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Foliant 12 - Uneinigkeit ist der Foliant zum zwölften Spalt in Dead by Daylight welcher am 20. Juli 2022 veröffentlicht wurde.

Überblick[ | ]

Die Charaktere dieses Folianten sind Jonah Vasquez und Talbot Grimes aka Die Fäule.

Tagebucheinträge und Erinnerungen[ | ]

Jonah Vasquez: Vermächtnis des Betrugs[ | ]

ERINNERUNG 201[ | ]

IconHelp archivesLog Fußgänger drängen sich in den verregneten Straßen von White Rock im Bundesstaat Colorado. Ein Pärchen verlässt einen Supermarkt und wird prompt von Jonah über den Haufen gerannt. Äpfel und Orangen kullern durch glänzende Pfützen. Im Schein der Straßenlaternen ruft Jonah ihnen eine kurze Entschuldigung zu, bevor er auf die Straße stürmt. Eine Hupe ertönt. Autoscheinwerfer blitzen auf. Jonah rutscht über die Motorhaube eines gelben Luxuswagens und landet direkt vor einer Fahrradfahrerin, die das Gleichgewicht verliert und stürzt. Sie rappelt sich auf und schleudert ihm Beschimpfungen hinterher, als plötzlich Kugeln durch die Luft sausen.



Jonah wirft einen schnellen Blick über die Schulter und kracht gewaltsam durch einen Souvenirladen. Tassen und Teller gehen zu Bruch. Er stürzt durch den Hinterausgang in eine Gasse, rutscht auf dem nassen Asphalt aus. Er springt auf und sprintet davon.



Er hechtet über einen Zaun, springt und taumelt eine mit Beton befestigte Böschung hinab. Hastig verkriecht er sich hinter einigen Mülltonnen. Während er noch nach Atem ringt, eilen zwei Angreifer in schwarzen Trenchcoats an ihm vorbei. Sie halten glänzende Pistolen mit Schalldämpfern.



Mit zusammengekniffenen Augen starrt Jonah ihnen in der Dunkelheit nach. Offensichtlich war irgendjemand nicht sehr glücklich darüber, dass er scheinbar zufällige Tonübertragungen von unbekannten Orten entschlüsselt hatte. Spione, nimmt er an, die mithilfe von verschlüsselten Signalen und Impulsen Namen und Koordinaten übertragen. Die Gründe dafür sind ihm weiterhin schleierhaft.



Doch nachdem es ihm gelungen war, die Namen von Firmen und bekannten Milliardären zu entschlüsseln, hatten ihn seine Vorgesetzten hastig von diesem Fall abgezogen. Etwas zu hastig. Daher hatte er beschlossen, eigene Nachforschungen anzustellen. Es hatte sich nicht als seine beste Idee herausgestellt. Aber irgendetwas in ihm musste einfach die Wahrheit erfahren. Musste verstehen, warum ihm befohlen worden war, sich von diesen rätselhaften Nachrichten fernzuhalten, die manchmal Namen von Personen enthielten, die einfach so verschwanden. Für ihn schien es irgendetwas mit Menschenhandel zu tun haben. Doch Dean ...



... Dean passte nicht in dieses Muster. Er war nicht wie die anderen, die verschwunden waren. Er war laut und unverblümt und machte die Regierung für alles, was mit seinen Schülern passiert war, verantwortlich.



Er musste den Highschool-Lehrer finden, bevor diese Schurken ihn aufspüren konnten.

ERINNERUNG 202[ | ]

IconHelp archivesLog Jonah sitzt in seinem kleinen, ungepflegten Motelzimmer. Schreie hallen aus seinem Smartphone. Er sieht sich die gefälschten Aufnahmen an, die von einigen Teenagern angefertigt worden waren. Der Bildschirm füllt sich mit Teenagern, die von einer aufgegebenen Radiostation flüchten. Sie werden von einer Nebelwolke mit tödlichen Haken verfolgt, die wie Klauen nach ihnen greifen. Er weiß nicht, was er da vor sich hat. Es erinnert ihn an die Gemälde, die er als Kind mit seiner Mutter in einem Museum in Fresno gesehen hat. Kunst würde seinen Horizont erweitern, hatte sie gesagt. Nicht diese Art von Kunst. Diese Kunst hatte ihn in Panik versetzt. Danach wollte er nie wieder ein Museum besuchen. Dean Barker war ihr Lehrer gewesen. Sein Name war in den verschlüsselten Signalen, weil er etwas wusste. Seine Schüler hatten ihm auf jeden Fall etwas erzählt. Jonah schließt das Video und öffnet Deans digitales Profil, in der Hoffnung, einen Hinweis – irgendeinen Hinweis – darauf zu finden, wo er ihn finden könnte.

ERINNERUNG 203[ | ]

IconHelp archivesLog Satellitenbilder mit Gesichtserkennung in Deans digitalem Profil verraten Jonah, dass der Lehrer regelmäßig eine Gemeinde obdachloser Männer und Frauen besucht, die unter einer verkehrsreichen Überführung ihren dürftigen Lebensunterhalt verdienen. Er steigt aus seinem Auto, geht hinab und wandert zwischen den kleinen Lagerfeuern umher. Suchend blickt er in die kalten, ernsten Gesichter, die vom flackernden, orangen Licht erhellt werden. Nach einer Weile fällt ihm ein in Decken gehüllter Mann auf, der ihn intensiv anstarrt. Als Jonah sich dem Mann nähert, springt dieser auf und läuft davon. Jonah folgt ihm bis zum Rand der Schnellstraße, von wo aus er beobachtet, wie Dean zwischen heranrasenden Autos hindurchläuft und im Wald auf der anderen Straßenseite verschwindet. Mit einem tiefen Seufzer kehrt er zu seinem Wagen zurück und versucht, wieder zu Atem zu kommen. Was weiß dieser Highschool-Lehrer, dass er derart verängstigt ist?

ERINNERUNG 204[ | ]

IconHelp archivesLog Früh am Morgen sitzt Jonah in seinem Auto und beobachtet ein Seniorenheim. Er hofft, dass Dean versuchen wird, Kontakt mit seinem Vater aufzunehmen. Ihm entfährt ein Seufzer, als ihm bewusst wird, dass er seit mindestens drei Wochen keinen Kontakt mehr mit seinen eigenen Eltern hatte. Sicherlich machten sie sich große Sorgen um ihn. Er ist ein Narr, darüber ist er sich im Klaren. So geht man nicht mit Menschen um, die einen lieb haben, die einen aufgezogen und den Großteil des Lebens beschützt hatten. Er fühlt sich wie ein verzogener, undankbarer kleiner Flegel, weil er so viel Zeit verstreichen ließ, ohne sich auch nur einen kurzen Moment Zeit zu nehmen, um mit ihnen zu reden.



Jonah starrt auf den Eingang zum Seniorenheim und redet sich ein, dass er sich heute Abend Zeit nehmen wird, seine Eltern anzurufen. Deans Vater leidet an Alzheimer und benötigt rund um die Uhr Pflege. Er möchte sich gar nicht erst vorstellen, wie es wäre, wenn seine Eltern ihn vergessen oder sich nicht mehr daran erinnern, wie stolz sie darauf sind, dass er alles, was sie ihm beigebracht haben, dazu nutzt, ihrem Land und der freien Welt zu dienen. Er hat ihnen aber niemals eingestanden, dass er sich manchmal unzureichend fühlte, weil er fast immer nur von seinem Schreibtisch aus arbeitete, auch wenn ihm seine Vorgesetzten immer wieder versichert hatten, dass er bei kritischen Missionen die rechte Hand sei.



Das einzige Problem ist, dass er keine Ahnung hat, was die linke Hand mit seiner Arbeit anstellt. Und oft beschleicht Jonah das Gefühl, dass ihm nur Halbwahrheiten offenbart werden.



Deshalb ist er hier.



Deshalb verwendet er sein persönliches Erspartes, um eigene Ermittlungen anzustellen. Seine vollkommen berechtigten Fragen zu den Firmen, die er aus den Signalen entschlüsselt hatte, hatten einen wunden Punkt berührt. Einen äußerst wunden Punkt. Die Reaktion war selbst für seinen Abteilungsleiter etwas völlig Neues gewesen, und er wurde offiziell von diesem Fall abgezogen. Und da er eine artige rechte Hand war, hatte er offiziell mit der Arbeit an einem neuen Fall begonnen. Inoffiziell jedoch ...



... brauchte er ein paar Antworten auf seine Fragen.

ERINNERUNG 205[ | ]

IconHelp archivesLog Gerade als die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, sieht Jonah einen Mann, der das Seniorenheim durch einen Nebenausgang verlässt. Jonah steigt aus dem Auto und folgt dem Mann hinter das Gebäude, verliert ihn jedoch aus den Augen. Schon wieder! Er stößt einen unterdrückten Fluch aus und gesteht sich ein, dass er sich besser auf Außeneinsätze vorbereiten sollte. Er muss mehr Zeit darauf verwenden, Nachforschungen anzustellen, als wenn er nur am Schreibtisch sitzt und mit Zahlen arbeitet, nach Mustern sucht und über Basketball plaudert. Mit einem Seufzer macht er sich auf den Rückweg zu seinem Auto. Er versucht, die Tür zu öffnen, stellt jedoch fest, dass sie verschlossen ist. Er drückt auf den Knopf an seinem Autoschlüssel, öffnet die Tür, steigt ein und startet den Motor. Für einen kurzen Moment lehnt er sich gegen das Steuerrad und starrt frustriert auf den Eingang des Seniorenheims. Gerade als er den Rückwärtsgang einlegen will, wird plötzlich die Beifahrertür aufgerissen und er starrt in den Lauf einer Pistole. Frustration wird zu Betretenheit, als ein Mann mit Kapuze auf den Beifahrersitz springt und die Tür hinter sich schließt.

ERINNERUNG 206[ | ]

IconHelp archivesLog Jonah hebt die Hände. Dean starrt ihn einen langen Augenblick lang an und senkt dann die Waffe. Warum verfolgst du mich? Ich sagte doch, dass ich zu dir kommen würde, sobald es sicher ist.



Jonah lässt die Hände sinken. Er hat keine Ahnung, wovon Dean redet, aber er hält ihn offensichtlich für jemand anderen. Er zuckt mit den Schultern.



Du musst vorsichtiger sein. Wenn ich dich so einfach entdecke, können die es auch. Die Kerle, die hinter mir her sind, sind bestens ausgebildet. Ex-Soldaten. Das sind Profis. Die siehst du nicht kommen, und plötzlich hast du eine Kugel im Kopf.



Jonah hatte sie kommen sehen, als er Deans Wohnung durchsucht hatte.



Woher weißt du, dass ich keiner von denen bin?



Dean schluckt hörbar. Weil ich dann schon tot wäre. Willst du immer noch mit mir reden? Es ist noch nicht zu spät, um dem Kaninchenbau den Rücken zu kehren.



Ja.



Fahr los. Ich werd dir sagen, wohin.

ERINNERUNG 207[ | ]

IconHelp archivesLog Dean hält Jonah für Max, der für eine unabhängige Organisation arbeitet, die den Verbleib einer Reihe von vermissten Personen untersucht. Er leitet ihn zu einem Feldweg, dem er bis zu einer alten, heruntergekommenen Holzbrücke folgt. Jonah hält das Auto am Waldrand an und dreht sich zu Dean, der die Brücke im Mondlicht mit leeren Augen anstarrt.



Dean seufzt. Mein Vater und ich haben früher am Fluss unter dieser Brücke geangelt. Das waren schöne Zeiten. Was weißt du über mich, Max?



Jonah wendet den Blick ab. Du warst ein Lehrer an der Highschool. Nach der Tragödie auf dem Schrottplatz hast du gekündigt.



Das war keine Tragödie. Ich kannte diese Kids. Die haben sich nicht im Drogenrausch gegenseitig umgebracht. Sie haben so einige bescheuerte Dinge getan, aber nicht so was.



Jonah nickt aufmerksam.



Zuerst dachte ich, dass Agenten dahintersteckten, aber dann wurde mir klar, dass die Sache weitaus größer ist. Willst du dir keine Notizen machen?



Jonah tippt mit einem Finger gegen seine Schläfe.



Ich habe ein gutes Gedächtnis.



Na gut, also ... Johnny und die anderen fingen Signale ab, die von einer aufgegebenen Radiostation in den Bergen stammten. Seltsame Frequenzen und Vibrationen ... Also sind sie dort hoch, um nachzusehen ... und als sie die Station erreichten, haben sie ein paar Durchgeknallte in Roben dabei gefilmt, wie sie irgendein uraltes Ritual durchführten, bei denen ein unter Drogen gesetzter Kerl aufgespießt wurde, der keine Ahnung hatte, was da gerade passierte.



Jonah zieht skeptisch die Augenbrauen hoch.



Die Aufnahmen waren gefälscht ... nur ein Scherz, der viral gehen sollte.



Dean schüttelt ernst den Kopf.



Ich wünschte, es wäre so gewesen. Dann wären sie jetzt nämlich noch am Leben. Bestimmte Leute in den Medien verbreiteten zehn Lügen, um eine Wahrheit zu verbergen. Danach wurden die Quellen verunglimpft und eliminiert.



Dean bezog sich auf eine alte Operation des Außenministeriums, die schon Jahre vor Jonahs Geburt eingestellt worden war. Er seufzte skeptisch und hätte diesen Mann unter anderen Umständen als Verschwörungstheoretiker abgetan, wäre sein Name nicht wichtig genug gewesen, um in einer Reihe verschlüsselter Botschaften aufzutauchen.



Bevor sie ausgeschaltet wurden ... gingen sie noch einmal zur Station ... und nahmen mehr Material auf, bevor diese Mistkerle die Brücke zerstörten, die auf den Berg führte. Ich veröffentlichte Teile der Aufnahmen, und sie reagierten ... zehn Lügen, um eine Wahrheit zu verbergen ... und irgendwie habe ich dabei wohl eine digitale Spur hinterlassen, die direkt zu mir führte.



Dean schüttelt den Kopf und starrt ausdruckslos durch die Windschutzscheibe.



Dieser Kaninchenbau ist tief ... sehr tief ... Unsere Staatsorgane wurden von einigen Idioten kompromittiert, die ein äußerst düsteres Ding in unsere Welt bringen wollen.



Jonah nickt nachdenklich, als plötzlich eine Kugel ins Heck des Autos einschlägt. Ohne zu zögern rollt Dean aus dem Auto ins hohe Gras und stürzt in den Wald. Jonah springt aus dem Auto und folgt ihm.

ERINNERUNG 208[ | ]

IconHelp archivesLog Jonah schleicht mit gezogener Waffe durch die Schatten. Er hat zwei Verfolger erkannt und geht davon aus, dass es sich um dieselben Angreifer handelt, die ihn in Deans Wohnung gestellt hatten. Ganz schön viel Aufmerksamkeit für einen Verschwörungswirrkopf, der gefälschte Aufnahmen von uralten Kulten und tödlichen Ritualen verbreitet. Schnell duckt er sich ins Unterholz und lauscht den lauter werdenden Schritten. Er wartet geduldig auf seine Verfolger. Einer läuft an ihm vorbei. Er hechtet aus seinem Versteck und schlägt ihn mit dem Griff seines Revolvers bewusstlos. Dann verschmilzt er wieder mit den Schatten und wartet auf den zweiten. Einen Augenblick später sieht er ihn auf sich zustürmen. Gerade als er an ihm vorbeiläuft, streckt Jonah seinen Arm aus und reißt ihn zu Boden. Schnell verpasst er ihm noch einen Fausthieb gegen den Kopf. Dann erhebt er sich und ruft nach Dean. Er schaltet das Licht seines Smartphones ein und macht sich auf die Suche nach ihm.

ERINNERUNG 209[ | ]

IconHelp archivesLog Jonah hält vor dem Schrottplatz an und hofft, dass Dean demselben Instinkt gefolgt ist. Er steigt aus, klettert über einen Maschendrahtzaun und mustert die Umgebung.

Es ergibt keinen Sinn.

Irgendetwas stimmt einfach nicht.

Sein Instinkt sagt ihm, dass es noch andere Möglichkeiten gibt. Er nimmt sich einen Augenblick, um den Kopf freizubekommen. Dann stellt er sich vor, wie die Teenager darüber diskutieren, was sie als Nächstes tun sollen, und wo sie die Beweise verstecken sollten, die sie über diesen uralten Kult gesammelt haben. Johnny nimmt einen Umschlag und verschwindet zwischen den gestapelten Schrottautos.

Jonah sieht sich die Autos an und fragt sich, ob auf dem Schrottplatz irgendetwas versteckt ist. Etwas, was die Polizei übersehen haben könnte. Er geht davon aus, dass er etwas Zeit totschlagen kann, bis Dean auftaucht – wenn es ihn nicht bereits erwischt hat.

ERINNERUNG 210[ | ]

IconHelp archivesLog Zehn Lügen, um eine Wahrheit zu verbergen. Möglich ist es schon. Und es klingt auf jeden Fall nach etwas, was die Agency in ihren frühen Jahren getan hätte, als die Mandate noch schwammig waren und die Abteilungen von Psychopathen wie Stomper und Carter geleitet wurden. All die geheimen Abteilungen und Experimente, die so viele Leben zerstört hatten, waren offiziell geschlossen worden. Aber ... inoffiziell ... war er sich da nicht so sicher.



Diese Programme hätten inoffiziell in andere Regierungsabteilungen wandern oder innerhalb der zahllosen Unterabteilungen der Agency einfach nur umbenannt werden können. Er konnte es schlichtweg nicht wissen. Nicht mit Sicherheit.



Seufzend gibt Jonah seine vergebliche Suche nach etwas, was die Geschichte des Lehrers bestätigen würde, auf. Er springt auf die Motorhaube eines ausgeweideten Trucks, legt sich auf den Rücken und starrt in den Sternenhimmel. Tief aus seiner Magengegend steigt ein grauenvolles Gefühl in ihm auf. Er wird den Lehrer nie wieder sehen. Niemand wird ihn je wieder sehen. Der Lehrer ist verschwunden. Er würde die Wahrheit nie erfahren, es sei denn, er würde Ausrüstung kaufen, zur Radiostation auf dem Berg wandern und sich selbst ein Bild davon machen.



Ein Teil von ihm möchte einfach nur nach Hause und diesen ganzen Schlamassel vergessen. Ein anderer Teil von ihm möchte es wissen. Muss es wissen. Muss verstehen, warum er so abrupt von seiner Aufgabe abgezogen wurde. Die linke Hand wusste nicht, was die rechte tat, und war in Panik geraten. Diese Panik hatte ein merkwürdiges Gefühl in ihm verursacht. Genau dieses Gefühl war jetzt wieder da, als vergrabene Gerüchte darüber, dass die Agency Rebellen rekrutierte und finanzierte, um Regionen zu destabilisieren und Waffen an Regierungen zu verkaufen, wieder ans Licht kamen.



Der Gedanke allein lässt ihn wünschen, seinen Job an den Nagel zu hängen und zu seinem Vater auf die Farm zu ziehen. Aber bisher hat er noch nie aufgegeben, und er erkennt, wie perfekt er dazu geeignet ist, den Garten von innen heraus zu jäten. Und dabei vielleicht auch ein paar Schlangen zu töten. Wenn er jetzt kündigte, würde das Unkraut nur weiter wuchern und die Schlangen würden an der Macht bleiben. Das durfte er nicht zulassen, und er durfte seinem Land auch nicht den Rücken kehren, selbst wenn er dafür ein Doppelleben führen musste. Was er sowieso schon tat. Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr wurde ihm bewusst, dass ihm die Klettertour seines Lebens bevorstand. Und vielleicht sogar ... der Kampf seines Lebens.

Talbot Grimes: Der menschliche Faktor[ | ]

ERINNERUNG 1721[ | ]

IconHelp archivesLog Talbot öffnet benommen die Augen. Er sitzt auf einem Holzstuhl und kehrt langsam von einer Reise zurück, an die er sich nur halbwegs erinnert. Er erinnert sich aber an die Blumen und die leuchtenden Farben. Blau und lila. Sie wachsen und sondern eine merkwürdige, nektarartige Flüssigkeit ab. Die seltsamen blauen und lilafarbenen Blumen aus einer anderen Welt. Er seufzt erschöpft und ist sich nicht sicher, ob er in Gedankenschnelle gereist war, um der Zeit zu trotzen und einen Augenblick aus der Zukunft zu erleben, oder ...



... ob alles nur eine raffinierte Fantasie war, die seine Vorstellungskraft aus vergessenen Erinnerungen zusammengestückelt hatte. Es hatte sich jedenfalls real angefühlt, und das genügte ihm vorerst auch.



Talbot wirft einen Blick auf die Mohnblume in seiner Hand. Unglaublich, dass eine Blume, eine einzige Blume, jemanden auf eine derartige Reise durch innere Reiche und mögliche äußere Reiche führen kann – durch unbekannte Reiche.



Sie sind zurück, Mr. Grimes!



Mit einem Ruck dreht Talbot sich zu Junius, einem Investor der Kompanie, um. Er hasste einfach alles an diesem Mann. Wie er seinen schwarzen Anzug und den mit Pomade gezwirbelten Schnurrbart zur Schau trug. Wie er Talbot ansah. Wie er alles, was er mit ihm und seinen Mitstreitern plante, unter dem Gesichtspunkt des Profits rechtfertigen musste.



Was machen Sie hier?



Wir benötigen Ihre, wie soll ich es ausdrücken, Expertise, um Proben an einem abgelegenen Ort in Nordafrika zu sammeln.



Ich fürchte, ich arbeite an einem anderen Auftrag. Aber Sie können ja sicher die anderen Chemiker schicken.



Das haben wir getan.



Und?



Sie sind verschwunden, genau wie einige andere Expeditionen, die wir dorthin geschickt hatten.



Talbot wandte sich ab und ließ das Kellergewölbe, das mit schwarzem Rauch und dem betäubenden Geruch von Opium, Urin und Erbrochenem erfüllt war, auf sich wirken. In diesem Raum befanden sich zwei Reihen Betten mit Strohmatratzen sowie kleine Tische, auf denen Nussöllampen standen. Damit wurde das Opium erhitzt, bevor es in Pfeifen gefüllt wurde, die so lang wie Gewehrläufe waren.



Männer stöhnen und grinsen mit geschlossenen Augen. Ein Mann starrt Talbot an. Er lacht langsam und schwer, mit einer Pfeife an den Lippen. Immer, wenn er einen Zug von der brennenden Opiumkugel nimmt, ertönt ein höllisches, brutzelndes Geräusch.



Junius räuspert sich. Sie müssen verstehen, Mr. Grimes, dass es für die Kompanie keinen dringlicheren Auftrag gibt als diesen.



Und Talbot versteht, dass mit „dringlich“ profitabel gemeint ist.

ERINNERUNG 1722[ | ]

IconHelp archivesLog Junius hatte nicht die ganze Wahrheit gesagt. Ein Chemiker war von der Expedition zurückgekehrt, ein alter Freund und Rivale aus Schultagen namens Tomas. Tomas war von seiner Reise in das Bluten – wie Junius es nannte – zurückgekehrt, ohne auch nur ein einziges Wort über seine Erfahrung dort zu verlieren. Um genau zu sein, hatte er seit seiner Rückkehr überhaupt nicht gesprochen. Junius legt dar, wie ein alter Freund Tomas aufheitern könnte, während er Talbot durch die schmutzigen Straßen Londons zu Tomas’ Haus führt. Nur wenige Minuten später nähern sie sich dem Eingang einer bescheidenen Unterkunft und Junius klopft laut an der Tür. Ein Arzt öffnet und begrüßt die beiden. Er erklärt, dass Tomas den Verstand verloren hat und dass niemand ein Wort aus ihm herausbringen kann. Danach führt er sie in einen kleinen, klammen Raum, in dem Talbots alter Schulfreund auf der Bettkante sitzt und nervös vor- und zurückschaukelt. Eine Kerze auf dem nahen Tisch erleuchtet ihn in der Dunkelheit.



Langsam nähert Talbot sich Tomas und erschrickt, als er das eingefallene Gesicht und die leeren, starrenden Augen erblickt. Er setzt sich auf einen Hocker neben ihm.



Mein guter alter Freund ... Ich habe erst vor Kurzem erfahren, dass du von einem außergewöhnlichen Auftrag zurückgekehrt bist, wie mir gesagt wurde.



Tomas antwortet nicht, doch seine Augen sind plötzlich von Tränen erfüllt.



Schon gut. Du kannst mir erzählen, was passiert ist.



Tomas versucht zu sprechen, doch er stammelt nur unzusammenhängende Wortfetzen. Dann rinnt eine Träne über seine blasse Wange und er bringt die Kraft auf, mit zitterndem Finger auf einen Schrank zu deuten.



Talbot erhebt sich, eilt an Junius vorbei und greift nach einem Lederbeutel. Er öffnet ihn, zieht ein Tagebuch heraus und zeigt es Tomas. Tomas nickt und bemüht sich, etwas zu sagen, doch plötzlich weiten sich seine Augen und anstelle von Wörtern dringt ein höllischer Schrei aus seinem Mund, der mit jedem Atemzug lauter und lauter wird.



Der Arzt stürmt panisch ins Zimmer und geleitet die beiden nach draußen. Talbot wirft seinem Freund einen letzten, langen Blick zu und fragt sich, was dessen stoischen, genialen Geist brechen konnte.

ERINNERUNG 1723[ | ]

IconHelp archivesLog Talbot sitzt in einer Pferdekutsche und geht die Notizbücher durch. Nichts als Kauderwelsch und die verstörenden Gedankengänge eines Chemikers, der langsam den Verstand verlor. Wenn er den Notizbüchern Glauben schenken wollte, hatte Tomas eine Ewigkeit in einer Welt gelebt, in der Menschen von Wesen aus düsteren Volkssagen ununterbrochen wie wilde Tiere gejagt wurden. Er war nur eine Woche lang verschwunden, und dennoch gab es Hunderte Einträge. Vielleicht sogar Tausende. Es ergab überhaupt keinen Sinn. Und Junius hatte ihn auch überrascht. Er hatte den Geldgeber falsch eingeschätzt. Er war weitaus mitfühlender als gedacht, und er schien wahrhaftiges Mitleid für Tomas zu empfinden.



Trotz seiner Profitbesessenheit ist er ziemlich menschlich.



Talbot kommt der Gedanke, dass Junius in Wirklichkeit zwei Persönlichkeiten hatte, und dass die Kompanie merkwürdige Dinge mit ihm anstellte, geradezu wie ein Katalysator. Er wirkt anders, wenn er die Kompanie repräsentiert. Es scheint, als würde die Kompanie ihm etwas gewähren, durch das er anders sein konnte.



Eine völlig andere Person.



Vielleicht Schutz.



Vielleicht Anonymität.



Vielleicht beides.



Talbot vermutet, dass man über ihn und seine Bemühungen dasselbe sagen könnte. Aber irgendwie glaubt er, dass er sich selbst mit dem Schutz und der Anonymität der Kompanie sein Mitgefühl für andere erhalten kann. Und dennoch ... liest er die Notizbücher seines Freundes nicht so sehr aus der Perspektive der Trauer sondern vielmehr aus Neugier. Er fragt sich, ob ihn diese objektive Gesinnung weniger menschlich macht, oder vielleicht ... menschlicher.



Jede Bestie kann aus Ärger, Wut oder Trauer reagieren. Was uns von den Tieren abhebt ist unser Intellekt, unsere Fähigkeit, unsere Gefühle für das Gemeinwohl zurückzustellen. Und dennoch ...



... kann Talbot es sich nicht verkneifen, darüber nachzusinnen, dass Menschen sich durch ihre Gefühle von Maschinen unterscheiden. Nein. Nicht Gefühle. Unser Einfühlungsvermögen. Unsere Fähigkeit zu fühlen, was andere fühlen, indem wir uns einfach nur vorstellen, was diese gerade wohl durchmachen müssen ... worunter sie leiden könnten. Diese Fähigkeit geht weit über die einfachen Mechanismen des Intellekts hinaus.



Welch unglaubliche Macht wir doch haben, dass wir uns in eine andere Person hineinversetzen können. Nur deshalb können Dinge wie Theaterstücke, Poesie und Erzählungen überhaupt existieren. Ohne Einfühlungsvermögen müsste die menschliche Erfahrung als etwas ganz Anderes definiert werden ... etwas Unbedeutenderes ... etwas, das der Erfahrung eines Insekts am nächsten kommt.



Und dennoch ...



... ist es die Variable „Einfühlungsvermögen“, die sich als das größte Hindernis beim Erreichen wahrer Objektivität herausstellt. Beim Erreichen der Wahrheit. Aber was ist wahre Objektivität schon wert, wenn man dafür seine Menschlichkeit verlieren muss.

ERINNERUNG 1724[ | ]

IconHelp archivesLog Talbot ist sich nicht sicher, wie lange er schon in dieser kleinen Jolle flussaufwärts unterwegs ist, unter der glühenden Sonne Afrikas, begleitet von einem Trupp Soldaten. Soldaten der Kompanie. Die Kompanie ist so groß, dass sie über eine der stärksten Söldnerarmeen der Welt verfügt. Wirklich beeindruckend, und insgeheim bewundert er die Tatsache, dass sie tun und lassen können, was sie wollen, ohne Konsequenzen und ohne fürchten zu müssen, den Ruf des Königs und des Landes zu beschädigen. Er starrt die Soldaten an, die am Heck des Schiffs herumlungern. Junge, kaltschnäuzige Männer, die eine Möglichkeit gefunden haben, unter dem Mantel der Anonymität Menschen zu jagen, zu töten und zu foltern. Der Koch, Oswald, erzählt von Rebellionen, die er in unterschiedlichen Kolonien niedergeschlagen hat, und von den wundervollen Gerichten, die er in anderen Ländern entdeckt hat. Calder ist ein berühmter Fährtenleser, der mehrere Dissidenten gefangen genommen hat. Stolz hatte er seine Sammlung abgeschnittener Ohren dieser Halunken präsentiert. Wenn sonst niemand etwas zu sagen hat, erzählt Dallin von seiner Verlobten. Sie ist wunderschön und lustig und entstammt einer guten Familie. Talbot hat das Gefühl, dass er nur deshalb laut von ihr erzählt, um sich selbst von seiner Zuneigung für sie zu überzeugen, nicht die anderen. Er ist zwischen seiner Liebe zu ihr und seiner Liebe zum Soldatentum hin- und hergerissen und versteht in gewisser Weise, dass er niemals beides haben kann. Sie wird ihm zu viele Fragen stellen, ihn dazu zwingen, über Dinge nachzudenken, die er lieber verdrängen würde, und ihn an sein besseres Ich erinnern.



Talbot kennt dieses Gefühl nur zu gut. Auch er war einmal verliebt gewesen. Ena. Aber seine Liebe für sie war nicht stark genug gewesen. Jedenfalls nicht stark genug für ihn, um sich von seinen Experimenten abzuwenden. Sie war eifersüchtig auf seine Arbeit – auf sein Labor. Die langen Stunden, die er dort verbrachte. Die ganze Energie und die Überlegungen, die er in seine Experimente steckte.



Als Ena das Labor verwüstete und in Brand steckte, verstand er sofort, wie sehr sie ihn liebte, und als er sein zerstörtes Labor sah, spürte er sofort die Schmerzen und das Leid, für die nur er verantwortlich war. Und diese Gefühle wollte er nie wieder verspüren. Genauso wenig wie die Schuld.

ERINNERUNG 1725[ | ]

IconHelp archivesLog Talbot reitet unter der sengenden Sonne auf einem Kamel. Er wischt sich Schweißperlen von der Stirn und folgt Calder und den anderen Soldaten zu einem weitläufigen, von Sand bedeckten Zeltlager. Sie halten ihre Tiere sofort an, als ein Mann in Wüstenmontur auf sie zutritt und sich als Farley vorstellt. Talbot steigt aus dem Sattel und sie tauschen Höflichkeiten aus. Dann folgt Talbot Farley durch das Lager, vorbei an zahllosen Feuerstellen, um die sich flüsternde Angestellte der Kompanie scharen, bis hinein in das größte Zelt.



Farley dreht sich zu Talbot um. Ich möchte anmerken, dass all dies nicht ... wie soll ich es ausdrücken ... konventionell ist. Was ich Ihnen zeigen werde, muss strikt unter uns bleiben.



Talbot nickt schwach.



Farley schreitet zum hinteren Teil des Zelts und hebt eine Tuchklappe an. In der Ferne ist eine riesige Ansammlung schwarzen Nebels zu erkennen. Merkwürdiges lilafarbenes und blaues Licht erstrahlt aus dem Inneren.



Was ist das? Was sehe ich da?



Farley starrt in den Nebel. Wir nennen es das Bluten. Eine unserer Theorien ist, dass es sich um eine andere Dimension handeln könnte, die ... wie soll ich das sagen ... in unsere eigene sickert. Diese Phänomene haben wir schon früher gesehen und dokumentiert, aber noch niemals so lange. Nie lange genug, um Nachforschungen anzustellen. Sie müssen dort hinein, Aufzeichnungen machen und Proben der Flora und Fauna sammeln, sofern Sie welche finden können.



Talbot mustert konzentriert die Nebelbarriere.



Sie glauben, dass das eine andere Dimension ist?



Wir wissen nicht, was wir glauben sollen. Aus genau diesem Grund haben wir Sie angefordert, Mr. Grimes.



Sie hätten sich erfahrenere Chemiker aussuchen können. Ich kenne mehrere ...



Das haben wir getan. Sie sind nie zurückgekehrt, und wir sorgen uns definitiv um ihr Wohlergehen. Aber wenn es Ihnen gelingen würde, Proben von dieser Anomalie zu nehmen und diese zu uns zu bringen, wären die Opfer, die diese Männer gebracht haben, nicht umsonst gewesen.



Talbot runzelt die Stirn.



Farley seufzt, schließt die Zeltklappe und wendet sich zu Talbot. Wir würden sogar ihren Vorschlag in Erwägung ziehen, die ... wie soll ich sagen ... Qualität Ihrer Experimente zu verbessern. Was ich damit ausdrücken will, ist, dass wir sicherlich eine Möglichkeit finden könnten, Ihnen Zugang zu den von Ihnen gewünschten Testobjekten zu gewähren.



Dafür würde der König uns hinrichten lassen.



Mein werter Mr. Grimes ... dem König sind wir keine Rechenschaft schuldig.

ERINNERUNG 1726[ | ]

IconHelp archivesLog Dem König sind wir keine Rechenschaft schuldig. Talbot denkt wieder und wieder über die Konsequenzen dieser Aussage nach, während er Notizbuch, Werkzeuge und Phiolen in seinen Lederbeutel packt. Dann verschließt er den Beutel und fragt sich, wem die Kompanie Rechenschaft schuldig ist, wenn nicht dem König. Junius hatte ihm einst gesagt, dass die Kompanie wie eine Person behandelt würde und daher denselben Respekt wie eine Person verdient hätte. Und dennoch wirkte die Kompanie nicht wie eine Person. Sondern wie etwas völlig Anderes. Etwas Andersartiges. Etwas, vielleicht, wie eine Bestie ... eine Bestie, die vorgibt, eine Person zu sein. Ein dunkles Ding, das auf die Welt losgelassen worden war, um zu zerstören und zu plündern, und mit einem Maul voller Tod und einer Pranke voller Gold zu seinen Meistern zurückzukehren. Ein Teil von Talbot hasste es, schon so lange Teil dieses dunklen Dings zu sein. Doch im Lauf der Jahre hatte er Wege gefunden, seine eigenen Schuldgefühle zu unterdrücken und die reine Macht und Genialität der Möglichkeiten dieses Dings in der Welt zu bewundern, und was es für seine Meister vorbehaltlos erreichen konnte.



Wenn die Bestie zu einem Problem werden sollte, konnten die Meister ihr Leben einfach beenden; die Bestien und die Schmerzen, den Tod und das Grauen, das sie verursacht hatten, in einem vergessenen Grab versenken. Aber nicht das Gold. Nicht das Beutegut. All das konnten die Meister behalten. Das Gold und das Beutegut behalten und irgendwann eine neue Bestie damit zum Leben erwecken, oder vielleicht sogar mehrere. Die Kompanie mochte zwar keine Person sein, aber sie war auf jeden Fall eine Lebensform. Und Gold war ihre Lebenskraft. Ihr Blut.



Mit einem Mal wird Talbot von Begeisterung erfüllt. Gold ist Energie. Nein. Nicht Gold. Währung. Währung ist Energie. Nein. Nicht Energie. Eine Variable, um Menschen zu lenken und zu kontrollieren. Um die Herde zu manipulieren. Ja. In diesem Gedanken steckt etwas, das es wert ist, erforscht zu werden. Etwas, das es wert ist, verfolgt zu werden. Etwas, das der Kompanie und ihren Meistern helfen könnte. Er fragt sich, ob es möglich ist, Menschen in verkürzter Form zu verstehen – in der Form von Energie und Gleichungen.



Hastig zieht Talbot sein Notizbuch hervor und hält ein Konzept fest: Herdenenergie. Er kritzelt eine Gleichung auf das Papier, streicht sie durch, schreibt eine andere Version. Er überprüft die Gleichung, seufzt und streicht auch diese durch. Für einen langen Augenblick fragt er sich, ob Menschen tatsächlich auf eine chemische Gleichung heruntergekürzt werden können, die irgendwie Ausgabe und Potenzial ermitteln könnte.



Es war eine merkwürdige Idee. Vielleicht sogar eine schreckliche Idee. Und dennoch hatte diese Idee eine Zukunft – eine bestialische Zukunft. Es war auf jeden Fall plausibel, Menschen als eine Art Energie zu betrachten, die erfasst und kontrolliert werden konnte, abgesehen von einer Variable: der menschlichen Variable.



Einfühlungsvermögen.



Die Stärke der Währung als eine Variable, um den Energiefluss zu kontrollieren, zu manipulieren und vorherzusagen wäre direkt proportional zu dem Wert, den Menschen der Währung in ihrem Leben beimessen würden. Aber ... es musste Möglichkeiten geben, die menschliche Variable zu entfernen oder wenigstens zu reduzieren. Um Währung irgendwie in einen kollektiven Gott oder zumindest einen Halbgott zu verwandeln. In etwas, was die Herde fürchtete, anbetete und worüber sie ständig nachdenken würde. Einen einzigen Gott, der alle beherrschen würde. Eine einzige Variable, um die Herdenenergie anzuregen, zu erschüttern und zu lenken.



Talbot starrt auf sein Notizbuch und lacht in sich hinein. Diese Idee ist aberwitzig! Sie hat keine Zukunft! Es gibt keine bestehende oder zukünftige Welt, in der er oder irgendjemand anderes damit experimentieren könnte, die menschliche Variable zu eliminieren. Damit käme nicht einmal die Kompanie durch. Aber wenn doch ...



... Wenn doch ...



... Dann wäre sie weitaus mächtiger und effektiver darin, die Herde zu kontrollieren als irgendein König oder Imperium.



Talbot streicht seine Gleichungen durch, denn er hat erkannt, dass sie nichts weiter als äußerst fantasievolle Kritzeleien sind, die den Anschein von Wissenschaftlichkeit erwecken. Selbst wenn die Kompanie die Möglichkeit erhalten würde, ungehindert Experimente an der Herde durchzuführen, kann er sich nicht vorstellen, wie diese immaterielle menschliche Variable heruntergekürzt oder gar vollständig aus der Gleichung entfernt werden könnte. All die Zivilisationen und Gemeinschaften sowie die unterschiedlichen Überzeugungen und Werte der Menschen würden niemals zulassen, dass ein solcher Gott oder Halbgott existiert.



Talbot schüttelt den Kopf ob der Absurdität seiner Theorie. Er klappt sein Notizbuch zu, legt es zurück in den Beutel und bereitet sich auf die bevorstehende Reise vor.

ERINNERUNG 1727[ | ]

IconHelp archivesLog Talbot führt sein Gefolge zu einer Wand aus Nebel. Er ignoriert das Keuchen und die Seufzer hinter ihm. Bevor er den Nebel betritt, hält er inne. Oswald verkündet, dass er es für am besten hält, umzukehren. Er verspricht, allen ein köstliches Gericht zuzubereiten, das er aus Indien kennt. Calder meint, dass er zu gut bezahlt wird, um sich das zu erlauben. Dallin stimmt Calder zu. Talbot nimmt diese Anmerkung zur Kenntnis und stupst den beinahe flüssigen Nebel mit ausgestrecktem Finger an. Der Nebel formt eine Art Ranke und stupst zurück. Ungläubig verpasst Talbot dem Nebel einen weiteren Stoß, in der Hoffnung, eine ähnliche Reaktion hervorzurufen.



Doch der Nebel macht keine Anstalten.



Vermutlich hatte es sich nur um eine Reaktion auf die kollektive Körpertemperatur der Männer gehandelt. Die Vorstellung eines Nebels mit Bewusstsein erscheint beinahe absurd. Lange starrt er den Nebel an, doch dann hört er Enas Stimme, die aus dem Bluten heraus seinen Namen ruft. Er seufzt, ignoriert die Stimme und bereut kurz den Schluck Laudanum, den er sich zuvor gegönnt hatte, um sein Herz zu beruhigen und seinen Geist zu schärfen. Die Männer keuchen und flüstern weiterhin sorgenvolle Bemerkungen über den Nebel, doch Talbot schließt die Augen und macht einen kleinen Schritt ins Unbekannte.

ERINNERUNG 1728[ | ]

IconHelp archivesLog Talbot öffnet die Augen und starrt die seltsam leuchtenden, blauen und lilafarbenen Ranken an, die über vulkanische Gesteinsformationen wuchern, welche ihm seltsam bekannt vorkommen. Große, kaum wiedererkennbare Krähen ziehen am dunklen Himmel krächzend ihre Kreise. Zwei Soldaten der Kompanie treten neben ihn, in ihren weit geöffneten Augen spiegelt sich Unglaube wider.



Talbot dreht sich zu Calder und Oswald um. Er inspiziert den Durchgang im Nebel hinter ihnen und wartet darauf, dass Dallin hervortritt. Wo ist euer Freund?



Calder und Oswald wird klar, dass sie Dallin verloren haben. Sie versuchen, den Nebel mit fuchtelnden Bewegungen zu lichten, und rufen seinen Namen. Dann tritt Calder in den Nebel, doch Talbot greift ihn an der Schulter und hält ihn davon ab. Wir sind nicht, wo wir zu sein glauben.



Calder reißt sich von Talbot los. Ich weiß nicht, was das bedeuten soll.



Wir können ihn doch nicht einfach im Stich lassen?



Talbot nähert sich dem Nebel, der sie vom Lager trennt. Ich gehe davon aus, dass er ins Lager zurückgekehrt ist.



Calder und Oswald tauschen Blicke mit Talbot aus. Dann übernimmt Calder die Führung und sie betreten die blaue und lilafarbene Düsternis.



Schon bald erreichen sie eine Wand aus Ranken, die ihnen den Weg versperren und durch deren Adern eine leuchtend blaue, nektarartige Substanz fließt. Talbot streckt den Arm aus, reißt vorsichtig ein Blütenblatt von einer kleinen Blüte ab und verstaut es in einer Phiole.



Mit einem hell klirrenden Geräusch zieht Calder seine Machete, und plötzlich scheinen die Ranken zu zittern.



Talbot spürt, dass etwas nicht stimmt, und hält Calders Arm mitten im Schwung fest.



Keine gute Idee.



Unsinn.



Calder reißt seinen Arm los und hackt wild auf die Ranken ein. Die lilafarbene Substanz befleckt ihn von Kopf bis Fuß.



Die verstümmelten Ranken verdorren in Sekundenschnelle und lösen sich wie glimmende Asche in kleine Rauchwolken auf. Talbot beobachtet mit offenem Mund, wie die anderen Ranken geradezu vor Calder zurückzuweichen scheinen, ganz so, als wären sie sich über seine mörderische Absicht bewusst. Sie scheinen sich vor einer Gefahr zurückzuziehen.



Calder verpasst Talbot einen Stoß, um ihn aus seiner Trance zu wecken. Doch als er einen Schritt nach vorn macht, bricht das Vulkangestein unter seinen Füßen plötzlich auf, schwarzer Nebel tritt aus dem Riss hervor und eine mächtige Ranke gleitet auf Calders Stiefel zu.



Bevor Talbot ihn daran hindern kann, lässt Calder seinen Fuß wie auf eine Schlange herabkrachen. Er lacht und schüttelt den Kopf, doch die Ranke erwacht nun richtig zum Leben, wickelt sich um seinen Knöchel und reißt ihm mit unvorstellbarer Kraft das Bein aus. Heißes Arterienblut spritzt wie eine Fontäne in die kalte Dunkelheit, und Calder brüllt vor Schmerzen.



Talbot schluckt angestrengt, während Oswald panisch versucht, dem Fährtenleser zu helfen. Er lässt den schreienden Mann zurück und starrt mit einer Mischung aus Neugier und Ungläubigkeit auf die Ranken, die sich langsam zurückziehen.



Dieses fremdartige Reich scheint durchaus über ein Bewusstsein zu verfügen. Eine lebendige Welt, die sie untersucht und auf die Probe stellt. Zu welchem Zweck vermag er allerdings nicht zu erkennen. Doch ...



Plötzlich werden Talbots Gedanken von Schreien unterbrochen. Er dreht sich zu Calder um und unterdrückt den Drang, ihn anzubrüllen. Er leidet höchstwahrscheinlich an unvorstellbaren Schmerzen und wollte ihn nicht absichtlich stören. Schnell setzt er eine besorgte Miene auf und kniet sich neben den zitternden Körper. Er fragt sich, wie lange eine Person wohl ohne Bein überleben kann.



Oswald ruft, dass sie ihn zum Lager zurückbringen sollten. Doch Talbot ist nicht bereit, diese einmalige Gelegenheit aufzugeben, etwas zu beobachten und zu erforschen, was bislang noch kein Chemiker beobachten und erforschen konnte. Er will jedoch keine Zeit damit verschwenden, mit Oswald zu diskutieren. Dieser würde es einfach nicht verstehen. Er erklärt Oswald, dass er Calders Wunde versorgen muss, bevor sie ihn ins Lager zurücktragen können.



Oswald nickt zustimmend und Talbot zückt ein Fläschchen Laudanum, seine eigene Rezeptur, eine Mischung, die stärker ist als alles, was irgendeine Kompanie jemals herstellen konnte. Er setzt die Flasche an Calders Lippen und sagt ihm, dass das Serum die Schmerzen lindern wird. Dann lässt er die Flüssigkeit in seinen zitternden Mund fließen.



Nach wenigen Sekunden hört Calder auf zu zittern. Seine Augen verdrehen sich, als er seinen letzten Atemzug tut. Talbot kann sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen, und plötzlich spürt er den Lauf einer Pistole an seinem Hinterkopf.



Was hast du mit meinem Freund gemacht?



Talbot schließt die Augen und wartet auf den Tod

ERINNERUNG 1729[ | ]

IconHelp archivesLog Oswald schreit Talbot an, nennt ihn einen verfluchten Mörder. Gerade als sich ein Finger um den Abzug krümmt, rast eine enorme Nebelwolke auf ihn zu und ergreift ihn wie eine riesige Faust, die ihn in die Dunkelheit zieht, während er brüllend um sich schlägt. Talbot steht mit weichen Knien da und sieht ungläubig zu. Es hatte den Anschein, als würde ihn dieses Reich beschützen. Als würde es ihn aus einem unbekannten Grund am Leben halten wollen. Nur ganz kurz plagten ihn Gewissensbisse wegen Calder und Oswald, doch dann folgte er dem gewundenen Pfad zwischen schroffen Felsen, die von leuchtenden Ranken und Blumen erhellt wurden. Nachdem er eine ganze Weile lang unterwegs gewesen war, hörte er erneut die Stimme. Das konnte nicht sein. Ena. Er hielt an und drehte sich mehrmals verzweifelt suchend im Kreis. Dieses Mal war er sich sicher, dass das Laudanum nichts damit zu tun hatte. Es lag an diesem Ort. Er wollte ihn nicht beschützen. Er wollte ihn ... quälen ... mit ihm spielen, wie eine Katze es mit einer Maus tat. Er schließt die Augen, hält sich die Ohren zu und folgt weiter dem gewundenen, lilafarbenen Pfad.

ERINNERUNG 1730[ | ]

IconHelp archivesLog Leuchtend blaue Tröpfchen triefen von einer Decke aus blühenden Blumen herab. Ein Blütenblatt fällt, er verfolgt seinen Flug und fängt es in der Luft. Er untersucht seine runde Form, die glatte Oberfläche, und steckt es in eine Phiole. Dann nimmt er eine weitere Phiole und fängt damit die Tröpfchen dieser fremdartigen Flüssigkeit auf. Er fragt sich, ob diese Substanz genau wie Mohn Portale innerhalb des Verstands öffnen kann. Plötzlich durchbricht ein Röcheln die nahezu greifbare Stille. Er lässt seinen Blick über kleine, knorrige Bäume und Sträucher wandern und erkennt Oswald, der an einem Fels lehnt. Sein Atem geht schnell und er hält seine Hand schützend über eine Wunde am Bauch. Er blickt zu Talbot auf.



Schnell, bitte ... Sie hat es auf mich abgesehen.



Talbot ist hin- und hergerissen, ihm zu helfen oder weiterzuziehen.



Wer? Wer hat es auf dich abgesehen? Wer hat dich so zugerichtet?



Talbot atmet schaudernd ein und kniet neben Oswald nieder. Er öffnet seinen Beutel und sucht nach Faden, um die Wunde zu vernähen.



Sie macht Jagd auf uns ... die menschliche Bestie. Nichts kann ihr etwas anhaben ... nichts ... Ich habe auf sie geschossen, sie mit dem Messer verletzt, aber sie verfolgt mich immer weiter ...



Spar deine Kräfte.



Ich habe die anderen gefunden. Sie leben ... dieses Ding ... stellt irgendetwas mit ihnen an.



Talbot findet den Faden und beginnt, die Wunde zu nähen. Er dreht sich zu seinem Beutel um und sein Blick fällt auf die leuchtend blaue Flüssigkeit, die er von den Ranken und Blumen gesammelt hat. Er ist sich nicht sicher, was sie bewirkt, und er weiß, dass es dauern wird, bis er es herausfinden kann.



Talbot starrt Oswald an. Er kann es nicht tun. Er sollte es nicht tun. Doch es ist ein Notfall. Er muss alles in seiner Macht Stehende tun, um ihm zu helfen, selbst wenn das bedeutet, auf gut Glück ein ungetestetes Serum zu verwenden.



Er hat nahezu keine Wahl.



Er zögert, greift nach der Phiole und starrt sie an. Er weiß, dass er sich selbst etwas vormacht. Er weiß, dass es andere Möglichkeiten gibt, um ihm zu helfen. Doch er weiß auch, dass die Kompanie seinen Antrag auf die Erlaubnis von Experimenten an Menschen nicht offiziell bewilligt hat. Experimente an Menschen könnten viel Zeit in Anspruch nehmen, sehr viel Zeit, und diese Zeit hat er nicht. Es könnte Jahre dauern, bis sich ihm solch eine Gelegenheit erneut bietet. Er könnte ihm einen Tropfen verabreichen ... nur einen Tropfen ... und herausfinden, welche medizinische Wirkung die nektarartige Absonderung haben könnte, falls überhaupt.



Die Absonderung ist ein Geschenk aus einer anderen Welt. Er hat wirklich keine Lust darauf, jahrelang zuzusehen, wie diese Phiole in einem Regal in seinem Labor verstaubt, während die Kompanie über die Vorteile seines Antrags berät. Die Kompanie wäre ihm sicher dankbar, dass er die Initiative ergriffen hätte.



Langsam bewegt er die Phiole zur Wunde. Er neigt sie leicht und lässt ein Tröpfchen auf die klebrige Wunde fallen. Er wartet, bis das Sekret vom Blut aufgenommen wird, und beobachtet die Reaktion gespannt.



Zuerst scheint rein gar nichts zu passieren. Doch plötzlich verzerrt sich Oswalds Gesicht vor Grauen, und sein Körper beginnt, sich zu verändern. Ein feuriges, blaues Feuer durchströmt seinen Körper, während am ganzen Leib blaue und lilafarbene Pusteln hervortreten.



Talbot sieht verblüfft zu. So etwas ist ihm noch nie untergekommen. Es ist unglaublich. Ein einziger Tropfen hat seinen ganzen Körper innerhalb von Minuten verändert. Die Mutation und die Energiefreisetzung allein erschienen unmöglich. Und dennoch ... es war passiert ... direkt vor seinen Augen.



Oswald schreit, während eine Pustel nach der anderen platzt und lilafarbenen Eiter verströmt.



Faszination weicht Furcht, als Talbot das grausige Schauspiel verfolgt und ihm bewusst wird, was er dem Koch angetan hat. Seine Gedanken überschlagen sich bei der Suche nach irgendetwas, das dem armen Mann helfen könnte, doch er kann nichts tun. Durch die Schreie hört er hinter sich Enas körperlose Stimme hallen.



Talbot, Liebling, was hast du getan? Was hast du getan?!



Talbot kommt strauchelnd auf die Beine, dreht sich um und stürmt durch den Wahnsinn dieser unmöglichen Welt, während ihn ein Mahlstrom widersprüchlicher Gefühle durchströmt.



Was habe ich getan? Was habe ich getan?!



Talbot stolpert durch dichte Ranken, klettert über Felsen und Leichen, aus denen leuchtende Blumen sprießen. Er stürzt zu Boden und redet sich selbst ein, dass er es nur für das Allgemeinwohl getan hat. Dass der Koch vermutlich sowieso gestorben wäre. Dass er an etwas Wichtigem arbeitet. Dass er nach Chemikalien und Substanzen sucht, die mächtig genug sind, um Menschen in Gedankenschnelle an andere Orte zu befördern.



Die Geschwindigkeit der Gedanken ist die einzige Möglichkeit, zwischen Welten hin- und herzureisen, und die Türen zu diesen unsichtbaren und unbekannten Welten befinden sich im Inneren ... und jegliche Bemühungen, die Schlüssel dafür zu finden, sind von weitaus größerer Bedeutung als das Leben eines Kochs.



Verzweifelt rappelt er sich auf und erkennt, dass er von einer lebendigen Masse aus schwarzem Nebel umgeben ist. Er starrt wie versessen darauf und sein panischer Verstand beruhigt sich vor Verblüffung, als er winzige Zellen erkennt, die gemeinsam wie eine Art dampfförmige Membran wabern. Dann ...



löst sich der Nebel langsam auf und enthüllt einen Baum mit dicken, schwarzen Blättern.



Talbot starrt den Baum an und stellt fest, dass sich der Stamm bewegt, bis er erkennt, dass er aus Menschen besteht. Verwundert wird ihm klar, dass er die verschollenen Angestellten gefunden hat. Langsam, mit weit geöffneten Augen und offenem Mund, bewegt er sich auf diesen Baum des Todes zu. Er ist ebenso wunderschön wie grauenerregend. Er ist ...



grandios.



Kein anderes Wort wird dem gerecht.



Als Talbot auf den knorrigen Baum zuschreitet, erheben sich die schwarzen Blätter plötzlich in die Luft und entpuppen sich als enorme Krähen. Sein Blick schweift nach oben und er beobachtet, wie die Krähen in der Dunkelheit verschwinden. Dann hört er knirschende Schritte und senkt schnell den Blick. Ihm gegenüber steht die menschliche Bestie.



Mit weit geöffnetem Schlund und blau glühenden Augen starrt die Kreatur Talbot an, als würde sie ihn wiedererkennen. Sie zögert und scheint unentschlossen, als sie in seine ungläubigen Augen blickt. Plötzlich …



... kreischt die Kreatur grauenerregend und Ranken schießen aus ihren Händen hervor. Sie umschlingen seinen Oberkörper und quetschen sämtliche Luft aus seinen Lungen, bis er langsam ins Nichts abdriftet.



Mit einem Keuchen öffnet Talbot die Augen. Er liegt ganz alleine in der Wüste, unter der glühenden Sonne, und weiß nicht, wie viel Zeit vergangen ist. Er erinnert sich daran, wie er sich vom Baum losriss. Er erinnert sich daran, dass ihn jemand um Hilfe bat. Er erinnert sich daran, wie er Proben nahm, als sich alles um ihn herum auflöste. Dann erinnert er sich daran, wie er im gleißenden Sonnenlicht unterwegs war und zusammenbrach. Wie er sich fragte, ob er plötzlich in einer anderen Welt aufwachen würde, oder vielleicht in einer Opiumhöhle.



Talbot setzt sich mühsam auf und sieht Männer auf Kamelen in einer Fata Morgana auf ihn zu galoppieren. Er blickt auf seine geschlossene Faust, öffnet sie langsam und erblickt eine blaue und lilafarbene Blüte.

Logs, Geschichten und Notizen: Das Haus Arkham[ | ]

Tagebuch eines Lichtspiels. Der Fallensteller.[ | ]

IconHelp archivesLog Ich habe mir auf dem Phonographen einige Erinnerungen eines geistig verwirrten Bergarbeiters namens Evan angehört. In einem Haufen verworfener Geschichten ganz in der Nähe habe ich sogar einige Comicbücher gefunden, die auf denselben Erinnerungen basieren. Wie mir scheint, wurden diese Comics von Künstlern und Autoren in anderen Welten erschaffen, die irgendwie von diesem Wahnsinnigen und seinen Verbrechen geträumt hatten. Wahrheit in einer Welt, Fiktion in einer anderen, und umgekehrt, wie ich annehme. Da frage ich mich natürlich, ob jemand in einer anderen Welt von uns träumt und über uns schreibt.

Zwölf vor Mitternacht. Die Krähen.[ | ]

IconHelp archivesLog Das Gehöft befand sich am Ende eines langen, gewundenen Feldwegs mitten im Nirgendwo. Das Dach des verfallenen Hauses am Ende des Wegs war abgesackt und verformt, auf der überdachten Terrasse hingen Futterhäuschen, die schon seit Jahren nicht mehr mit Vogelfutter gefüllt worden waren. Die weitläufigen Maisfelder rings um das Bauernaus waren verwildert und zerwühlt. Ein Windspiel an einem knorrigen Baum in der Nähe erklang leise im warmen, feuchten Wind. Max Holt saß in einiger Entfernung auf einem Hügel und beobachtete die Scheunen, die rostenden Traktoren und das alte, zerfallene Plumpsklo durch sein Fernglas. Gleich hinter dem Bauernhof erkannte er einen Friedhof mit Grabsteinen, die gegen die Abenddämmerung schwarz hervortraten. Er seufzte, senkte das Fernglas und wischte sich den Schweiß von der Stirn.



„Okay, warum genau bin ich in Texas?“, fragte er und rückte ein kleines Gerät in seinem Ohr zurecht. „Was ist so besonders an diesem verlassenen Bauernhof?“



„Er ist nicht verlassen ... Vor zwei Tagen haben wir einen Namen entschlüsselt und die Person hier aufgespürt.“ Haddies Stimme drang aus dem winzigen, schwarzen Kommunikationsgerät in seinem Ohr.



„Was wissen wir über das Ziel?“



„Tom Smith. Geboren in Nevada. Hat in den 60er- und 70er-Jahren in Südamerika für mehrere internationale Unternehmen als Kreativdirektor gearbeitet. Keine Gerichtsvorladungen. Keine Strafzettel. Keine Geldstrafen. Hat seine Steuern immer pünktlich bezahlt. Makelloser Lebenslauf.“



„Klingt nach einer Tarnung.“



„Gut erkannt. Sein echter Name ist Luis Rand. Geboren in Oakland. Filmabschluss an der UCLA. Wurde von der Regierung für eine Spezialabteilung angeheuert. Luis’ Aufgabe war es, Rebellionen zu erfinden. Das bedeutet, er produzierte in mehreren Ländern fiktionale Radiosendungen, in denen von Siegen der Rebellen berichtet wurde, die nie existierten.“



„Wozu der ganze Aufwand?“



„Wer die Hoffnung verloren hat, handelt nicht.“



„Über welches Jahr sprechen wir hier?“



„Die 1950er. Luis erschuf fiktionale Rebellengruppen, die sich gegen eine Regierung erhoben, die versuchte, etwas Gutes für die Bevölkerung zu tun. In jeder Sendung wurde über eine wachsende Rebellion berichtet, die auf die Hauptstadt zumarschierte, um den Präsidenten abzusetzen. Die übliche Masche ... Lügen, Terror, Propaganda ... Erfindungen, die darauf abzielten, die Rebellen als unbesiegbar darzustellen, damit niemand es wagte, sich ihnen entgegenzustellen. Die Agency erschuf ein Schreckgespenst, das nie existierte, und mit diesem Schreckgespenst wurde ein gewählter Präsident entmachtet, der nur gute Absichten für sein Land hatte.“



„Genau“, erwiderte Max. „Und ich habe gehört, dass sie an einer Fortsetzung des Klassikers ‚Der Krieg der Welten‘ arbeiten. Darauf freue ich mich schon. Es soll eine epische Koproduktion von Five Eyes sein, und sie scheuen weder Kosten noch Mühen.“ Kichernd suchte er die großen, leeren Felder hinter dem Gehöft ab. „Sollte ich Ausschau nach verstümmelten Kühen oder Kornkreisen halten?“



„Das ist nicht witzig, Max. Diese Operationen haben ganze Länder korrumpiert, destabilisiert und zerstört. Luis hat Informationen, die das Tal möchte. Du musst ihn finden, bevor sie uns zuvorkommen.



Plötzlich hörte Max ein fernes Brummen. Durch sein Fernglas erkannte er ein schwarzes SUV, das den Feldweg entlangbretterte und dabei eine riesige Staubwolke hinter sich herzog. „Scheiße, vielleicht sind wir schon zu spät dran. Hier nähert sich ein SUV, und zwar im Eiltempo.“ Er machte das Fernglas an seinem Gürtel fest und zog seine Pistole. „Ich geh rein.“



„Pass auf dich auf.“



„Immer doch.“







MAX RANNTE DEN HÜGEL HINAB, als das SUV anhielt und drei schattenartige Gestalten heraussprangen. Zwei Agenten traten die Vordertür ein und stürmten ins Haus, während der dritte draußen Wache hielt. Als Max sich dem Eingang näherte, ging er in die geduckte Haltung über und bewegte sich lautlos fort. Plötzlich hörte er Schmerzensschreie aus dem Inneren des Hauses. Sie hatten Luis gefunden und wollten ihn foltern. Er musste schnell handeln.



Die Dringlichkeit der Situation war beinahe greifbar, und so näherte Max sich im Schutz der Schatten langsam der Wache. Mit einer blitzschnellen Bewegung war er hinter dem Agenten, nahm ihn in den Würgegriff und drückte so lange zu, bis sein Körper zitterte und seine Beine einknickten.



Als er den bewusstlosen Agenten vorsichtig auf dem Boden ablegte, hörte er Luis erneut schreien. Sie hatten mit der Befragung begonnen. Ihm blieb nicht mehr viel Zeit.



Max schlich an der Außenwand des Hauses entlang und kletterte durch ein offenes Fenster in ein unordentliches Zimmer. Beinahe wäre er auf einer schmierigen, mit toten Fliegen übersäten Arbeitsfläche ausgerutscht. Auf dem Küchentisch stapelten sich schmutzige Teller. Zeitschriften- und Bücherstapel türmten sich vom Boden bis zur Decke. An den Wänden hingen schwarz-weiße Überwachungsfotos von Künstlern, die Wandgemälde erschufen oder gegen unterschiedliche Diktatoren protestierten, die von der Agency eingesetzt und finanziert worden waren.



Max bahnte sich einen Weg in den Flur und näherte sich langsam dem Geräusch von harten Fäusten, die auf geschwollene Körperteile trafen, begleitet von vereinzelten Schmerzenslauten. Er erstarrte, als die Geräusche aufhörten und die Stimme eines der Agenten erklang. „Wo sind die Briefe? Wo sind die Krähen? Wer weiß sonst noch davon?“



Luis schwieg.



Wieder ertönten Schläge und Schmerzenslaute, also schlich Max weiter. Behutsam näherte er sich dem Wohnzimmer. Er passierte gestapelte Kisten und Schachteln und hielt nach jedem Schritt inne, um zu lauschen.



„Wo sind die Briefe?“



Luis hustete und quälte sich mit jedem einzelnen Wort ab. „Ich weiß nicht, wovon ihr redet. Ich bin nur ein alter Mann, der nutzlosen Kram aus der ganzen Welt sammelt.“



Max erreichte das Wohnzimmer und spähte durch die offene Tür.



Einer der Agenten bereitete ein Fläschchen mit orangefarbenem Serum vor und hielt es Luis unter die Nase. „Ich werde dich noch mal fragen. Wenn du mich enttäuschst, bekommst du einen Tropfen Grime. Beim zweiten Mal wird es ein Löffel davon. Beim dritten Mal die ganze Flasche. Wenn wir uns irren und du wirklich nur ein alter Mann bist, der Kram aus der ganzen Welt sammelt, hast du keinen blassen Schimmer, was Grime mit dir anstellen wird.“



Der Agent neigte das Fläschchen, bis sich am Ende des Flaschenhalses ein Tropfen formte, und fragte: „Wo sind die Briefe? Wo sind die Krähen? Wer weiß sonst noch davon?“



Luis schüttelte den Kopf. „Ihr habt es mit Mächten jenseits eurer Vorstellungskraft zu tun.“



Der Agent lächelte und ließ einen Tropfen Grime auf Luis’ geschwollene Lippen fallen. Luis versuchte verzweifelt, seinen Mund geschlossen zu halten, doch der Tropfen verschwand in seinen aufgeplatzten Lippen.



„Mir wurde gesagt, dass ein Tropfen Grime eine Pforte zur Hölle öffnet“, sagte der Agent. „Ich kann mir nicht vorstellen, was eine ganze Flasche davon tun würde. Versuchen wir es noch mal. Aber glaub nicht, dass du weißt, was wir uns vorstellen können und was nicht.“



Luis stieß ein verächtliches Geräusch aus. „Ihr erinnert mich an mich selbst, als ich damals bei der Agency angefangen habe. Wisst ihr überhaupt, für wen ihr arbeitet? Für wen ihr wirklich arbeitet? Nicht für die Regierung. Nicht mal für die großen Firmen. Das dachte ich nämlich zuerst, als mir klar wurde, dass wir nicht für die Regierung arbeiteten ... Ich dachte, wir würden für die Firmen arbeiten ... Aber die sind nur Werkzeuge für einen sehr düsteren Zweck, genau wie die Agency.“



„Wo sind die Briefe?!“



Der Agent füllte einen Löffel mit Serum und stieß ihn in Luis’ Mund, wobei dessen vier Vorderzähne zerbrachen.



Luis röchelte, hustete und spuckte Blut und Speichel. Nach einer langen Pause sagte er: „Ihr wisst sicher, dass dieses Serum von einer ganz bestimmten Blume stammt, die an einem fremden Ort wächst. Und damit meine ich nicht in einem anderen Land.“



„Wo sind die Krähen?!“



„Eure wahren Meister sind völlig übergeschnappt. Wirklich. Sie bringen ihrem uralten Gott nicht einfach nur Menschenopfer. Nein. Das wäre zu simpel. Sie gehen noch einen Schritt weiter. Sie opfern Dörfer, Städte und Länder und verwandeln sie in Orte der Furcht. Es geht immer nur um Furcht ... Hass ... Zorn ...“



Luis nickte.



„Was wir in den 50ern und 70ern getan haben, war nur der Anfang. Sie möchten die ganze Welt opfern. Es stimmt. Sie glauben, dass sie Transzendenz erreichen können, indem sie diese Welt in eine Hölle auf Erden verwandeln.“



Der Agent seufzte. „Du bist wirklich ein starrköpfiger alter Esel, oder?“ Er packte ihn an den Haaren, riss seinen Kopf nach hinten und schmetterte das Fläschchen in Luis’ Mund. Im selben Moment sprang Max geschmeidig aus den Schatten und feuerte zwei Kugeln in die beiden überraschten Gesichter. Dann stürzte er zu Luis und zog das Fläschchen aus seinem offenen Mund.



Luis lächelte Max an. „Es ist zu spät für mich. Ich höre schon die Stimmen ... das Grauen ...“



„Luis, halt durch.“



Luis blickte Max lange an. Dann sagte er: „Sie sind hinter euch her ... ihr stört ihre perfekt geschmierte Tötungsmaschine.“



Max nickte, und er hörte Haddies Stimme über sein Kommunikationsgerät. „Frag ihn, was sie wollten.“ Er beugte sich näher zu Luis. „Was hast du, wovor sie sich so sehr fürchten?“



Luis lächelte. „Worte.“



„Worte?“



„Poesie. Kunst. Briefe.“ Luis begann zu schluchzen, und Max war sich sicher, dass das Serum auf seinen Geist zu wirken begann. Doch dann fuhr er fort: „Ich hielt mich für einen Patrioten, der unsere Zivilisation vor Gefahren schützte. Stell dir meine Überraschung vor, als ich herausfand, dass die Agency nur ein Werkzeug für ein paar reiche Arschlöcher in dunklen Roben ist. Ich habe so vielen Menschen wehgetan ... sie kommen mich holen ...“



„Was wollten sie?“



Luis kämpfte gegen das Gift an, das durch seine Adern strömte.



„Wir haben sie als Ziel gewählt, weil sie eine Verbindung hatte. Sie konnte Dinge in der anderen Welt sehen. Sie konnte ihre Gesichter sehen und sie konnte sie auf eine Art malen, wie es kein anderer Betrachter aus der Ferne je vermochte. Als wir versuchten, sie uns zu eigen zu machen ... ihre Stimme ... ihre Kunst ... damit sie uns nicht bloßstellen würde ... malte sie weiterhin ... was sie wollte.“



Luis verstummte und sein Gesicht straffte sich.



„Ihre Mutter war genauso, und wir fingen ihre Briefe an ihre Tochter ab. Sie durfte nicht erfahren, dass ihre Mutter noch am Leben war. Zwischen Mutter und Tochter gab es etwas, das wir nie hätten begreifen können. Eine Variable, die wir irgendwie übersehen hatten.“



Luis stöhnte und zitterte und strengte sich an, sich zu beruhigen, bevor er weitersprach.



„Wir bezahlten ihren Vater dafür, sie im Auge zu behalten und jegliche Merkwürdigkeiten in ihren Kunstwerken zu melden. Sie konnte Krähen aus der anderen Welt sehen ... sie erzählte ihrem Vater, dass sie ihr folgten, sie beschützten, und er hielt sie für verrückt.“



Luis begann, schwer zu atmen.



„Alles war da, in ihrer Kunstsammlung ... die Krähen ... ein genauer Plan, wie sie ihrem uralten Gott die ganze Welt als Opfer darbringen wollten. Ich habe die Gemälde gesehen und verstehe es trotzdem nicht. Es ist schrecklich, was wir dem armen Mädchen und seinem Bruder angetan haben. Immerhin konnte die Mutter ... fliehen ...“



Luis verstummte. Er konzentrierte sich und atmete tief ein.



„Das Mädchen hätte es auch fast geschafft. Sie ist weggelaufen und hat ein Künstlerkollektiv gegründet, eine Rebellion, die wir nicht steuerten, und sie malten und schrieben Gedichte gegen die Korruption – gegen die Dunkelheit.“



Luis schüttelte beinahe ungläubig den Kopf.



„Sie veröffentlichten einen Gedichtband und eine Untergrund-Zeitschrift. Wir mussten jedes einzelne Exemplar dieser Bücher und Magazine aufspüren und verbrennen.“



Luis begann zu stammeln.



„Ihr Fehler war, dass sie ihren Vater besuchte ... obwohl sie so viel gesehen hatte, hatte sie sein wahres Ich nicht erkannt.“



Für einen Augenblick schien Luis wie weggetreten. Tränen sammelten sich in seinen Augen und rannen langsam über seine Wangen, während er weitersprach.



„Sie war nur ein Experiment, das sich schließlich gegen uns stellte. Sie war der Schlüssel, die Anführerin, die Inspiration für die anderen und für mich ...“



Seine Augen weiteten sich, ganz als ob er etwas Grauenhaftes hinter Max erkennen würde. Er kniff die Augen zu, und als er sie wieder öffnete, redete er mühsam weiter.



„Was wir ihnen angetan haben ... werde ich mir nie verzeihen.“



„Hast du die Briefe?“



„Sie kommen mich holen! Ich kann sie hören!“



„Hast du die Gemälde?!“



Luis schreckte auf und nickte dann, während er beschwerlich nach Atem rang.



Max erkannte, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb. „Sind sie in diesem Haus?“, fragte er, und beugte sich noch näher zu Luis. Doch Luis antwortete nicht. Er versuchte mit aller Kraft zu sprechen, doch es kam nur ein Flüstern heraus:



„15 ... 13 ...“



Er wiederholte die Zahlen und begann plötzlich, zu kreischen und sich wild auf dem Stuhl zu winden. Max versuchte, das Klebeband von seinen Armen zu entfernen, während Luis um sich schlug. Immer wieder krachte der Stuhl auf den knarrenden Boden.



Als Max ihn endlich befreit hatte, sprang Luis auf, stürzte an ihm vorbei und hechtete mit einem Satz durch das Fenster. Er blutete aus zahlreichen Wunden und kroch zum Friedhof, doch dann gefror sein Mund zu einem grauenerregenden Schreckensschrei.







IN DER EINBRECHENDEN DÄMMERUNG kniete Max sich neben Luis auf den Boden und suchte vergeblich nach einem Puls. Seine Augen waren geweitet und seine Hand war in Richtung des Friedhofs ausgestreckt. „Du hättest nichts für ihn tun können“, erklang Haddies Stimme in seinen Ohren. Max starrte auf die Hände des toten Mannes und dann zu den Grabsteinen im Mondschein.



„15 ... 13 ... Könnte sich um ein Bankschließfach handeln“, merkte Haddie an.



Max nickte. „Ja, gut möglich.“ Er kniff die Augen zusammen und ließ seinen Blick zum Friedhof schweifen. Die Blutspur, die Luis auf dem Boden hinterlassen hatte, wirkte wie ein Pfeil, der auf einen der Grabsteine zeigte. „Moment, ich hab da einen Verdacht.“



Max erhob sich und ging auf den Friedhof zu.



„Sei vorsichtig. Mehr Agenten könnten zu dir unterwegs sein.“



„Mit Agenten der Regierung werde ich fertig. Um den anderen Dreck mache ich mir mehr Sorgen.“







AUF DEM KLEINEN FRIEDHOF ENTDECKTE MAX EINE MIT DER ZAHL 1513 MARKIERTE GRABSTÄTTE, und mit einer Schaufel, die er in einer Scheune gefunden hatte, begann er zu graben, bis er auf einen Sarg stieß. Er sprang in das Loch und wischte mit schwieligen Händen die Erde vom Deckel. Dann hievte er den verrottenden Deckel vom Sarg und entdeckte eine dicke Schicht aus schwarzer Plastikfolie. Als er das Plastik aufriss, drang ihm der stechende Geruch von feuchter Erde, Farbe und verbranntem Holz in die Nase. Doch im Handumdrehen hatte er einen Berg an Zeichnungen, Büchern, Umschlägen, kleinen Statuen und Gemälden aus unterschiedlichen Epochen und Quellen vor sich. „Volltreffer!“, murmelte er und aktivierte die Kamera seines Smartphones, um Haddie, die sicher im Hinterzimmer eines zugestopften Buchladens in New York saß, einen Livestream zu senden.



„Mora“, sagte Haddie, als sie die Gemälde musterte. „Wir hatten das Gefühl, dass sie wie die anderen ‚markiert‘ war, konnten es aber nie beweisen. Sie hatte auf jeden Fall eine Verbindung ...“ Sie verstummte in Gedanken verloren, während er die Kamera über das Gemälde eines mittelalterlichen Herrschers hielt, der von Leichenbergen umgeben in einer baufälligen Burg stand. „Sieht nach einem anderen Künstler aus ... der das andere Reich ebenfalls sehen konnte ...“



Max scannte die Gemälde und wandte sich dann einem Buch mit dem Titel ‚Poeten gegen die Dunkelheit‘ zu. Zwischen den Seiten des Buchs fischte er einen Umschlag heraus, auf dem ‚WSFM‘ stand. „Wofür steht denn WSFM?“



„Abteilung für Weird Science and Freakin’ Magic.”



Max kicherte. „Wie bitte?“



„Das ist kein Scherz ... hey, deine Verbindung wird schlechter ...“



Max blickte auf und erschrak, denn plötzlich kroch ein dichter, unnatürlicher Nebel über das offene Grab. „Scheiße!“, rief er, als ihm klar wurde, was vor sich ging. „Ich glaube, ich stehe hier mitten in einem Bluten. Vermutlich hat Luis die Artefakte deshalb hier versteckt.“



Doch Haddie antwortete nicht. Ein schrilles Heulen erklang, und hastig riss er sich das Gerät aus dem Ohr. Er stopfte es in seine Hosentasche und entdeckte Krähen, die über ihm kreisten. Sein ganzer Körper schien von Nadeln durchbohrt zu werden. Sein Körper reagierte auf eine andere Vibration, als er zwischen den Dimensionen hin- und herwechselte. Er versuchte, sich zusammenzureißen. Über ihm knackte ein Ast. Er sah nach oben und erblickte eine große Frau, die am Rand des Grabs stand und nur aus Dunkelheit bestand.



Schnell versteckte Max sich im Sarg und zog den Holzdeckel über sich. Durch einen Spalt zwischen den Brettern sah er die düstere Erscheinung, die über ihm aufragte. Sie starrte mit kalten, schwarzen Augen auf den Sarg herab, und schwarzes Blut tropfte wie Tinte von ihren Fingern. Eine Krähe flatterte ins Grab und landete auf dem Sarg. Sie pickte nervös am Deckel herum, als würde sie ihn verraten wollen.



Max schloss die Augen und wartete darauf, in diese andere Welt gezerrt zu werden. Doch die Krähe verschwand und die Erscheinung schwebte davon. Leise schlüpfte Max aus dem Sarg und kletterte aus dem Grab in eine Welt des Nebels. Er konnte die Krähen über sich kreisen hören, aber nicht sehen. Als er losrannte, hörte er sein Herz in seiner Brust hämmern, und dann vernahm er Schritte. Hinter ihm. Sie wurden schneller. Lauter.



Max spähte über seine Schulter, sah jedoch nur dichten Nebel. Er wartete nicht auf das Wesen, das in der Dunkelheit lauerte und ihn fangen wollte. Er hastete über den Friedhof, sprang über den Zaun und stürzte unglücklich zu Boden. Dann schloss er die Augen und verlor das Bewusstsein, als sich ein schrilles Heulen in seine Ohren bohrte.



Als er die Augen endlich wieder öffnete, war es Morgen, und goldene Sonnenstrahlen drangen durch die Risse in einer Tür, erhellten die Dunkelheit und wärmten sein Gesicht. Er hatte keine Erinnerung daran, was geschehen war, nur verschwommene Flashbacks, wie er am Boden entlanggekrochen war, während sich rings um ihn unnatürliche und unbegreifliche Dinge bewegten.



Er erinnerte sich an die Krähen, die Frau mit den schwarzen Augen sowie das Kreischen und die Schreie, die die Nacht zerrissen. Er erinnerte sich daran, wie er das Plumpsklo gesehen hatte und durch eine Nebelschicht gekrabbelt war. Er erinnerte sich daran, wie er die knarrende, rote Tür geöffnet und sich im Inneren versteckt hatte. Alles andere war unscharf.



Voller Schmutz und Dreck trat er nach draußen ins grelle, weiße Sonnenlicht. Er zückte sein Smartphone und rief Haddie an. Kurz darauf erschien ihr Gesicht auf dem kleinen Bildschirm.



„Wir dachten schon, wir hätten dich verloren.“



„Ich fühl mich, als hätte mich ein LKW überfahren ... aber ich lebe noch ...“ Max drehte sich mehrmals im Kreis und starrte das alte Gehöft an. „Ich kann mich an kaum was erinnern.“



„Du warst die ganze Nacht lang weg.“



„Tja ... nun ... für mich hat es sich wie eine Ewigkeit angefühlt.“

Blutkammer. Der rote Kranich. Schlange im Garten.[ | ]

IconHelp archivesLog Saku war den ganzen Tag lang damit beschäftigt, die verwesenden Leichen aufzustapeln, die sie im abgelegenen Bergdorf entdeckt hatte. Mütter. Väter. Brüder. Schwestern. Kinder. Alle waren rituell ermordet worden. Und als sich die Nacht herabsenkte, zündete sie die Opfer der Gesellschaft der schwarzen Schlange an. Die Flammen schossen gewaltsam in den Himmel und ließen rot glühende Asche in den schwarzen Abgrund über ihr aufsteigen. Während das Feuer wogte und knisterte, sah Saku dabei zu, wie die Flammen das Fleisch verzehrten, und versuchte, nicht an das Leid zu denken, das die Gesellschaft über dieses Dorf gebracht hatte. Eines der Mitglieder „häutete“ sich gerade, und diese Häutungszeremonie war ein Initiationsritus. Das Mitglied musste Tee trinken, der aus den lilafarbenen Blütenblättern einer Blume gebraut wurde, die sie in einer anderen Welt ernteten. Dieser Tee tötete den Anwärter entweder oder brachte ihm einen Albtraum aus dieser anderen Welt, den er in dieser Welt Wirklichkeit werden lassen musste. Bisher war sie Zeugin drei dieser Albträume geworden. Grauenerregende Monumente, erschaffen aus Dorfbewohnern, die wie Tiere gejagt und gefoltert worden waren, bevor sie zu einer menschlichen Opfergabe geformt wurden. Sie wusste nicht, welche Schrecken diese Schlangen in der anderen Welt gesehen hatten, aber was auch immer es gewesen sein mochte, konnte nicht schrecklicher und brutaler gewesen sein als das, was sie in dieser Welt vollbrachten.



Angesichts der Opfergaben, die Saku zuvor gesehen hatte, ging sie davon aus, dass sie eine ähnliche Opfergabe nur unweit des Dorfes finden würde. Sie machte sich also auf das Schlimmste gefasst, nahm einen Ast, der am Boden lag und entzündete ihn am Scheiterhaufen. Behutsam machte sie sich auf den Weg in den umliegenden Wald.



Schon bald entdeckte Saku einen Kleiderhaufen sowie eine Blutspur und Blütenblätter. Sie folgte der Spur bis zu einer Ansammlung aus wunderschönen Blumen, die aus den Leichnamen zerstückelter Dorfbewohner sprossen. Seufzend suchte sie das Gebiet im flackernden Licht ihrer Fackel ab. Schnell wurde ihr bewusst, dass die Fläche auf eine Art entholzt worden war, dass sie einer Art Irrgarten glich. Die Dorfbewohner waren in diesem Irrgarten, der dem Albtraum einer Schlange gleichen sollte, gejagt und gefangen worden.



So nannte sie die Mitglieder der Gesellschaft.



Schlangen.



Sie hatten nichts Menschliches an sich. Menschen verfügten über Wärme und Einfühlungsvermögen, diese beiden Eigenschaften fehlten den Kultanhängern. Vermutlich war sogar das Blut in ihren Adern kalt. Und Saku wusste, dass der Urheber dieses Irrgartens und der Opfergabe noch in der Nähe sein könnte, irgendwo in seiner Opfergabe an die schwarze Schlange, im Begriff, seine menschliche Haut metaphorisch abzustreifen.



Saku wandte sich wieder der Opfergabe zu und suchte die grausigen Gesichter atemlos nach einem Anzeichen von Leben ab. Auf der Suche nach der Schlange in diesem Garten des Todes hörte sie plötzlich knackende Geräusche im Unterholz hinter ihr. Instinktiv duckte Saku sich. Eine mächtige Axt sauste über ihren Kopf, trennte Blumen ab und schlitzte eine aufgeblähte Leiche auf. Sie machte einen Schritt zurück, ließ ihre Fackel fallen und drehte sich zu einer Schlange um, die eine Dämonenmaske trug und sie anschrie. Die Schlange griff nach der Axt und begann, wie wild auf sie einzuhacken.



Mit kleinen, schnellen Schritten wich Saku den gewaltigen Hieben aus. Dann zog sie ihr glänzendes Schwert und köpfte die Schlange mit einer einzigen, flüssigen Bewegung. Der kopflose Körper taumelte nach links und nach rechts, und das warme Blut spritzte wie aus einem Springbrunnen auf den Boden und die Bäume. Der Torso sackte in sich zusammen und wurde Teil der Opfergabe, während der Kopf wegrollte und schließlich am Stamm eines Baums zum Liegen kam.



Saku ging zum Baum, hob den Kopf auf und entfernte die Maske. Darunter kam das Gesicht einer jungen Frau mit starr geöffneten Augen zum Vorschein. Sie hatte Mitleid mit dieser Frau, die von der Gesellschaft umgarnt, vorbereitet und verdorben worden war, und so trug sie den Kopf zur Opfergabe und legte ihn neben dem Körper ab.



Behutsam hob Saku ihre flackernde Fackel wieder auf und entzündete die Opfergabe. Das orangefarbene Licht des lodernden Leichenhaufens spiegelte sich in ihren Augen wider, während sie an ihren Clan dachte und sich fragte, ob sie die Gesellschaft jemals davon abhalten konnte, ihre geliebte Heimat zu verderben und zu zerstören.

AUFSTIEG DER FLEISCHFRESSER 1[ | ]

IconHelp archivesLog „WOHIN BRINGST DU MICH?“, fragte Lori, als sie Ian durch den Wald folgte.



„Point Pleasant Peak.“ Ian näherte sich einem Maschendrahtzaun und suchte nach dem Loch, das er letzte Woche hineingeschnitten hatte. Dabei wäre er beinahe in einen Haufen Knochen und Gedärme getreten, die einmal ein Kojote gewesen waren.



„Wir sollten nicht hier sein. Lass uns lieber umkehren.“



„Unsinn“, erwiderte Ian, als er das Loch im Zaun entdeckte. „Es wird wie in den guten alten Zeiten sein.“



Doch das stimmte nicht. Der heutige Tag würde besser werden als die guten alten Zeiten. Heute war ein ganz besonderer Tag – ein einzigartiger Tag. Ein Tag, der alle anderen Tage überstrahlen würde.



Ian hatte die Wanderung zu ihrem ganz besonderen kleinen Ort schon etwas länger als ein Jahr geplant, und er würde sich von nichts aufhalten lassen. Nicht von diesem Zaun. Nicht von Gesetzen. Nicht einmal von diesem gruseligen Genforschungsinstitut, das das gesamte Land hier aufgekauft hatte.



„Du weißt schon ... dass der Weg aus einem guten Grund gesperrt wurde.“



„Der Weg wurde gesperrt, weil ein korrupter Bürgermeister öffentlich zugängliches Land an eine Firma verscherbelt hat. Dazu hätte es nie kommen dürfen.“ Ian zerrte an der Ecke des Lochs im Zaun. „Lass uns auf den Gipfel steigen und ein paar Fotos knipsen.“



Lori lächelte ihn an und krabbelte durch das Loch im Zaun. „Was könnte schon Schlimmes passieren?“, fragte sie.

AUFSTIEG DER FLEISCHFRESSER 2[ | ]

IconHelp archivesLog EIN TIEFORANGEFARBENES LEUCHTEN drang durch das Blätterdach, als Ian und Lori den alten Wanderweg zum Point Pleasant Peak hinaufstiegen. Die Luft war frisch und kühl, und von Zeit zu Zeit hielt Lori inne, um eine Pflanze, eine Blüte oder einen Vogel zu fotografieren, während Ian seine Hosentasche auf die kleine, schwarze Schatulle überprüfte, die alle Hoffnungen und Träume beinhaltete, die er für ihre gemeinsame Zukunft hatte. Er würde es tun. Er würde es wirklich tun.



Plötzlich hielt Lori an und zeigte auf zwei Habichte, die in der Ferne am Himmel ihre Kreise zogen. Ian trat neben sie und beobachtete die Vögel, während sie Fotos machte.



Ein Omen, dachte er. Ein wunderschönes, majestätisches Paar, das in perfekter Harmonie zusammenarbeitet. Sie kreisten gemeinsam durch den bernsteinfarbenen Himmel, einer im Uhrzeigersinn, der andere dagegen. Ihre anmutigen Pfade verflochten und überkreuzten sich, während sie mit weit gespreizten Flügeln nach ihrem Abendessen suchten. Dann unterbrachen sie ihr Kreisen und stürzten sich mit angewinkelten Flügeln in Richtung Erde, wo sie im Wald verschwanden.



Lori richtete ihre Kamera auf die Bäume und wartete darauf, dass sich die Habichte mit ihrer Beute wieder in die Lüfte erheben würden. Doch als nach mehreren Minuten kein Vogel aus dem Wald geflogen kam, setzten sie ihre Wanderung fort und redeten darüber, wie sie sich das erste Mal auf diesem Weg begegnet waren. Er hatte gesehen, wie sie Eichhörnchen fütterte, um sie für ein Foto anzulocken. Er hatte ihr gesagt, dass es Unglück bringe, Wildtiere zu füttern. Sie hatte erwidert, dass er sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern solle, und dass sie ihres eigenen Glückes Schmiedin sei. Und seitdem waren sie ein Paar.

AUFSTIEG DER FLEISCHFRESSER 3[ | ]

IconHelp archivesLog IAN WUSSTE NICHT, warum Lori plötzlich erstarrte, als sie den Wanderweg hinaufmarschierte. „Was ist los?“, fragte er und stellte sich neben sie.



Lori schüttelte langsam den Kopf. „Ich glaube, wir werden beobachtet.“



„Deine Fantasie geht mit dir durch. Komm schon, lass uns weitergehen.“



Plötzlich ertönte aus allen Himmelsrichtungen eine Art Zwitschern.



„So ein Geräusch habe ich noch nie gehört.“



„Sicher nur Vögel.“



„Das sind keine Vögel!“



Urplötzlich verstummte das Geräusch.



Ian knuffte sie, lächelte und deutete auf den Weg zum Gipfel. Sie machte ein paar Schritte, doch Sekunden später hielten beide an. Vor ihnen lagen zwei tote Habichte, umgeben von Federn und warmem Blut.



„Die haben sich wohl mit der falschen Maus angelegt.“ Ian schluckte schwer und wollte die Situation auf die leichte Schulter nehmen, in der Hoffnung, unterwegs auf ein besseres Omen zu stoßen.



Lori machte ein Foto. „Da stimmt etwas nicht ... Was könnte einen Habicht so zurichten?“



Ian dachte lange nach und antwortete nicht. Dann presste er ein Lachen hervor, nahm Loris Hand und führte sie den Weg entlang zu ihrem ganz besonderen Ort.

AUFSTIEG DER FLEISCHFRESSER 4[ | ]

IconHelp archivesLog DER WALD WAR ungewöhnlich still, als Ian und Lori auf ein Waldkaninchen stießen, das mitten auf dem Wanderweg saß. Sie standen da und blickten in die kleinen, schwarzen Augen des Kaninchens. Ian war sich ziemlich sicher, dass ein Kaninchen ein gutes Omen sein musste und dass es ein Zeichen dafür war, dass der Tag doch noch nach Plan verlaufen würde.



„Sieben Jahre Glück, wenn du ein hilfloses Kaninchen fütterst.“ Lori lachte und durchsuchte ihren Rucksack nach einer Karotte.



„Nicht ...“



„Komm schon, das arme Kerlchen sieht aus, als hätte es schon tagelang nichts mehr gefressen.“



Ian seufzte. „Na schön, von einer Karotte wird die Welt schon nicht untergehen.“



Lori zückte ihre Kamera und hielt dem Kaninchen die Karotte hin. Genau in diesem Augenblick begann das Zwitschern erneut und schwoll rings um sie immer lauter an.



Plötzlich lief Ian ein kalter Schauer über den Rücken. Irgendetwas in den Augen des Tierchens sagte ihm, dass sie eine grobe Fehleinschätzung gemacht hatten, und dass der Tag keinesfalls so perfekt verlaufen würde, wie er gehofft hatte.



Lori zog sich von dem scheinbar hilflosen Kaninchen zurück, verlor jedoch den Halt, als es plötzlich sein Maul voller messerscharfer Zähne aufriss und ein Brüllen ausstieß. Das Brüllen rief Hunderte fleischfressende Kaninchen herbei, die aus den Schatten stürzten und die beiden umringten.



Ian begriff nicht viel von dem, was danach passierte. Er stürzte rückwärts und knallte mit dem Hinterkopf gegen einen Fels, während Millionen scharfer Nadeln seine Haut aufschlitzen und Fleisch, Muskeln und Knochen herausrissen. Er hörte Lori schreien und einen Moment lang wünschte er sich, er wäre nicht so ein verdammter Romantiker gewesen. Dann umschloss ihn schwarzer Nebel, und mit letzter Kraft rief er eine Frage, während seine Hand hartnäckig seine Hosentasche durchwühlte und eine kleine, schwarze Schatulle hervorzog.

Jahr sieben. Tag 207. Morgen.[ | ]

IconHelp archivesLog Seit wir den Turm erreicht haben, hat James fast die ganze Zeit damit verbracht, die Geschichten und Tagebücher der vorherigen Bewohner zu lesen. Er führt sein eigenes Tagebuch und ist fest entschlossen, ein Drehbuch über unsere gemeinsame Erfahrung zu schreiben. Neulich habe ich über seine Schulter geschaut, um zu sehen, was er in seinem Notizbuch niederschreibt. Zu meiner Überraschung war es eine gesamte Unterhaltung zwischen den Parks. Ich räusperte mich, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Alarmiert drehte er sich um und schenkte mir einen Blick, den ich nur als mörderisch bezeichnen kann. Es war, als hätte ich das Verfassen der Unabhängigkeitserklärung unterbrochen. Ich warf ihm vor, dass es unanständig und unsittlich sei, jemanden zu belauschen. Er warf mir vor, dass es unanständig und unsittlich sei, ihm über die Schulter beim Schreiben zu beobachten. Dann fügte er hinzu, dass Schriftstellern alles erlaubt sei.

Jahr sieben. Tag 207. Nachmittag.[ | ]

IconHelp archivesLog Ich kletterte zu meinem Lieblingsplatz auf dem Dach des Turms, wo ich mir Erinnerungen anhörte, die einer der früheren Bewohner auf Schallplatten festgehalten hatte. Sein Verschwinden ist weiterhin ungeklärt. Die Luft roch nach Ammoniak und feuchtem Laub; der Nebel wirbelte, bauschte sich auf und waberte endlos in Richtung Horizont. Aus dem neunten Stock waren Gelächter und Auseinandersetzungen zu hören. Gemeinsam mit einigen Helfern hat Donald der Schreiner alle möglichen Dinge aus anderen Welten dazu verwendet, eine Minigolfanlage zu unserer Erheiterung und Unterhaltung zu bauen.

Jahr sieben. Tag 207. Nacht.[ | ]

IconHelp archivesLog Das Leben hier ist ein ewig währender Kampf gegen Entfremdung, Beklemmung, Depression und Langeweile. Minigolf hilft. Und die Geschichten. Wir lesen sie abwechselnd. James setzt wie immer noch einen drauf und spielt sie uns vor. Bevor er Schriftsteller wurde, war er ein Schauspieler, der an mehreren Radioserien und Werbespots beteiligt war. Dank all dieser Ablenkungen ist es schön, die Schrecken dieser Welt zu verdrängen und den harten Kampf um unser geistiges Wohlergehen zu vergessen.

Glyphen[ | ]

Orange Glyphen[ | ]

Lupe Hauptartikel: Glyphen

Die Glyphenmassaker Herausforderung ist nur für Killer verfügbar.

  • Der Killer leidet unter verschiedenen Dingen, basierend darauf welche Herausforderung in welchem Foliantenlevel gewählt wurde, wenn mehrere Überlebende zu Nah an der Glyphe aufgehängt wurden.
  • Killer benötigen 2 Sekunden um mit der Glyphe zu interagieren.
  • Die Glyphe ist in einem Umkreis von 16 Metern sichtbar.

Kurzfilme[ | ]

Jonah Vasquez: Vermächtnis des Betrugs Talbot Grimes: Der menschliche Faktor

Belohnungen[ | ]

Durch das Abschließen der entsprechenden Aufgaben der vier Stufen im Foliant erhält der Spieler folgende Glücksbringer:

Bild Name Beschreibung Stufe
NO 001 Bizarres Kaninchen Ein niedliches Kaninchen! Es hat aber etwas Eigenartiges an sich. STUFE I
NO 002 Berstendes Kaninchen Was macht es denn mit seinem Kopf? Und was ist das für ein Geräusch? Da stimmt doch was nicht. STUFE II
NO 003 Schauriges Kaninchen Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um wegzulaufen. STUFE III
NO 004 Bestialisches Kaninchen Oh nein. Nein, nein, nein. Nein, NEIN, NEIN, NEIN! STUFE IV

Trailer[ | ]

FOLIANTEN IN DEAD BY DAYLIGHT
FOLIANTEN

Foliant 1 - Das Erwachen Foliant 2 - Abrechnung Foliant 3 - Eskalation Foliant 4 - Verurteilung Foliant 5 - Entfesselt Foliant 6 - Abweichung Foliant 7 - Verlassen Foliant 8 - Befreiung Foliant 9 - Crescendo Foliant 10 - SAW Foliant 11 - Hingabe Foliant 12 - Uneinigkeit Foliant 13 - Boshaftigkeit Foliant 14 - Verrat Foliant 15 - Aufstieg Foliant 16 - Existenz Foliant 17 - Engagement Foliant 18 - Korrektur Foliant 19 - Pracht

EVENTFOLIANTEN Eventfoliant 1 - Der Mitternachtshain Eventfoliant 2 - Unheimliche Maskerade Eventfoliant 3 - Spuk in Dead by Daylight Eventfoliant 4 - Kalt bis auf die Knochen Eventfoliant 5 - Unheimliche Maskerade Eventfoliant 6 - Heiße Grillparty Eventfoliant 7 - Spuk in Dead by Daylight Eventfoliant 8 - Kalt bis auf die Knochen Eventfoliant 9 - Blutmond
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