlug, bevor er einen qualvollen Tod in einer blubbernden Säuregrube erlitt. Beim Gedanken an diese Geschichte prüfte ich schnell meine Umgebung und fand eine Axt. Hastig entriss ich sie den Händen des Skeletts und hackte drauf los, während gewaltige Tentakel seines Verdauungssystems erfolglos versuchten, mich in seinen Magen zu ziehen. Natürlich überlebte ich diese Prüfung und nahm auch eine Probe seines Bluts, um dessen merkwürdigen Eigenschaften zu analysieren. Um ehrlich zu sein, ist es schwer zu glauben, dass ich überhaupt noch lebe. Meine Forschung hat sich offensichtlich bereits in vielerlei Hinsicht gelohnt. Wie oft ich schon von den Ereignissen einer scheinbar unwichtigen Geschichte inspiriert worden bin, kann ich gar nicht mehr sagen. Viel öfter, als ich mich erinnern kann, jedenfalls.

Zwölf nach Mitternacht[ | ]

IconHelp archivesLog Surin erwachte in fast völliger Dunkelheit und konnte sich nur vage daran erinnern, wie er durch eine dichte Nebelwand gezogen worden war. Er erinnerte sich an das Kino in Greenville, die Wendeltreppe im Keller und an die vertraute Stimme, die ihn rief. Er war dem mysteriösen Verschwinden einer Podcastbetreiberin und einer Gruppe von Eltern aus der ganzen Welt nachgegangen, die ihre Liebsten suchten. Diese Nachforschungen hatten ihn zu einem Kino in Greenville geführt und schließlich zu dieser seltsamen Welt, aus der er nicht schlau wurde.

Seine Beine zitterten, als er aufstand. Über ihm kreiste ein Schwarm Krähen. Er schwankte nach links und rechts und richtete dann seinen Blick auf einen großen Fleischerhaken, der von einem knorrigen Baum baumelte. Während Surin den glänzenden Haken betrachtete, hörte er, wie hinter ihm ein Zweig knackte und duckte sich gerade noch rechtzeitig, sodass die rasiermesserscharfe Klinge über seinen Kopf hinwegfegte. Er taumelte rückwärts, als er das Wesen sah: ein gewaltiges Untier, das sich ihm näherte. Aber als das Wesen die Klauen hob, um ihm den Todesstoß zu versetzen, war eine Hupe in der Dunkelheit zu hören. Das Wesen fauchte und wandte sich um ...

Einen Augenblick zu spät!

Ein Kleinbus, an dessen Kühlergrill Stacheln und Klingen angebracht worden waren, erfasste das Wesen und riss es in Stücke. Surin blickte durch die blutige Windschutzscheibe. Als die Scheibenwischer Blut und Innereien fortgewischt hatten, sah er Grace und Haley, nur jünger, als er sie in Erinnerung hatte. Neben ihr saß ihr vermisster Stiefbruder Jaden und andere, die er aus ihren Videos und Podcasts kannte. Irgendwie hatten sie es geschafft. Sie hatten ihre Liebsten gefunden.

Aber wo? Wo hatten sie sie gefunden? Wo waren sie gelandet? Wo ... war er gelandet?

Surin hatte mehr Fragen als Antworten und war sich auch gar nicht sicher, ob er mehr über diese kosmische Hölle erfahren wollte, in die er da geraten war. Er hatte das Gefühl, sein Kopf könnte jeden Moment implodieren.

Die Türen des Busses öffneten sich quietschend und Olivia und Sean riefen Surin zu, er solle einsteigen, als ein schreckliches Kreischen im Reich widerhallte.

Der großartige Maurice. 3[ | ]

IconHelp archivesLog Und damit war es offensichtlich noch nicht vorbei. Die Welpen ignorierten jeden meiner Versuche, sie zu verscheuchen. Sie folgten mir durch den Wald, über eine Wiese und bis zum Rand einer kleinen Stadt. Ich stand in der Dunkelheit und blickte zu den strahlenden orangen Lichtern, die wie Glühwürmchen in der Ferne wirkten. Müde legte ich mich hin, schloss meine Augen und versuchte, alles auf dem Bauernhof zu vergessen. Als ich etwas Kleines fühlte, das mich in die Seite stupste, schreckte ich auf. Mit weit geöffneten Augen beobachtete ich, wie die Welpen sich neben mir zusammenkuschelten, um sich warm zu halten. „Habe ich euch nicht gesagt, dass ihr mich in Ruhe lassen sollt?“ „Jep“, antwortete ein Welpe nach dem anderen. Ich seufzte und schloss meine Augen wieder. Ich war zu müde, um zu protestieren, also wünschte ich ihnen nur eine gute Nacht. Ich träumte von meiner Mutter und wollte nicht aufwachen. Ich wollte in diesem Traum leben. Als ich endlich wieder in die Realität zurückfand, war es Morgen und die Welpen nagten schon an Knochen und schlürften Spaghetti und anderen Müll, den sie in einem Abfalleimer gefunden hatten. Ich selbst gönnte mir ein paar verfaulte Äpfel.

Als ich aufgegessen hatte, stand ich auf und sagte ihnen ganz ehrlich, dass ich nichts über Hunde wusste und keine Ahnung hatte, was ich mit ihnen tun sollte. Sie antworteten, dass das okay wäre, denn sie wüssten auch nichts über Pferde, und es war wohl auch egal. Ich atmete tief aus und fragte mich, was wir als Nächstes tun sollten, als einer der Welpen vorschlug, zu den Bergen zu gehen. Seine Überlegung war, sich von der Stadt fernzuhalten, weil wir da wohl nicht willkommen wären. Ich nahm an, dass er wohl recht hatte, und dass die Berge keine so schlechte Idee waren.

Und so eilten die Welpen in Richtung Berge, blieben jedoch schnell stehen, als sie merkten, dass ich zögerte. „Was ist los, Boz?“, fragte einer von ihnen. Dann bettelten sie alle, dass ich sie begleiten solle, und alle nannten mich Boz, weil sie mich mit einem anderen Pferd vom Bauernhof verwechselten, das eigentlich gar nicht aussah wie ich. Den ganzen Weg zu den Bergen versuchte ich, ihnen meinen echten Namen klarzumachen. Aber es war nutzlos und irgendwann dachte ich mir, wenn sie mich Boz nennen wollten, dann sollten sie mich eben Boz nennen. Es gibt Schlimmeres, als beim falschen Namen genannt zu werden. Wenn das jemand weiß, dann ich ...

Aber egal ... zurück zur Geschichte.

Bald gingen wir einen Berg hinauf und die Welpen begannen, über ihre Mutter zu reden. Plötzlich wurden sie ganz langsam, fast so, als würden sie sich durch dicken Sirup quälen. Ich sagte gar nichts, denn es gibt nichts, was man sagen könnte, wenn jemand ein Elternteil verliert. Ich erwähnte nur, dass ihre Mama und meine Mama jetzt beieinander wären und auf uns aufpassten und wollen würden, dass es uns gut geht. Einer nach dem anderen stimmte mir zu, und als wir weiter nach oben gingen, erzählten sie, dass sie keine Namen hätten, weil ihre Mutter noch auf Inspiration gewartet hätte. Und so versprach ich, dass ich ihnen allen einen Namen geben würde, wenn ich die Inspiration dazu finden würde, so wie ihre Mutter das gewollt hätte. Diese Antwort schien sie zufriedenzustellen. Wir erklommen den Berg und näherten uns einer Höhle, die wie ein perfekter Rastplatz schien.

Aber als wir fast beim Eingang waren, blieb ein Welpe plötzlich stehen und warnte uns davor, hineinzugehen. Er schwor, dass darin eine große Dunkelheit wartete. Seine Brüder und Schwestern lachten ihn aus, natürlich sei es dort drinnen dunkel. Es war schließlich eine Höhle! Aber er schüttelte den Kopf und sagte, dass er etwas anderes gemeint hatte, etwas Böses, so böse wie der alte Bauer. Dann erzählte er uns eine Geschichte von Männern, die sich wegen Geld und Schwarzgebranntem gegenseitig erschossen hatten. Trotz seiner Warnung ging ich in die Höhle und wies die Welpen an, beim Eingang auf mich zu warten. Und als ich die Dunkelheit betrat, bemerkte ich ihn sofort. Den Geruch. Nein, kein Geruch. Ein Gestank. Ein Gestank, der mich unvermittelt traf und bei dem es mir den Magen umdrehte.

Ich brauchte einen Moment, bevor ich weitergehen konnte. Mit vorsichtigen Schritten ging ich an den Schatten und Lichtflecken vorbei, die aus den Rissen über mir drangen. Der Gestank wurde sogar noch schlimmer, wenn das überhaupt möglich war, als ich eine kleine Höhle betrat, in der glänzende Apparate standen, aus denen Alkohol durch Einschusslöcher tropfte.

Und da sah ich ihn.

Einen Haufen verfaulender Leichen und blutige Geldscheine, die auf dem ganzen Boden verteilt waren – genau wie der Kleine es beschrieben hatte.

Langsam ging ich den Weg zurück, den ich gekommen war, und versuchte zu verstehen, woher er das gewusst haben könnte.

Ich kam nie dahinter, aber dafür fiel mir ein Name für ihn ein. Ich nannte ihn „Ärger“. Nicht, weil er Ärger bedeutete, sondern weil er mit seinen unheimlichen Vorahnungen stets wusste, wann uns Ärger erwartete.

Saga des roten Kranichs. Das verlorene Reich der Neun.[ | ]

IconHelp archivesLog Saku stand vor einem Berg aus festem, schwarzem Gestein. Sie schritt über die verkohlten Überreste von Hunderten erfolglosen Suchern hinweg, die ein vorzeitiges, grausiges Ende gefunden hatten, während sie einen Weg in das verlorene Reich gesucht hatten. Sie blickte auf ihre Karte hinab und auf die Symbole, die sie auf ihrer scheinbar endlosen Reise auf der Suche nach einem Ausweg aus diesem lebenden Gefängnis entdeckt hatte. Sie starrte auf die Symbole und seufzte traurig. Sie war sich nicht sicher, was sie tun sollte. Sie wünschte, ihr Freund wäre noch bei ihr. Er hätte Ideen. Er würde wissen, was zu tun wäre. Er hatte ein viel besseres Verständnis für diese dunkle Welt als sie. Er hätte gewusst, ob sie die richtigen Symbole ausgewählt und in die korrekte Reihenfolge gebracht hatte. Sie hatten sich oft über die Vergangenheit unterhalten und die Geschichten und Notizen besprochen, die sie zusammengetragen hatten. Irgendwie schien er immer zu wissen, welche Teile relevant waren.

Aber nun war er nicht mehr hier und es gab nichts, was sie dagegen tun konnte.

Seufzend nahm sie einen Stein aus der Hand eines Skeletts und begann, eine Reihe aus neun Symbolen in die Wand vor ihr zu ritzen. Neunmal kerbte sie diese Sequenz ein und stand dann vor den arkanen Mustern, in der Hoffnung, dass etwas passieren würde. Doch nichts geschah. Zumindest war sie noch am Leben, dachte sie bei sich. Das bedeutete, dass die Sequenz richtig war. Dann fiel ihr eine Szene aus einer Geschichte ein, die sie als irrelevant abgetan hatte, nahm einen tiefen Atemzug und stellte sich mit angehaltenem Atem eine Tür vor, die sie nach Hause führen würde. Beim Ausatmen blies sie die Luft gegen die Wand.

Als Saku ihren Lebensatem über die Muster hauchte, begannen die Symbole zu leuchten, und weißer Nebel stieg plötzlich vom Boden auf, um sie zu umhüllen.

Wenige Augenblicke später verblassten die Symbole und der Nebel lichtete sich, um einen Eingang in das Herz des Berges freizugeben. Ungläubig starrte sie auf den Eingang. Sie hatte eine gefühlte Ewigkeit auf diesen Moment gewartet. Vorsichtig ging sie weiter und blickte in die Höhle hinter dem Eingang, in der eine schmale Brücke in einem Ozean aus weißem Nebel verschwand.

Langsam betrat Saku den Berg und ging über die Holzbrücke, während die weißen Nebelranken sie von beiden Seiten anzugreifen schienen. Plötzlich hörte sie Geräusche aus ihrer Vergangenheit, die gleichzeitig von überall und nirgendwo zu kommen schienen. Schreckliche Geräusche. Entsetzliche Geräusche. Weinen. Schreie. Kreischen. Sie hörte sogar die Stimme ihrer Mutter, die sie warnte, umzukehren, solange sie das noch konnte.

Saku blieb stehen und schloss die Augen, um sich zu fassen. Sie holte tief Luft und atmete langsam ihre Ängste und Zweifel aus. Als die Kakophonie aus der Hölle langsam verstummte, öffnete sie ihre Augen und ging in fast völliger Stille weiter. Nur die Ranken griffen weiterhin bei jedem Schritt nach ihr. Sie ging stundenlang, vielleicht sogar Tage, bevor sie endlich erkannte, dass sie sterben würde, bevor sie das Ende erreicht hätte.

Vielleicht gab es ja nicht mal ein Ende. Vielleicht war diese Brücke endlos lang. Saku ballte die Hand zur Faust und stieß ein verzweifeltes Stöhnen aus, als ihr bewusst wurde, dass dies nur eine weitere Prüfung war. Eine weitere Chance für dieses lebende Gefängnis, sich an ihren Ängsten und Qualen zu laben. Sie war gefangen, ohne Hoffnung auf ein Entkommen. Mehrere Minuten lang stand sie wie angewurzelt da. Jeder Muskel in ihrem Körper war angespannt. Das laute Geräusch einer Art Energie, die mit hoher Frequenz vibrierte, quälte sie, während der Nebel sie weiter angriff. Dieses Erlebnis war anders als alles, das sie kannte. Ihr fiel keine einzige Lösung ein, wie sie diese Reise fortsetzen sollte. Aber dann entdeckte sie etwas im Nebel und eine große Ruhe erfasste sie. Etwas, was ihr noch nicht aufgefallen war. Etwas, was die ganze Zeit dagewesen war. Der Nebel ...

Er griff sie nicht an. Er ... testete sie.

Winkte sie zu sich.

Als sie das erkannte, lachte Saku laut auf. Die Ranken warnten sie nicht, draußen zu bleiben, sondern luden sie vielmehr ein, hereinzukommen. Sie konnte es jetzt deutlich sehen und sie erkannte, dass sie sie am Vorwärtsgehen hindern wollten, weil ...

Sie in die falsche Richtung ging!

Und so schloss sie die Augen, beruhigte ihren Geist und zog dann ohne Furcht im Herzen ihr Katana mit einem hallenden Klirren und hob es über ihren Kopf. Dann ließ sie die Klinge durch die Brücke sausen und fühlte, wie die Welt unter ihren Füßen zusammenbrach.

Visuelle Erinnerungen[ | ]

Zarina Kassier: Erinnerungsfragmente[ | ]

ZARINA KASSIER 1733 ZARINA KASSIER 406 ZARINA KASSIER XXX
TOME19 ZARINA VISUALREWARD 01 TOME19 ZARINA VISUALREWARD 02 TOME19 ZARINA VISUALREWARD 03

Carmina Mora: Erinnerungsfragmente[ | ]

CARMINA MORA 931 CARMINA MORA 932 CARMINA MORA 933
TOME19 ARTIST VISUALREWARD 01 TOME19 ARTIST VISUALREWARD 02 TOME19 ARTIST VISUALREWARD 03

Die Schatten der Leere: Das Haus Arkham[ | ]

DER ROTE KRANICH 765 DER ROTE KRANICH 766 DER ROTE KRANICH 767
TOME19 OBSERVER VISUALREWARD 01 TOME19 OBSERVER VISUALREWARD 02 TOME19 OBSERVER VISUALREWARD 03

Belohnungen[ | ]

Durch das Abschließen der entsprechenden Aufgaben der vier Stufen im Foliant erhält der Spieler folgende Abzeichen und Banner:

Bild Name Beschreibung Stufe
ZO BDG 08 Alter Schraubenschlüssel Ein alter, rostiger Schraubenschlüssel. Ein Geschenk. STUFE I
BA BNR 02 icon Heulendes Wandgemälde Ein gequältes Gesicht auf einem Gemälde. STUFE II
BA BDG 01 Bildsucher Halte den Augenblick fest, bevor er vorbei ist. STUFE III
BA BNR 03 icon Kunstgalerie Fotoausstellung zu Gesellschaftsthemen. STUFE IV

Community-Herausforderung[ | ]

Zum ersten Mal wurde Foliant 19 in der ersten Woche (23. April bis 30. April 2024) mit einer speziellen Community-Herausforderung eröffnet, die die Community mit Blutpunkten und Spaltfragmenten für das kollektive Abschließen von Folianten-Herausforderungen und das Erreichen bestimmter Meilensteine belohnt:

4,000,000 Herausforderungen 4,500,000 Herausforderungen 5,000,000 Herausforderungen
250,000
IconCurrency bloodpoints
300,000
IconCurrency bloodpoints
400,000
IconCurrency bloodpoints
12
IconCurrency riftFragments
12
IconCurrency riftFragments
24
IconCurrency riftFragments

Trailer[ | ]

FOLIANTEN IN DEAD BY DAYLIGHT
FOLIANTEN

Foliant 1 - Das Erwachen Foliant 2 - Abrechnung Foliant 3 - Eskalation Foliant 4 - Verurteilung Foliant 5 - Entfesselt Foliant 6 - Abweichung Foliant 7 - Verlassen Foliant 8 - Befreiung Foliant 9 - Crescendo Foliant 10 - SAW Foliant 11 - Hingabe Foliant 12 - Uneinigkeit Foliant 13 - Boshaftigkeit Foliant 14 - Verrat Foliant 15 - Aufstieg Foliant 16 - Existenz Foliant 17 - Engagement Foliant 18 - Korrektur Foliant 19 - Pracht

EVENTFOLIANTEN Eventfoliant 1 - Der Mitternachtshain Eventfoliant 2 - Unheimliche Maskerade Eventfoliant 3 - Spuk in Dead by Daylight Eventfoliant 4 - Kalt bis auf die Knochen Eventfoliant 5 - Unheimliche Maskerade Eventfoliant 6 - Heiße Grillparty Eventfoliant 7 - Spuk in Dead by Daylight Eventfoliant 8 - Kalt bis auf die Knochen Eventfoliant 9 - Blutmond
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